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Kinder und Erwachsene besteigen und besichtigen den Sandberg, der in der Nacht im Frankfurter Nordend bei der kontrollierten Sprengung einer 500 Kilo schweren Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entstanden war. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
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Kinder und Erwachsene besteigen und besichtigen den Sandberg, der in der Nacht im Frankfurter Nordend bei der kontrollierten Sprengung einer 500 Kilo schweren Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entstanden war.

Weltkriegsbombe

Frankfurt: Entspannung nach der Bombennacht

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Kinder klettern am Donnerstag auf den meterhohen Sandhügel, der am Vortag aufgeschüttet worden war, um die Detonation der Weltkriegsbombe zu dämpfen.

Frankfurt am Main - Wenige Stunden nach der kontrollierten Sprengung einer 500-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg im Frankfurter Nordend ist die Stimmung extrem ausgelassen: Kinder klettern am Donnerstag auf den meterhohen Sandhügel, der am Vortag aufgeschüttet worden war, um die Detonation zu dämpfen. Sie rutschen fröhlich hinunter, Eltern und Passanten machen Fotos. Laut Feuerwehr waren 50 Lastwagenladungen, also um die 1500 Tonnen Sand abgeladen worden. Der Sandhügel befindet sich direkt auf dem Bombenfundort, in der Nähe des Basketballkorbs auf dem Spielplatz Glauburgplatz.

Am Mittwochmittag war bei Baggerarbeiten am Glauburgbunker in der Schwarzburgstraße, wo neue Wohnungen entstehen sollen, die Bombe entdeckt worden. Im 700-Meter-Radius wurde evakuiert. 25 000 Menschen waren davon betroffen, sie mussten am Nachmittag ihre Wohnungen verlassen.

Bombe in Frankfurt: Hochexplosiv und gefährlich

Anders als bei bisherigen Bombenfunden in Frankfurt musste die Evakuierung innerhalb von wenigen Stunden erfolgen. Denn die englische Sprengbombe aus dem Zweiten Weltkrieg war hochexplosiv und gefährlich. Dieter Schwetzler vom Kampfmittelräumdienst hatte der Hessenschau in der Nacht der Sprengung gesagt, dass das Besondere an dieser Bombe sei, dass sie einen Langzeitzünder habe: „Eine Bombe, die so eine Bezündung besitzt, kann jederzeit zur Wirkung kommen – alleine schon durch Temperaturschwankungen. Das größere Problem ist, dass der Kopf des Zünders abgeschert ist.“ Er und das Team waren während der Sprengung etwa zwei Straßen von der Stelle entfernt. Eine Entschärfung wäre zu gefährlich gewesen.

Kurz nach Mitternacht war die Bombe gesprengt worden. Wie die Feuerwehr mitteilte, hinterließ sie ein drei Meter tiefes Loch mit einem Durchmesser von zehn Metern. Viereinhalb Kilogramm Sprengstoff waren für die kontrollierte Sprengung an der Bombe angebracht worden. Über Schäden an Gebäuden oder Infrastruktur in der Umgebung sei nichts bekannt, teilte ein Sprecher der Feuerwehr am Donnerstag mit. Das Regierungspräsidium Darmstadt mit dem Kampfmittelräumdienst, Polizei und Feuerwehr waren im Einsatz. Mehr als 200 Menschen, die ihre Wohnungen nicht allein verlassen konnten, wurden von Feuerwehr und Hilfsorganisationen abgeholt. Die Polizei war mit 400 Einsatzkräften vor Ort. „So einen Einsatz habe ich auch noch nicht erlebt“, sagt Erik Hessenmüller, der die Einsatzmaßnahmen der Polizei rund um die Bombensprengung leitete. Viele Straßen waren gesperrt, Straßenbahnen fuhren nicht.

Bombesprengung in Frankfurt: Betreuungsstelle in der Eissporthalle

Dafür wurden extra Busse zur Eissporthalle eingesetzt. 600 Menschen kamen dort unter. Für von Corona betroffene Menschen wurde dort eine separate Betreuungsstelle eingerichtet. Erst gegen 1 Uhr durften die Anwohner:innen wieder zurück in ihre Wohnungen. So auch Greta (23) und ihre WG-Freunde Malte (24) und Sophie (25). Zu Hause wartete noch ein Linsen-Dal. „Das hatten wir für abends gekocht, aber dann mussten wir weg, wegen der Bombe.“

Vielen war das Ende der Evakuierung allerdings zu spät. Eine 80-jährige Dame aus dem Nordend erzählt: „Als ich von der Evakuierung hörte, habe ich mein Bettzeug ins Auto geschmissen und bin mit meiner Tochter in ihr Büro ins Bahnhofsviertel gefahren, da haben wir zusammen auf dem Sofa übernachtet. Denn als die Bombe endlich gesprengt war, schliefen wir schon.“

In der Hütte ihres Gartengrundstücks in Seckbach übernachtet hat eine Anwohnerin aus dem Nordend mit ihrer Familie. „Als ich von der Bombe hörte, war ich gerade im Garten, aber meine beiden Söhnen, die 12 und 14 Jahre alt sind, waren noch zu Hause. Ich sagte ihnen: ‚Steigt sofort aufs Fahrrad und kommt her.‘ Wie gefährlich die Bombe war, sagte ich ihnen in dem Moment aber lieber nicht.“ Da sie öfter in der Gartenhütte schliefen, hatten sie Schlafsäcke und Zahnbürsten da. „Zum Frühstück gab es Pizzareste und Schokomuffins.“

Kinder spielen auf dem Sandberg

Eine Mutter auf dem Spielplatz erzählt am Donnerstag, wie geschockt sie gewesen sei, als sie von der Bombe erfahren habe. „Ich dachte: Meine Kinder haben jahrelang auf einer Bombe gespielt. Das ist heftig. Was ein Glück, dass die Bombe jetzt gefunden wurde. Nicht auszumalen, was hätte passieren können.“

Gut findet sie es nicht, dass Kinder jetzt auf dem Sandberg, unter dem die Bombe lag, rutschen. „Das ist ja nicht wirklich spielplatzsicher, da liegen am Rand auch Steine, was ist, wenn sich jemand verletzt?“

Ihre achtjährige Tochter Charlotte will dort allerdings sowieso nicht rutschen: „Das ist viel zu dreckig.“ Ihre Mutter füllt dann ein bisschen Sand in eine Tüte. „Zur Erinnerung an die Bombe. Das ist wirklich ganz feiner Sand, den mische ich bei uns in den Sandkasten.“

Sie und ihre Familie konnten zu Hause schlafen, denn sie wohnt 30 Meter außerhalb des abgesperrten Radius. „Aber wir haben eine befreundete Mutter und ihre Tochter sowie unsere Ersatzgroßeltern bei uns aufgenommen. Sie sind gegen Covid-19 geimpft, und wir saßen zu zehnt zusammen, und ich kochte für alle frische Gemüsesuppe. Das war so schön.“

Die Ersatzgroßmutter habe sich am nächsten Tag herzlich bedankt: „Sie schrieb mir: ‚Wer solche Freunde hat, muss sich vor nichts fürchten.‘“ (Kathrin Rosendorff)

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