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Geschäftsführer Benjamin Behar hilft bei der Reorganisation tatkräftig mit.

Gesundheit

Elisabethenkrankenhaus in Frankfurt gehört jetzt zur Artemed-Gruppe

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Das Elisabethenkrankenhaus gehört jetzt zur Artemed-Gruppe. Die christliche Ausrichtung bleibt jedoch.

Benjamin Behar nimmt kein Blatt vor den Mund: Die Zusammenlegung des Elisabethenkrankenhauses in Bockenheim mit dem Marienkrankenhaus im Nordend 2017 sei „eine große Chance gewesen, die nicht genutzt“ worden sei, sagt der 40-Jährige im Gespräch mit der FR. Plötzlich habe es „alles doppelt“ gegeben, und obwohl die beiden Krankenhäuser demselben Träger angehörten, der Katharina Kasper Viasalus GmbH, hätten in Bockenheim zwei unterschiedliche Kulturen zusammenwachsen müssen – ein „komplizierter Prozess“.

Es habe auch „praktische Gründe“ gegeben, warum es bei der Zusammenlegung knirschte. Etwa, dass Mitarbeiter vom Marienkrankenhaus ins „Eli“ umziehen mussten, bevor dort entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung standen. Dies habe „ein Chaos“ ausgelöst.

Seit Anfang August hat die Artemed-Gruppe mit Hauptsitz in Tutzing am Starnberger See den Betrieb des Elisabethenkrankenhauses, das innerhalb von fünf Monaten eine Insolvenz überwinden konnte, vollständig übernommen. Behar ist einer von drei Geschäftsführern im Artemed-Konzern und jetzt an „zwei bis drei Tagen“ in der Woche in Frankfurt. Er greift dem neuen, ständig in Bockenheim präsenten Geschäftsführer Frank Löscher unter die Arme. In diesem Jahr gehört die gesamte Aufmerksamkeit der Artemed-Gruppe ihrem Frankfurter Projekt. Insgesamt gehören bereits 14 Häuser, verteilt über mehrere Bundesländer, zum Konzern. Behar betreut vor allem die im Norden der Republik gelegenen Objekte, die er von Berlin aus „CO2-konform“ mit dem Zug ansteuert.

In Hessen ist das „Eli“ das zweite Artemed-Haus. 2016 wurde das damals ebenfalls insolvente Heilig-Geist-Hospital in Bensheim übernommen, das inzwischen wieder rundläuft. Behar ist absolut zuversichtlich, dass auch das Elisabethenkrankenhaus eine Zukunft hat. Neben der wirtschaftlichen Solidität legt Artemed Wert auf „ein sehr christliches Menschenbild“.

Das „Eli“ war früher katholisch, das nahe Markuskrankenhaus etwa gehört zum evangelischen Gesundheitskonzern Agaplesion. Behar lässt sich auf keine der beiden Glaubensrichtungen festlegen. „Ich selbst bin jüdisch“, sagt er so nebenbei. Es gehe um die „Zuwendung“ zum Patienten. Nicht nur ein hohes medizinische Niveau sei wichtig für die Genesung, auch die Seele werde durch ein „ganzheitliches Heilen und Helfen“ einbezogen.

Neubaus  bis  November komplett abgeschlossen

Dank des Neubaus, der bis zum November komplett abgeschlossen sein soll, könnten bis zu 200 Patienten in hochmodernen und sehr komfortablen Zimmern untergebracht werden, sagt Behar. Während der Insolvenz wurden die Bauarbeiten eingestellt, so dass auch die drei zusätzlich geplanten Operationssäle nicht fertig werden konnten. Die vorhandenen drei OPs wurden umso intensiver genutzt, Operationen auch abends um 20 Uhr angesetzt.

Darunter hat aber die Notfallversorgung gelitten. Die möchte Behar „wieder herstellen“ und zwar 24 Stunden, rund um die Uhr. Auch die Grund- und Regelversorgung soll gestärkt werden. Wenn jemand krank ist, soll er nicht lange überlegen, wo er hingeht, „sondern ins ,Eli‘ fahren“.

Die Existenzberechtigung eines Krankenhauses hänge nicht von dessen Größe ab, sondern von der Größe der einzelnen Abteilungen. „Übung macht den Meister“, sagt Behar und teilt damit die Auffassung, dass nicht jedes Krankenhaus alles anbieten kann. So hat das Markuskrankenhaus zum Beispiel seine Geburtsmedizin dem Bürgerhospital überlassen. Im „Eli“ sollen dagegen auch in Zukunft Kinder zur Welt kommen. Weitere Schwerpunkte sind die Onkogynäkologie und die Geriatrie.

Ausbauen möchte der neue Chef, der mit seinen weißen Turnschuhen und dem legeren Sakko einen recht saloppen Eindruck macht, die Abteilung, die sich um Erkrankungen des Bewegungsapparates kümmert. Am liebsten wäre ihm ein Zentrum, in dem Operateure und Schmerz-Spezialisten gemeinsam über die Behandlung der Patienten nachdenken.

Damit soll das „Eli“ ein Profil bekommen, von dem „ganz Frankfurt“ profitiert. Für jene Fachrichtungen, die im Elisabethenkrankenhaus nicht vertreten sind, werden Kooperationen mit anderen Krankenhäusern angestrebt. Da gebe es bereits „Gespräche“.

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