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Frankfurt

Frankfurt: „Emanzipatorische Besetzung“

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Ein Symposium im Schauspiel spricht über die Aktion gegen Fassbinders Theaterstück.

Letztlich, sagt Michel Friedman, sei es in dem Streit nie um Kultur gegangen. Sondern um einen Schlussstrich unter Auschwitz. „Es ging um eine politische Frage“, sagt der Publizist. „Wann dürfen wir endlich Juden kritisieren?“ Gegen dieses Bedürfnis in der deutschen Mehrheitsgesellschaft sei er damals vor allem aufgestanden. „Irgendwann muss man das Gesicht so zeigen, dass es gesehen wird.“

Einen Tag lang geht es an diesem Sonntag um die Verhinderung der Uraufführung des Theaterstücks „Der Müll, die Stadt und der Tod“ von Rainer Werner Fassbinder. Das Schauspiel Frankfurt, das Fritz-Bauer-Institut und das Jüdischen Museum haben zu einem Onlinesymposium mit Vorträgen und Debatten zur Verhinderung der Premiere des als antisemitisch kritisierten Stücks eingeladen. Im Oktober 1985 hatten 30 Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, unter ihnen Friedman, die Bühne besetzt und die Aufführung blockiert. Bis heute gilt die Besetzung als erste politische Aktion der Gemeinde nach 1945.

Damals habe eine junge Generation in der Gemeinde neue Fragen nach der Position der Juden in der Gesellschaft aufgeworfen, sagt Michel Friedman bei einer Podiumsdebatte am Nachmittag. „Wir sagten: Raus in die Öffentlichkeit, lasst uns streiten!“. Empört habe man sich, weil Fassbinders Stück an einem städtisch getragenen Theater habe gezeigt werden sollen. Junge Jüdinnen und Juden und Holocaustüberlebende hätten damals gemeinsam protestiert, es sei „der erste große Emanzipationsprozess“ der Frankfurter Gemeinde nach der Shoah gewesen.

Der Anwalt Hermann Alter, der 1985 auch dabei war, berichtet, wie er nachts Einlasskarten gefälscht habe, um die auch in der Gemeinde umstrittenen Blockierer:innen ins Schauspiel zu bekommen. Man habe vorher alles versucht, die Aufführung des Stücks zu stoppen, so Alter. Am Ende habe die Gemeinde nicht mehr anders als mit der Blockade ihr Gesicht wahren können. „Es war der Zeitpunkt gekommen, wo wir das tun mussten.“

Die differenzierte Diskussion streift viele weitere Aspekte. Die Theaterwissenschaftlerin Lea Wohl von Haselberg schlägt einen Bogen zu heutigen Debatten um „Cancel Culture“. Wenn marginalisierten Gruppen kein Raum gegeben werde, griffen sie noch heute zu ähnlichen Aktionen.

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