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Mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet: der sanierte „Goldene Adler“ in Frankfurt-Höchst.

Geschichte

Frankfurt: Von der Eiszeit bis zum Weltkrieg

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Das Denkmalamt stellt Entdeckungen und Arbeiten aus dem vergangenen Jahr vor.

Auf die Frage was ein Mammutwirbel, eine Gladiatorenfigur, Münzen in einer Tiefgarage und die Überreste eines Flakgeschützes gemeinsam haben, gibt es zwei Antworten. Die erste ist Frankfurt und die zweite das dortige Denkmalamt. Dieses hat all diese Objekte im vergangenen Jahr für die Nachwelt erfasst. 

Bei seinem Jahresrückblick gab das Amt einen Überblick über die Entdeckungen und Leistungen im Jahr 2018. Dazu zählen nicht nur Funde der Bodendenkmalpflege, sondern auch Sanierungen an Kultur- und Baudenkmälern. Stadtrat und Planungsdezernent Mike Josef (SPD) nutzte den Anlass, um mit dem hartnäckigen Gerücht aufzuräumen, dass die Denkmalbehörde Bauvorhaben in Frankfurt verzögere. „Das stimmt nicht. Eher das Gegenteil ist der Fall.“ Die Behörde werde frühzeitig miteingebunden. Josef betonte, dass man sich bei der Denkmalpflege nicht nur auf den Kernbereich Frankfurts konzentrieren dürfe. Auch Kultur, Geschichte und Tradition in den Stadtteilen müssten erhalten und gepflegt werden. 

Welche archäologischen Schätze dabei zutage kommen können, legte die Leiterin des Denkmalamtes, Andrea Hampel, dar. Beispielhaft sei die Aufbereitung der Marienfigur gewesen, welche bei Arbeiten in der Leonhardskirche gefunden wurde. Aktuell ist die Figur im Dommuseum zu sehen.

In Seckbach stießen die Archäologen im vergangenen Jahr auf den Wirbel eines Mammuts. Der gut 50 Zentimeter lange Knochen wird auf 10 000 vor unserer Zeit datiert. Daneben gab es diverse Einzelstücke, wie Keramiken aus Gräbern der Eisenzeit, der Fuß eines kultischen Objekts aus der Bronzezeit sowie ein riesiger Hechtkopf, der wohl als Opfergabe diente. 

Einen „wahren Glücksfall, aber auch eine Herausforderung“, nannte Hampel einen Fund in Praunheim. 132 Gräber aus der Römerzeit mit vielen Skeletten wurden entdeckt. Körperbestattungen seien eher selten für jene Zeit. Die Ruhestätten liegen teilweise dicht beieinander und enthalten viele Grabbeigaben. So etwa eine geschnitzte Gladiatorenfigur und ein metallenes Schmuckstück, das ein zusammengerolltes, ebenfalls metallenes Objekt enthält, auf dem die Forscher Schriftzeichen vermuten. In einem nächsten Schritt soll das Objekt entrollt werden. 

Im Nieder Loch, wo derzeit eine Tiefgarage entsteht, stießen die Experten auf Überreste, die sie einer römischen Falschmünzerwerkstatt zuordnen. Hunderte geprägter und ungeprägter Münzen wurden bei den Grabungen zutage gefördert. Auch eine Kaimauer aus dem 19. Jahrhundert wurde in der dortigen Baugrube entdeckt.

An der Obermühle in Niederursel fanden die Archäologen Hinweise darauf, dass an jener Stelle nahe des Mühlbachs eine Burganlage stand. Es wurden Werkzeuge, ein Radsporn und die Überreste eines Metallhandschuhs gefunden. Der Handschuh soll zu einem Ritterharnisch gehören, den aufgrund der hochwertigen und damals teuren Verarbeitung wohl ein Adliger getragen hatte. 

Spektakulär sei auch der Fund eines alten Friedhofs in Fechenheim. Dieser stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert und wurde bereits 1856 aufgegeben. Dadurch können die Archäologen Einblicke in einen neuzeitlichen Friedhof bekommen. Auffällig viele Kindergräber, vor allem von Klein- und Kleinstkindern, wurden entdeckt. „Wir haben Überreste von sogenannten Totenkronen gefunden, die gegen das Fegefeuer schützen sollten“, sagte Hampel. 

Bei Bauarbeiten auf einem Schulhof ist das Denkmalamt auf den Unterbau eines Flakgeschützes aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen. Der Standort solcher Luftabwehrgeschütze war stets geheim, so dass der Fund einen kleinen Aufschluss gibt, wo die Flaks standen. 

Der Leiter der Abteilung Bau-, Garten- und Kunstdenkmalpflege, Stefan Timpe, präsentierte Gebäude, die 2018 fertig saniert wurden. Vielen Frankfurtern bestens bekannt dürfte das ehemalige Literaturhaus in der Bockenheimer Landstraße im Westend sein. Das 1912 errichtete Wohnhaus diente ab 1990 als Literaturhaus. 2013 wurde mit der Sanierung begonnen. Nun sei es ein Veranstaltungs- und Schulungszentrum. Stuckdecken, Holzvertäfelungen und Parkett seien originalgetreu wiederhergestellt worden. 

Immer wieder müsse die Behörde bei Gebäuden das freiliegende Fachwerk wieder verputzen. „Das Fachwerk ist nur aus Nadelholz und teilweise stark beschädigt“, sagte Timpe. Es sei nie dazu da gewesen, freigelegt zu werden, doch das sei in der Vergangenheit ein Trend gewesen. So wurden in der Bolongarostraße 157 in Höchst und beim Haus Am Burghof 7 in Bonames wieder die ursprünglichen Fassaden hergestellt. 

Kurios ist auch die Geschichte des Hauses in der Bolongarostraße 158. Gegen 1890 wurde das Wohnhaus wohl von thüringischen Arbeitern errichtet, denn es zeigten sich typische Elemente aus jener Gegend. Um das Haus wieder in den Originalzustand zurückzuversetzen, musste der Besitzer eine Ecke von der Stadt erwerben. Das Haus hatte lange Zeit eine abgeschrägte Ecke. 

Ein bemerkenswertes Beispiel stellt für Timpe die Glauburg in Nieder-Erlenbach dar. Die Anna-Schmidt-Schule war mit Klassenräumen in jenem Herrenhaus von 1700 untergebracht, entsprechend war das Gebäude mit mehreren Anbauten und Treppen versehen worden. Bei den Sanierungsmaßnahmen wurde der Toilettenanbau entfernt, eine Schieferverkleidung angebracht und im Inneren wurden die barocke Treppe sowie die Stuckdecken herausgearbeitet.

Auszeichnungen im Überblick

Zum Denkmal des Jahres 2018 wurde vom Denkmalbeirat Frankfurt das Wohn- und Geschäftshaus Römerberg 34 gewählt.

Mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis 2018 wurden sowohl der „Goldene Adler“ in der Bolongarostraße 156 in Höchst als auch das Wohnhaus Mäckler im Wilhelm-Beer-Weg 77 in Sachsenhausen prämiert. Für 2019 bewirbt sich die Stadt mit dem sanierten Haus in der Bolongarostraße 166 und mit der Glauburg in Nieder-Erlenbach.

Den Titel Grabpate des Jahres hat die Stadt Frankfurt zum ersten Mal vergeben. Dabei ging es um ein Grab auf dem Hauptfriedhof. Künftig soll der Titel dann jedes Jahr vergeben werden. mic

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