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EM 2021
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Bei der EM herrscht Feierstimmung – trotz Corona-Regeln. (Symbolfoto)

Frankfurt

Frankfurt: EM schauen ohne Maske

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Zu Beginn der Fußball-Europameisterschaft zeigen die Menschen in Bornheim wieder ihr wahres Gesicht. Nur in einer Hardcore-Fußballkneipe gelten strenge Regeln.

Eine halbe Stunde vor Anpfiff der Fußball-Europameisterschaft ist rund um die Berger Straße dann doch mehr los, als man erwartet hätte. Allüberall haben sich Menschen zusammengefunden, um gemeinsam zu gucken und zu feiern. Und irgendwie hat man den Eindruck, als sei zeitgleich die Pandemie abgepfiffen worden. Oder, um es anders zu formulieren: Man zeigt wieder Gesicht. Eine EM ist ja schließlich kein Maskenball.

In der türkischen Kneipe, die keinen Außenbereich hat, drängen sich bereits jede Menge Fans, um ihre Mannschaft anzufeuern. Dank Maskenlosigkeit kann man die Gesichter der allesamt männlichen Fußballfreunde sehen, die so grimmig dreinblicken, als ahnten sie bereits jetzt das 0:3-Endergebnis gegen Italien. Für einen Hauch Diversität sorgt zumindest die Kellnerin, die als einzige eine Maske trägt und etwas unglücklich aus der Wäsche schaut.

Man muss unwillkürlich an Friedrich Schiller denken, der ja seinerzeit schon behauptete: „Mut zeiget auch der Mameluck, Gehorsam ist des Christen Schmuck.“ Aber hier irrte Schiller, zumindest teilweise, denn auch in der nicht allzu weit entfernten, zweifellos katholisch inspirierten Pizzeria sucht man vergebens nach Maskierten. Immerhin gibt es einen kleinen, improvisierten Außenbereich.

Unterdessen haben sich in den neutralen Kneipen rund um das Uhrtürmchen etliche neutrale Beobachter versammelt, auch sie tragen die Nasen stolz und maskenfrei im Sommerwind. Wer unbedingt will, der würde aber auch noch eine halbe Stunde vor Anpfiff ein halbwegs freies Plätzchen finden. Das war bei den Europameisterschaften davor dann doch ein bisschen anders.

Wenig Interesse am Kick

Interessant ist aber, dass das auch nach Spielbeginn auf der Oberen Berger, dem eigentlichen Dorado der Public Viewer, nicht viel anders aussieht. Hier ist es zwar rechtschaffen voll, aber so richtig gebannt schauen hier nur wenige auf den Bildschirm, stattdessen wird geschnattert und gebabbelt und die Mimik des Gegenübers, die offenbar interessanter ist als jedes Fußballspiel, genauestens studiert. Auch hier gilt strengstens Maskenverbot. Die einzigen, die eine tragen, sind die, die das Fangebiet lediglich passieren wollen.

Die neue Leicht- und Sorglosigkeit ist aber keineswegs ein Privileg der Fußballfans, die eine mögliche neue Welle vielleicht mit La Ola verwechseln. Vergleichbare Szenen spielen sich zur selben Zeit in der gesamten Bornheimer Außengastronomie ab. Der so ziemlich einzige Ort, an dem sie Seuche noch halbwegs ernst genommen und nach den Regeln gespielt wird, ist das Backstage, die Hardcore-Fußballkneipe. Wer hier in den Garten will, der muss sich anmelden, registrieren lassen und bei dem notwendigen Gang durch das Kneipeninnere eine Maske tragen. Das hat angesichts der sonst herrschenden Umstände fast schon etwas Rührendes.

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