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Frankfurt: „Es wird zu dramatischen Situationen kommen“

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Von: Thomas Stillbauer

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Viele Menschen fragen, ob die Stadt nicht auch bei der nächtlichen Beleuchtung sparen kann.
Viele Menschen fragen, ob die Stadt nicht auch bei der nächtlichen Beleuchtung sparen kann. © Rolf Oeser

Die Stadt Frankfurt soll sich wegen des russischen Krieges auf eine Energiekrise vorbereiten – noch ist unklar, mit welchen Mitteln.

Frankfurt – Die Menschen fragen sich, wie der Winter wird. Müssen alle in kalten Stuben sitzen, weil Gas und Energie knapp werden? Ist gar der Betrieb eines privaten Heizlüfters verboten – eine Idee, die der Deutsche Städtetag zumindest zur Prüfung empfiehlt?

Bisher sind das für den größten Teil der Stadtbevölkerung Angstszenarien, noch ist Sommer, noch ist es in den Wohnungen eher zu heiß als zu kalt. Aber: „Die Gefahr, dass Menschen ihre Nebenkosten nicht mehr bezahlen können, steigt“, sagte Stella Schulz-Nurtsch (SPD) in der Debatte der Stadtverordneten am Donnerstagabend (14. Juli). „Meine Nachbarin mit kleiner Rente legt sich schon um 19 Uhr ins Bett, um Heizkosten zu sparen.“ Die Stadt soll jetzt schon überlegen, was sie tun will, wenn der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine für weitere Engpässe sorgt, das fordern sowohl die Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt als auch die CDU in Anträgen vom Magistrat.

Die Stadt Frankfurt soll in der Energiekrise Vorbild sein – Nur wie?

Leser:innen wandten sich derweil an die FR. Sie beobachteten, „dass die Stadt Frankfurt noch immer nichts getan hat, um Energie im öffentlichen Raum zu sparen“, schrieb ein Frankfurter Ehepaar an die Redaktion. „Straßenlaternen sind weiterhin ohne Reduktion und im vollen zeitlichen Umfang von der Dämmerung bis zum Morgengrauen im Betrieb.“ Gerade im Kontext des Ukraine-Krieges und der Klimakatastrophe solle die Stadt vorbildlich voranschreiten.

Da sind sich alle einig. Aber wie geht vorbildlich? „Aus Sicht des Energiemanagements sollten die Empfehlungen des Deutschen Städtetages vollständig umgesetzt werden“, antwortete Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) auf eine AfD-Anfrage. Das seien mehr als 30 Maßnahmen, von der gesenkten Wassertemperatur in Schwimmhallen bis zur kürzeren Betriebszeit der Heizung.

Frankfurt: Energie sparen durch Umbau der Straßenbeleuchtung

Zum Thema Stadtbeleuchtung betonte Heilig, der nachhaltige Umgang mit Strom und Gas sei dort „seit Jahren geübte Routine“. Zwischen 22 und 6 Uhr herrsche Energiesparbetrieb, was zu 30 Prozent Einsparung führe. Die jährliche Erneuerung von 1500 bis 2000 Leuchten eines gewissen Alters spare 300.000 kWh jährlich, und der Umbau von Gas auf LED bringe zusätzliche Einsparungen von 1.500.000 kWh. Laternen früher ein-, später ausschalten? Das müsse gegen die Verkehrssicherungspflicht abgewogen werden.

Paul Fay, stellvertretender Leiter des städtischen Energiereferats, sagte auf FR-Anfrage, die Frankfurter Straßenbeleuchtung mit Gas mache drei bis sechs Promille des Gasverbrauchs der Stadt aus, also 0,3 bis maximal 0,6 Prozent. „Wir sind alle bereit, den Menschen zu helfen“, versicherte Dezernentin Heilig im Parlament. Die Krise könne auch eine Chance sein – in der Klimaallianz, noch in der alten Koalition aus SPD, CDU und Grünen geschmiedet, zögen jedenfalls alle mit. „Wir gehen erst einmal an unsere eigenen Gebäude, nicht nur an die Schulen.“

Sabine Fischer (CDU) warnte aber in der Stadtverordnetensitzung: „Der soziale Frieden ist gefährdet.“ Es könne nicht sein, dass Warmwasser nur zeitweise zur Verfügung stehe, sagte sie, während Peter Paul Thoma (FDP) sich beim Heizen überzeugt gab: „Auch 18 Grad reichen, wenn man einen Pullover trägt.“

Energiekrise in Frankfurt: „Es wird im Winter eine dramatische Situation geben“

„Es wird im Winter eine dramatische Situation geben“, kündigte Manfred Zieran (Ökolinx) an. Michael Müller (Linke) konstatierte, immer mehr Menschen mit niedrigem Einkommen könnten sich die Energiepreise nicht mehr leisten – „immer mehr Menschen werden in die Überschuldung rutschen. Die Stadt Frankfurt darf nicht tatenlos zusehen“. Es brauche einen ermäßigten Grundtarif bei Gas und Strom für die Privatkunden.

Johannes Lauterwald (Grüne) kündigte an, es gehe der Koalition um eine langfristige Lösung, um Energiesperren zu verhindern; die Stadt lasse Menschen mit niedrigem Einkommen nicht allein. Er unterstütze den Vorstoß von Bundesumweltministerin und Parteifreundin Steffi Lemke, ein Moratorium für Gas- und Stromsperren einzuführen.

Eine Versorgungseinstellung seitens der Mainova sei immer der letzte Schritt, sagte Christiane Loizides (CDU). Soziale Einrichtungen wie Seniorenheime seien davon ausgenommen. Britta Wollkopf (Volt) forderte, es müsse weniger verbraucht und der Ausbau erneuerbarer Energie beschleunigt werden. (Thomas Stillbauer)

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