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Frankfurt: Energiespartipps von den Profis

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Von: Steven Micksch

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Wer Geräte, die sonst im Stand-by laufen, vom Stromnetz trennt, kann durchaus Energie und Geld sparen.
Wer Geräte, die sonst im Stand-by laufen, vom Stromnetz trennt, kann durchaus Energie und Geld sparen. © Kosecki/Imago

Die Verbraucherzentrale Hessen informiert über Möglichkeiten, weniger Strom zu verbrauchen – an Ständen, online oder direkt zu Hause. Die Nachfrage hat sich verzehnfacht.

Donnerstagvormittag in der Frankfurter Innenstadt, nahe der Konstablerwache. Die Menschen eilen zwischen dem Wochenmarkt und den langsam öffnenden Geschäften der Zeil hin und her. Die meisten haben keinen Blick für den Stand der Verbraucherzentrale Hessen, an dem Ulla Steinicke und Sabrina Doyen stehen. Dabei dürften die Informationen und Tipps, die beide geben können, derzeit viele interessieren. „Wir helfen Ihnen in der Energiepreiskrise“ steht auf einem Flyer am Stand. Dieser Satz auf einem großen Plakat hätte vielleicht mehr Menschen angelockt. Dann bleiben doch noch einige Leute stehen, nehmen sich Infomaterial mit und berichten von ihren Sorgen und Nöten.

„Es gibt drei Hebel, wo man bei der Energie ansetzen kann“, sagt Steinicke. Da wäre zunächst die Beratung zum Energiesparen. Dabei wird konkret geklärt, welche Stromfresser es im Haushalt gibt und welche Möglichkeiten man beim eigenen Verhalten hat. Idealerweise kommen die Energieberater direkt in die eigenen vier Wände und schauen individuell nach Möglichkeiten.

Das Zweite wäre der Zählercheck. Dabei notiert man mindestens einmal im Monat den aktuellen Stand des Gas- und Stromzählers. So behält man den eigenen Verbrauch im Blick und hat gleichzeitig eine Kontrolle, ob die Abschläge, die der Stromversorger meist nur schätzt, auch gerechtfertigt sind. Gerade Ende September lohne sich das Ablesen, weil viele Anbieter ab Oktober die neuen, höheren Preise geltend machten. Eine saubere Abrechnung spart bares Geld.

Als letzten Punkt nennt Steinicke die Beratung zu Energieschulden. „Das Angebot gibt es seit September 2020.“ Anfangs gab es Fälle, in denen Kund:innen die Mahnungen nicht beachteten oder Briefe des Stromversorgers nicht öffneten. Aktuell zeige sich jedoch ein anderes Bild. „Mittlerweile haben wir viele verzweifelte Menschen, die bisher noch nie etwas mit Schulden zu tun hatten. Viele bekommen Panik, wenn sie dann plötzlich angemahnt werden.“

Häufig seien es Renter:innen oder Alleinerziehende, die einfach an ihre finanziellen Grenzen gerieten. Gerade bei Einkommen, die knapp über dem Anspruch auf Sozialleistungen liegen. „Viele schämen sich, aber sie sind nicht alleine mit diesem Problem.“ In den schlimmsten Fällen drohen dann Energiesperren. Diese versuche man in jedem Fall zu vermeiden und gehe dafür auch in Gespräche mit dem Versorger, um eventuell eine Ratenzahlung oder Ähnliches zu vereinbaren.

Sabrina Doyen berichtet, dass die Anfragen bei den Hotlines der Verbraucherzentrale drastisch gestiegen seien. Viele seien von den Teuerungen überrascht und suchten nach mehr Informationen. Laut Philipp Wendt, Vorstand der hessischen Verbraucherzentrale, hat sich die Zahl der Beratungen im ersten Halbjahr 2022 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres mehr als verzehnfacht. Bei der Energiesparberatung könne man wegen fehlender Energieberaterinnen und Energieberater die Zahl der jährlich erreichten 10 000 Haushalte nicht steigern. Dafür gebe es mehr Informationsveranstaltungen, auch online.

Beratungsangebote

Die Verbraucherzentrale Hessen hat mehrere Hotlines rund um das Thema Energiesparen.

Energieeinsparberatung: 0800/809 802 400, Mo.-Do., 8-18 Uhr, Fr. bis 16 Uhr, kostenfrei

Energieschuldenberatung: 06142/94 190 10, Mo., Di., Do., Fr., 9-13 Uhr, Mi. 9-17 Uhr

Servicenummer für alle Beratungen: 069/97 20 10 900, Mo.-Do., 10 bis 16 Uhr, Fr. bis 15 Uhr

Die Caritas Frankfurt bietet den Stromsparcheck für Menschen mit geringem Einkommen an. Tel. 069/298 6356, Mail: energiesparservice@

caritas-frankfurt.de

Die Landesenergieagentur Hessen hat ebenfalls eine Energiesparhotline: 0611/950 178 989, Mo.-Fr., 9 bis 17 Uhr, Do. bis 20 Uhr. Online gibt es auch Anleitungen zum Dämmen: www.lea-hessen.de mic

Eine 78-jährige Frau aus Bockenheim schaut am Donnerstag ebenfalls am Stand an der Konstablerwache vorbei. Sie wohnt in einem Altbau, in dem es entsprechend dauere, bis das Wasser warm wird. „Da ärgere ich mich immer über die Verschwendung.“ Immerhin habe sie seit kurzem eine Dreifachverglasung, die viel Positives bringe. Ansonsten ist sie zufriedene Mainova-Kundin, sagt aber, es mache sie und andere verrückt, dass es keine Klarheit gebe, was auf die Kunden mit den neuen Preisen zukomme.

Die Seniorin notiert bereits ihre Zählerstände und spare schon viel Energie. Kälte mache ihr auch nicht so viel aus: „Ich gehöre noch zur Generation, die nicht so zimperlich ist.“

Nur wenig später kommt ein 52-jähriger Frankfurter an den Stand und berichtet von den Problemen mit seinem Vermieter. Steinicke legt ihm den Kontakt zum Mieterschutzbund nahe. Der Mann aus dem Westend freut sich über den Tipp.

Beim Sparen könne auch er kaum noch etwas verbessern, berichtet er. „Ich bin seit Jahren sparsam, die Umstellung wird für mich kein Problem.“ Immerhin wolle er seinen Durchlauferhitzer ausstellen und nur zum Duschen einschalten. Im Sommer habe er sogar gleich kalt geduscht. Auch das WLAN will er in der Nacht oder wenn er nicht im Haus ist abstellen. „Ich fahre runter, was geht.“ Nur der Kühlschrank sei ein ziemlicher Stromfresser.

Sorgen mache er sich, weil jene Menschen, die es sich leisten können, häufig gar nicht sparten. Das verknappe die Ressourcen für alle. „Das birgt enormen sozialen Sprengstoff, der noch zum Problem werden kann.“

Expertinnen und Experten empfehlen, den Stand des Stromzählers regelmäßig zu notieren.
Expertinnen und Experten empfehlen, den Stand des Stromzählers regelmäßig zu notieren. © aal.photo/Imago

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