Bela (l.) und Daniel Cohn-Bendit sind die Paten der Elisabethenschule im Kampf gegen Rassismus.
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Bela (l.) und Daniel Cohn-Bendit sind die Paten der Elisabethenschule im Kampf gegen Rassismus.

Zertifizierung

Frankfurt: Elisabethenschule engagiert sich gegen Rassismus

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Die Elisabethenschule im Nordend wird als Schule ohne Rassismus ausgezeichnet. Die Patenschaft übernehmen Daniel Cohn-Bendit und sein Sohn. Eine erste konkrete Aktion gibt es auch schon.

Das war ein Tag, den die Lehrkräfte und die Schülerschaft der Elisabethenschule nicht so schnell vergessen werden. Zum einen, weil sie am Mittwoch ihre Zertifizierung zur „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ bekamen. Zum anderen, weil die Feierstunde durch die Corona-Pandemie anders ablief, als sich das viele zu Beginn des Projekts wohl vorgestellt hatten.

Per Kamera wurde die Feierlichkeit in die Klassenzimmer und zu den Kindern nach Hause übertragen. In der Aula selbst, wo die Zertifizierung stattfand, saßen nur etwa ein Dutzend Menschen. Der stellvertretende Schulsprecher Gabriel Hanika und Schulsprecherin Tabea Schulte Strathaus führten durch das Programm. Schulsprecher Julius Gfrörer kümmerte sich im Hintergrund um die Technik. Musikalische Einlagen gab es von einer Gruppe aus der Klasse 9c und per Live-Stream vom Musiker Matondo aus Berlin. In beiden Lieder wurde Rassismus thematisiert.

„Struktureller Rassismus existiert noch immer“, sagte Schulte Strathaus. Man sei deswegen froh, durch die Zertifizierung nun zu einer von mehr als 3000 Schulen in Deutschland zu gehören, die sich täglich als Schule ohne Rassismus, aber mit Courage engagierten. „Es ist die Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen und einen Unterschied auszumachen“, so die Schulsprecherin.

Kein Raum für Rassismus

Schulleiter Stefan Neureiter erklärte, dass man Rassismus an der Elisabethenschule keinen Raum lassen wolle und dass man die Schülerinnen und Schüler so erziehen wolle, dass sie Menschen nicht in Schubladen stecken. „Das heute ist keine Auszeichnung, sondern eine Verpflichtung.“

Die Patenschaft für die Elisabethenschule in diesem Projekt haben Daniel Cohn-Bendit und sein Sohn Bela übernommen. Bela Cohn-Bendit, Jahrgang 1990, besuchte in den Jahren 2004 bis 2009 selbst das Gymnasium im Nordend. Ihm sei es wichtig, engagiert gegen Antisemitismus und Rassismus vorzugehen. An einer Schule habe man die Möglichkeit, viele Jugendliche zu erreichen. Er wisse aber auch, dass dies viel Arbeit sei, die sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrerschaft fordere. Bela Cohn-Bendit verriet den Jugendlichen, dass er sich selbst manchmal noch in Gedanken bei Vorurteilen erwische. Niemand könne sich ausnehmen und: „Im Kampf gegen Rassismus gibt es keine Pause.“

Sein Vater schlug vor, auf Spurensuche zu gehen. Man könne die Geschichte der jüdischen Kinder, die einst auf die Schule gingen, sowie die Herkunftsgeschichten der heutigen Schülerinnen und Schüler erforschen. So würde ein besseres Verständnis untereinander entstehen.

Die Elisabethenschule startete am Mittwoch eine Art digitale Pinnwand, auf der die Schülerinnen und Schüler nun ihre Erfahrungen mit Rassismus posten können.

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