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Frankfurt: Entscheidung zu Bühnen vertagt

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Von: Oliver Teutsch, Florian Leclerc

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Um die Zukunft des Schauspiels Frankfurt und der Oper tobt eine heftige Diskussion. Peter Jülich
Um die Zukunft des Schauspiels Frankfurt und der Oper tobt eine heftige Diskussion. Peter Jülich © Peter Jülich

Die Entscheidung über den Neubau der Städtischen Bühnen Frankfurt zieht sich hin. Unterdessen spricht sich Betriebsrat von Oper und Schauspiel gegen eine Sanierung aus.

Die Entscheidung über den Standort für die Städtischen Bühnen wird sich wohl auf die zweite Jahreshälfte verschieben. Einen Magistratsbericht zur Standortsuche stellte die Koalition im Kulturausschuss zurück.

„Jetzt stehen erst mal die Haushaltsberatungen an. Wann wird es eine Entscheidung geben?“, fragte Michael Müller (Linke) am Donnerstag im Ausschuss. „Aus dem Bericht haben sich Fragen ergeben, die wir nun klären wollen“, sagte Uwe Paulsen (Grüne). Er gehe von einer Entscheidung in der zweiten Jahreshälfte aus.

Betriebsrat spricht sich für Neubau aus

„Wenn man einen Bericht zurückstellt, verzögert das die Beschlussfassung. Die Frage ist schon, warum man jetzt noch Fragen hat“, sagte Christian Becker (CDU). „Wir sollten uns Zeit nehmen. Ob wir die Eröffnung der Oper mit den ‚Meistersingern‘ 2030 oder 2031 erleben, sollte kein Problem sein“, meinte Thomas Bäppler-Wolf (SPD). Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) wies darauf hin, dass der Intendant über die Eröffnungsoper entscheiden werde, und hielt fest: „Es existiert ein Handlungsdruck. Dessen sind wir uns in der Koalition vollkommen bewusst.“ Sie wies Bürgerinnen und Bürger auf das neue Präsenzarchiv der Stabsstelle Zukunft der Städtischen Bühnen in der Berliner Straße 25 hin, wo Unterlagen zum Entscheidungsprozess bereitlägen.

In der Diskussion um die Zukunft der Städtischen Bühnen meldete sich auch deren Betriebsrat vehement zu Wort. Das Gremium der mehr als tausend Beschäftigten zeigte sich verärgert über den jüngsten Vorstoß von Initiativen, die sich für einen Erhalt der maroden Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz einsetzten.

Einen Neubau nach all den großangelegten Studien zu Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit öffentlich infrage zu stellen, ohne das Gespräch mit dem Betriebsrat zu suchen, sei „anmaßend, realitätsfern und rücksichtslos“, zürnte der Betriebsratsvorsitzende Roland Sittner. Die Situation für die Beschäftigten sei „unerträglich“, da sie „seit vielen Jahren bei unzeitgemäßen und zum Teil schlicht unwürdigen Arbeitsbedingungen in diesem maroden Gebäude ihre Arbeit leisten“.

In der schriftlichen Stellungnahme gibt Sittner Einblicke in die Arbeitsbedingungen seines Kollegiums: „Wir haben Orchestermusiker:innen, die sich täglich im Keller ohne Tageslicht oder Frischluftzufuhr einspielen und vorbereiten müssen; Techniker:innen von Schauspiel und Oper, die sich durch verwinkelte Andienungswege körperlichen Gefährdungen aussetzen; Künstlergarderoben, die sich im Sommer wie Öfen aufheizen und nicht zu kühlen sind; für gehbehinderte Menschen sind aufgrund der verschiedenen Ebenen und zahlreichen Treppenverbindungen Teile des Gebäudes nicht zugänglich.“

Die Initiative „Zukunft Städtische Bühnen“, die „Architects for Future“ und der Bund Deutscher Architekten hatten für eine Sanierung von Schauspiel und Oper nicht zuletzt eine bessere Ökobilanz ins Feld geführt. Dem hielt Betriebsrat Sittner entgegen, dass täglich Lastwagen die Kulissen und andere Gegenstände zwischen Lager- und Spielstätten transportieren müssten. Auch die Beschäftigten müssten täglich zwischen externen Probebühnen, dem Kostümfundus und verschiedenen Lagerstätten in den äußeren Stadtbezirken pendeln. „Von modernen baulichen und sogar arbeitsrechtlich erforderlichen Vorgaben, die eine Arbeit entsprechend der aktuellen Standards ohne weiteres ermöglichen, sind wir weit entfernt“, so Sittner. Schon allein der Platzmangel in den technischen und künstlerischen Bereichen, aber auch in der Verwaltung sei „beträchtlich“.

Daher spreche sich der Betriebsrat im Namen der Beschäftigten „klar und unmissverständlich für einen Neubau der Bühnen aus“, betonte Sittner. Auf eine politische Entscheidung zugunsten eines Neubaus werde nun bereits seit 2013 gewartet.

Von fünf untersuchten Standorten nimmt der Magistrat derzeit drei in die engere Wahl.

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