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Frankfurt: Energiepreise zum Gruseln

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Von: Matthias Bittner

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Ein Schausteller beim Aufbauen seiner Geisterbahn.
Ein Schausteller beim Aufbauen seiner Geisterbahn. © leonhard hamerski

Schausteller auf der Frankfurter Dippemess klagen über Mehrkosten. Nun drohen Preiserhöhungen.

Die Freude der Schausteller:innen der Frühjahrs-Dippemess, dass der Rummel am Ratsweg wieder in seiner normalen Form mit drei Gängen aufgebaut werden kann, wird durch die hohen Energiepreise getrübt. „Die Preissteigerungen können nicht eins-zu-eins weitergegeben werden, für Besucher hat der Spaß auch irgendwo eine Grenze“, sagt Thomas Roie, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Frankfurt/Rhein-Main.

Ohne eine Preiserhöhung wird es nach Angaben von Martin Blume aber wohl nicht gehen. „Was bleibt uns denn anderes übrig“, sagt er. Er betreibt mit dem Daemonium – die größte mobile Geisterbahn weltweit – ein energieintensives Fahrgeschäft. 50 Cent werde er wohl aufschlagen müssen, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Bislang haben Erwachsene für die Gruselrunde 6 Euro pro Fahrt bezahlt, Kinder bis zu einer Größe von 1,40 Metern 4 Euro.

Blumes Mehrkosten resultieren nicht nur aus gestiegenen Strompreisen. „Wir brauchen auch Öle und Schmierstoffe, die teurer geworden sind“, sagt er. Mehrkosten entstünden auch durch einen höheren Mindestlohn. Unterm Strich rechnet er mit 1000 Euro mehr – täglich. Macht bei 24 Tagen Dippemess-Betrieb 24 000 Euro. Normalerweise ist Blume 130 bis 140 Tage im Jahr unterwegs. Obendrauf summieren sich dann noch Mehrausgaben für Diesel. Laut Blume kommen so allein für die Dippemess nochmals 5000 bis 6000 Euro für den Transport dazu. 15 Schwertransporte rollen von der Basis nahe Hannover nach Frankfurt. Einmal geht es jeweils per Leerfahrt zurück, um die nächste Fuhre zu holen. Eine Strecke sind 400 Kilometer.

Bei den Ausgaben für Strom haben die Schausteller in Frankfurt sogar noch Glück. Die Kilowattstunde hat sich um 3 Cent gegenüber dem Vorjahr verteuert und kostet etwa 31, 32 Cent, sagt Jörg Renneissen von der Elektro Katzmann GmbH, die sich bei städtischen Festen um die Stromversorgung und die Anschlüsse kümmert. Zum Vergleich: Vor drei Wochen in Nordrhein-Westfalen kostete ihn die Kilowattstunde mehr als 60 Cent. Bei der letzten regulären Dippemess vor drei Jahren wurden laut Renneissen in drei Wochen rund 400 000 Kilowattstunden Strom verbraucht. Das entspricht dem Jahresverbrauch von 75 Einfamilienhäusern mit je vier Personen im Haushalt.

In diesem Jahr profitierten die Schausteller vom späten Dippemess-Termin. „Da braucht man keine Heizung mehr, und der Glühwein muss nicht warm gehalten werden“, sagt Renneisen. Und wegen bereits erfolgter Zeitumstellung könne das Licht eine Stunde später eingeschaltet werden.

„Ich bin Optimist“, sagt Blume. Er hofft auf guten Umsatz. Die Menschen hätten ein großes Nachholbedürfnis, wollten nach zwei Jahren Pandemie endlich wieder Spaß haben und für ein paar Stunden den Alltag vergessen. „Das bekommen sie alles bei uns: Volksfeste sind die besten Antidepressiva“, betont Blume. Er glaubt, dass die Besucher den Schaustellern auch eine kleinere Preisanpassung nachsehen werden. „Wir haben die Fahrpreise in den letzten Jahren stets sehr stabil gehalten. Vielleicht gönnen uns die Leute ein bisschen was von dem Geld, das sie während der Pandemie gespart haben.“

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