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Der Römer.

Römerbriefe

Frankfurt neu erfunden

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    Georg Leppert
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Fridays for Future ändert die Welt – und die Kommunalpolitik. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Göpfert:Es wird sich alles ändern. Unser ganzes Leben.

Leppert:Ich werde nicht mehr Eintracht-Fan sein?

Göpfert:Doch. Aber du wirst nicht mehr mit dem Moped ins Stadion fahren dürfen und dort keine Rindswurst mehr essen dürfen, und über dein Trikot müssen wir auch nochmal reden. Alles nicht klimafreundlich.

Leppert:Das mit der Rindswurst ist hart.

FFF, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik. FFF ändert alles. Fridays (F) for (F) Future (F). Die jungen Leute erobern die Welt. Und erst einmal den Römer. Dieser Tage waren sie in den Ausschusssitzungen. Und schon da war alles anders. Plötzlich machten Worte wie „Klimanotstand“ die Runde. Puh, da bekamen sogar die Grünen etwas Angst. Gibt ja schließlich so etwas wie Koalitionsdisziplin – und Notstand, das klingt auch so negativ. Hallo, hallo, hier ist Frankfurt, uns ist die Grüne Soße ausgegangen, wir rufen den Notstand aus. Sorry, der Witz war etwas flach, aber was wir sagen wollen: Bald ist alles neu in der Kommunalpolitik.

Jetzt sind wir beide zusammen 109 Jahre alt. Da gibt man Leuten keine Tipps, die gerade die achte Klasse besuchen. Aber wir haben uns mal ausgemalt, wie das alles weitergehen könnte.

Die Grünen werden die nächste Wahl gewinnen. Zwar macht Jutta Ditfurth von Ökolinx bei den FFF-Leuten derzeit Stimmung gegen die Partei und fragt etwa nach den politisch Verantwortlichen für den Kosovo-Einsatz. Aber zusammen mit Ditfurth sind wir 176 Jahre alt, und der Kosovo-Einsatz ist nun auch 20 Jahre her.

Die Grünen wollen natürlich eine Koalition mit der CDU bilden. Wollen sie immer, klappt aber diesmal nicht. Die FFF-Leute sagen: Ihr macht Grün-Rot-Rot, sonst kommen wir in jede Ausschusssitzung. Martin Kliehm von den Linken wird dann Ordnungsdezernent, und als erste Amtshandlung richtet er eine städtische Homepage ein, auf der man Polizeiübergriffe aller Art melden kann.

Die Gewerbesteuer wird erhöht, daraufhin geben die CDU-Leute drei kleineren Unternehmen viel Geld, damit sie die Stadt verlassen und die Christdemokraten hinterher sagen können: Seht ihr, wir hatten recht, eine höhere Gewerbesteuer ist der Tod für unsere Wirtschaft. Projekte wie der Bau der Mulitfunktionsarena werden aufgegeben. Sie sind klimaschädlich, und überhaupt: Wenn die Leute vernünftig sind, gibt es irgendwann auch mal wieder richtige Winter, und dann können die Eishockey-Löwen auf dem zugefrorenen Weiher im Ostpark spielen.

Mike Josef (SPD) bleibt Planungsdezernent, muss aber hundertmal ins Schönschrift-Heft schreiben: Der Pfingstberg wird nicht bebaut. Sodexo soll enteignet werden. Als Schuldezernentin Sylvia Weber (SPD) sagt, dass das rechtlich nicht geht, wird sie abgewählt. Daraufhin mag auch Jan Schneider (CDU) nicht mehr. Er tritt ab und setzt sich als Zuschauer hinter die letzte Reihe des Parlaments, wo er aber nichts sieht, weil der zurückgetretene CDU-Fraktionschef Michael zu Löwenstein vor ihm so groß ist...

Sie finden, dass wir Unsinn schreiben? Sorry, die Hitze, der Klimawandel, es muss sich alles ändern. Nur die Rindswurst darf es weiter geben.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppertberichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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