+
Frankfurt kurz vor Kriegsende: Ein US-Soldat steht in den zerstörten Adler-Werken. Am 8. Mai jährt sich das Ende des zweiten Weltkrieges zum 75. Mal.

8. Mai 1945

Frankfurt: Erinnern an das Ende des Terrors

  • schließen

Am 8. Mai 1945 kapitulierte die Wehrmacht und der Zweite Weltkrieg endete. In diesem Jahr wird das Gedenken stark durch die Coronavirus-Pandemie beeinflusst.

Der morgige 8. Mai ist gleich doppelt historisch. Zum einen jährt sich die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht, die das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und der industriellen Vernichtung der europäischen Juden bedeutete, zum 75. Mal. Zum anderen findet der Gedenktag, der in vielen Ländern weltweit als „Tag der Befreiung“ gefeiert wird, unter den Bedingungen der Coronavirus-Pandemie statt, was auch in Frankfurt das Erinnern und Mahnen verändert und einschränkt.

Die Stadt Frankfurt erinnert nur mit einer kleinen Gedenkfeier an den 8. Mai 1945. Um 15 Uhr wollen Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU) einen Blumenkranz am Mahnmal an der Paulskirche ablegen. Anschließend soll am Balkon des Römers ein Transparent angebracht werden.

Weblinks

Den Vortrag von Benjamin Ortmeyer findet man im Netz: https://youtu.be/vLaEylAqU_s. Die virtuelle Lesung findet sich unter der Adresse https://frankfurtmain.vvn-bda.de/

Das „8. Mai Bündnis Frankfurt“, dem sich mehr als 30 Parteien, Verbände, Gewerkschaften und Initiativen angeschlossen haben und das in den vergangenen Jahren politische Kundgebungen auf dem Römerberg abgehalten hat, verzichtet in diesem Jahr auf eine öffentliche Versammlung. Stattdessen ruft das Bündnis dazu auf, an allen Orten in der Stadt, die an Opfer des Nationalsozialismus oder Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer erinnern, rote Blumen als Zeichen des Gedenkens niederzulegen oder Schilder und Plakate anzubringen. „Lasst uns Frankfurt in ein rotes Blumenmeer verwandeln“, heißt es dazu. Fotos von dieser eher stillen Form des Erinnerns sollen auch in den sozialen Netzwerken verbreitet werden.

75 Jahre Kriegsende

In einem eigenen Aufruf macht das Bündnis sich zudem dafür stark, den 8. Mai als „Tag der Befreiung“ zu einem Feiertag zu erklären. Dies könne ein Zeichen sein, „dass wir die Lehren aus den finsteren Jahren 1933 bis 1945 verstanden haben“. Parallel müssten faschistische und neonazistische Strukturen bekämpft und stärker gegen Rassismus und Antisemitismus in der Gesellschaft vorgegangen werden. Die Erklärung ist unter anderem vom AStA der Goethe-Universität, der Bildungsstätte Anne Frank, dem DGB Frankfurt, der Frankfurter Linkspartei, dem Türkischen Volkshaus und dem Netzwerk Seebrücke unterzeichnet.

Der Frankfurter Erziehungswissenschaftler Benjamin Ortmeyer hält ab 17 Uhr einen Vortrag über die Bedeutung des 8. Mai und die anderer Gedenktage mit Bezug auf den Nationalsozialismus. Außerdem will Ortmeyer über die Aktualität nationalsozialistischer Propaganda sprechen. Die Veranstaltung, die vom AStA der Goethe-Universität und von der Schülervertretung der Wöhlerschule organisiert wird, findet wegen der Corona-Pandemie als Livestream statt (s.u.).

Der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) lädt darüber hinaus schon zu einer virtuellen Lesung am 10. Mai ein, um an die Bücherverbrennung auf dem Römerberg am 10. Mai 1933 zu erinnern. Damals hatten Nationalsozialisten Bücher von ihnen verfemter Autorinnen und Autoren verbrannt.

Von Hanning Voigts

Zum Kriegsende im Mai 1945 entdeckte George Allen die Reste der Besprechungsprotokolle Adolf Hitlers. Ein Fund, der Geschichte schreiben sollte.

Ein Streit um das Nato-Manöver in Osteuropa hat dafür gesorgt, dass Bürgermeister Uwe Becker die Gedenkveranstaltung zum Tag der Befreiung in Frankfurt verlassen hat.

Kritiker der Corona-Beschränkungen wollen am Samstag wieder in der Frankfurter City demonstrieren. Linke und zivilgesellschaftliche Gruppen wollen sich ihnen entgegenstellen und warnen vor Verschwörungsdenken.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare