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Yusuf Yerkel tritt auf einen protestierenden Bergarbeiter ein.
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Yusuf Yerkel tritt auf einen protestierenden Bergarbeiter ein.

Türkisches Generalkonsulat

Frankfurt: Ex-Erdogan-Berater Yusuf Yerkel soll Handelsattaché werden

Gegen den designierten Handelsattaché Yusuf Yerkel in Frankfurt gibt es Protest. Er hatte einst einen Bergmann getreten.

Frankfurt - Rund 200 Personen haben sich am Freitagmittag vor dem türkischen Generalkonsulat an der Kennedyallee versammelt, um gegen den Ex-Erdogan-Berater Yusuf Yerkel zu protestieren. Dieser hatte im Jahr 2014 international für Aufsehen gesorgt, als er nach dem Grubenunglück in der Stadt Soma auf einen wehrlosen Demonstranten eintrat. Yerkel wurde offiziell entlassen, blieb aber im Dienst Erdogans – nun wurde bekannt, das er in den kommenden Wochen einen Posten als Handelsattaché am Frankfurter Generalkonsulat übernehmen soll.

„Das ist eine Blamage für unsere Demokratie“, sagt Bektas Maksut, Mitglied des Alevitischen Kulturvereins. Yerkel sei „kein Diplomat, sondern ein Provokateur“. Ihm trotz seines Fehlverhaltens einen gut bezahlten und hochangesehenen Job zu verschaffen, setze ein falsches Zeichen. „Sein Verhalten darf nicht ohne Strafe bleiben.“

Frankfurt: Demo gegen Ex-Erdogan-Berater Yusuf Yerkel

Gemeinsam mit den anderen Demonstrierenden versucht Maksut jetzt, die Berufung Yerkels zu verhindern. „Wir erwarten von der deutschen Regierung, sich mit den Arbeiter:innen zu solidarisieren und ein klares Zeichen gegen Yerkel zu setzen“, meint auch die Landtagsabgeordnete Saadet Sönmez (Die Linke). Die Pläne der türkischen Regierung nennt sie einen „Schlag ins Gesicht der Betroffenen“: „Yerkels Tritt damals war auch ein Tritt gegen die 301 Menschen, die bei dem bewusst hingenommenen Unglück in Soma ums Leben gekommen sind.“

Wie viel es den türkischen Staatsbürger:innen bedeutet, ihr Recht auf freie Meinungsäußerung überhaupt ausleben zu dürfen, zeigen Szenen im Rahmen der Kundgebung. Per Liveschalte vom Handy werden die Reden der Beteiligten in die wenigen verbliebenen unabhängigen Medien übertragen, Livestreams auf Instagram oder Youtube sollen die Geschehnisse für Personen in der Türkei zugänglich machen. Eine Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte, erzählt von der Angst der Teilnehmenden um ihre Familien. Doch auch in Deutschland fühlten sich Regimekritiker:innen nicht hundertprozentig sicher: Die Konsulate seien „Geheimdienstzentralen“, die als „langer Arm Erdogans“ die türkische Politik unterstützten. „Kurdisch- und armenischstämmige Bürger:innen werden hier seit Jahren systematisch und gezielt eingeschüchtert“, sagt die Demonstrantin. Umso wichtiger sei es, dass mit Yusuf Yerkel nicht ein weiterer Unterstützer Erdogans in die Bundesrepublik komme.

„Erdogans Politik ist des 21. Jahrhunderts nicht mehr würdig“, betont der regionale Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Philipp Jacks, in seiner Rede auf der Kundgebung. Nicht nur in menschlicher Hinsicht halte er die Ernennung Yerkels für eine Gefahr: Auch die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und der Türkei würden in Mitleidenschaft gezogen werden.

Frankfurt: Ex-Erdogan-Berater Yusuf Yerkel soll Handelsattaché werden

Als symbolische Geste legten die Demonstrierenden zum Ende des Protests einen schwarzen Trauerkranz vor dem Eingang des Konsulats nieder. Nun bleibt abzuwarten, ob die Bundesregierung auf die anhaltende Kritik reagiert und die Berufung des designierten Handelsattachés verhindert – die Möglichkeit dazu hätte sie.

Aus der Frankfurter Stadtregierung gab es am Freitag keine Bewertung der Personalie Yerkel zu hören. Wirtschaftdezernentin Stephanie Wüst (FDP) ließ bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe eine Anfrage der Frankfurter Rundschau unbeantwortet. Gleiches galt für die Industrie- und Handelskammer.

Die Fraktion der Grünen im Römer positionierte sich klar. „Wir sehen diese Berufung extrem kritisch“, sagte die Vorsitzende Tina Zapf-Rodriguez. Sie wünsche sich breiten Protest gegen die Einsetzung von Yerkel als Handelsattaché. (Elisa Schwarze/Georg Leppert)

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