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Eltern und Kinder demonstrieren auf dem Römerberg für Lösungen für die Wiedereröffnung von Kitas und Schulen.  

Spielen trotz Corona-Krise

Frankfurt: Eltern rufen in Corona-Krise nach Rettungsschirm

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Die Spielplätze in Hessen öffnen heute trotz Corona-Krise wieder. Elterngruppen reicht das nicht. Sie fordern Lösungen auch für Kitas und Schulen.

Schon vor der heutigen Wiedereröffnung der Spielplätze haben Kinder und Eltern am Sonntag mancherorts die wegen der Corona-Krise wochenlang gesperrten Flächen eigenhändig wieder in Betrieb genommen. So waren etwa auf dem Spielplatz im Frankfurter Holzhausenpark Kinder gegen Mittag schon rutschen und schaukeln, als Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) symbolisch das Flatterband durchtrennen wollten. Dieses hatte eine Gruppe, wie sie stolz auf einem ausgehängten Zettel verkündete, bereits zuvor entfernt. Feldmann reagierte gelassen auf all die Kinder und Eltern, die sich trotz des noch geltenden Verbots auf dem Spielplatz tummelten. Das sei eben „Frankfurt-Style“, sagte er.

431 Spielplätze, 101 Bolzplätze, 54 Spielwiesen und acht Waldspielplätze öffnen heute alleine in Frankfurt wieder. Die Flatterbänder würden ab 6.30 Uhr entfernt, kündigte Heilig an. Noch geschlossen bleiben die öffentlichen Sport- und Fitnessanlagen, etwa die Anlagen im Hafenpark am Main. Die zusammen 25 Kilometern Flatterband, mit denen die Stadt die Spielflächen abgesperrt hatte, werden Künstlern zur Verfügung gestellt. Corinna Tetzel und Jue Löffelholz wollen damit eine Litfaßsäule in ein Kunstobjekt verwandeln.

Die Wiedereröffnung der Spielplätze zeige, dass das Leben in kleinen Schritten zurückkehre, sagte Feldmann am Sonntag vor Journalisten. Für die Eltern und Kindern sei das eine große Erleichterung. Er hoffe, dass es nun auch zu kreativen Lösungen komme, um Kitas und Schulen sukzessive wieder zu öffnen. Der Frankfurter Oberbürgermeister mahnte zugleich, weiterhin die in der Corona-Krise nötigen Abstands- und Hygieneregeln zu befolgen. Sonst könnten die Fallzahlen wieder steigen. Auch Heilig warnte davor, sich zu sehr in Sicherheit zu wiegen. Sie appellierte: „Bleiben Sie auf Distanz!“

Politik soll Plan festlegen

Elterngruppen drängen indes immer lauter auf weitere Lockerungen. Die Öffnung der Spielplätze sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagte Diane Siegloch, die unter dem Motto „Eltern in der Krise – Familien sind systemrelevant“ zu einer Demonstration vor dem Römer aufgerufen hatte, am Samstag vor etwa 50 Müttern, Vätern und Kindern. „Eure Kinder sind eure Zukunft – und systemrelevant“, war auf Schildern zu lesen, die Demonstranten hochhielten. Aber auch etwa: „Risikogruppen wegsperren, nicht Kinder!“

Die Eltern bräuchten sieben Wochen nach der Schließung von Kitas und Schulen endlich eine Perspektive, sagte Siegloch. Die Politik müsse einen klaren Fahrplan festlegen. Es könne nicht noch drei, vier oder fünf Monate so weitergehen. „Das schaffen wir nicht!“, rief sie.

„Kinder brauchen Kinder, Kinder brauchen soziale Kontakte“, sagte Mitorganisatorin Jutta Prochaska. Zudem dürfe die Politik die Eltern nicht alleinlassen. „Wir brauchen einen Rettungschirm für Familien“, sagte sie. Eltern, die nun ihre Kinder betreuen müssten, und deshalb nicht voll arbeiten könnten, bräuchten einen Schutz vor Kündigung. Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Janine Wissler, zeigte sich fassungslos, dass Hundesalons wieder öffnen dürften, Familien aber keine Unterstützung erführen. Auch sie forderte eine Perspektive zur Wiedereröffnung von Schulen und Kitas.

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