+
Heute dürfen die Läden-auch die großen wenn sie auf 800 Quadratmeter absperren öffnen.

Corona-Krise

Einzelhandel in Frankfurt: „Viele kämpfen ums Überleben“

  • schließen

Die Corona-Krise macht der Wirtschaft zu schaffen. Joachim Stoll, Chef der Einzelhändler in Frankfurt, zeigt sich im Interview dennoch vorsichtig optimistisch.

  • Viele Geschäfte in Frankfurt haben seit dieser Woche wieder geöffnet
  • Die Corona-Krise mache dem Einzelhandel dennoch weiter zu schaffen
  • Joachim Stoll, Chef der Einzelhändler in Frankfurt, fordert Hilfe für kleine Läden

Herr Stoll, nach etlichen Wochen der Schließung können jetzt die Geschäfte unter Einhaltung strenger Auflagen wieder öffnen. Wie ist Ihre Gemütsverfassung angesichts der leichten Lockerung?

Angespannt. Die Öffnung ist natürlich der Einstieg in einen Weg hin zur Normalität, auf den wir gewartet haben. Gleichzeitig gilt aber: Die Straßen da draußen sind leer. Man muss abwarten, ob die Kunden jetzt kommen werden. Die Erfahrung in Österreich, das diese Öffnung ja schon vollzogen hat, zeigt: Es bleibt schwierig.

Sie haben fast 2000 Mitgliedsbetriebe in Frankfurt und 7000 in Hessen. Wie haben die bisher die Corona-Pandemie überstanden?

Es gibt Insolvenzen bei großen Unternehmen, Beispiele sind Kaufhof/Karstadt oder AppelrathCüpper. Viele der kleinen Läden kämpfen ums Überleben.

Einzelhandel in Frankfurt während Corona: „Es bleibt schwierig“

Der Hotel- und Gaststättenverband schätzt, dass ein Drittel seiner Betriebe die Corona-Krise nicht überleben wird. Wie ist Ihre Einschätzung für den Einzelhandel?

Es ist zu früh, um diese Frage tatsächlich zu beantworten. Wir sind noch dabei, Daten und Fakten zu sammeln. In zwei Wochen werden wir verlässliche Aussagen treffen können. Das ganz Entscheidende wird jetzt sein, wie die Konsumenten auf die Öffnung eines Teils der Läden reagieren.

Wie beurteilen Sie die Lage bei Kaufhof/Karstadt? Der Konzern steckte ja vor der Corona-Pandemie in einer schwierigen Situation. Können in Frankfurt tatsächlich ein Kaufhof und ein Karstadt nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt an der Zeil überleben?

Es kommt darauf an, wie sich beide Häuser aufstellen. Wenn beide das gleiche Sortiment anbieten, wird es nicht funktionieren. Die einzige Lösung kann sein, dass sich beide Häuser deutlich unterscheiden. Das eine müsste ein Kaufhaus für den gehobenen Bedarf und für ein gehobenes Publikum sein; dieses Profil strebt Kaufhof ja schon deutlich an. Dort gibt es auch normalerweise die zahlungskräftigen chinesischen und japanischen Kunden, die sehr stark umworben werden.

Corona betrifft auch Einzelhandel in Frankfurt: „Mietnachlass gewähren“

Wo sehen Sie jetzt Handlungsbedarf seitens der Politik?

Ein Thema, um das sich die Politik dringend kümmern muss, ist, dass die großen Eigentümer den kleinen Läden keinen Mietnachlass gewähren. Das gilt zum Beispiel für den Rhein-Main-Flughafen und die kleinen Ladenmieter dort, die seit 18. März schließen mussten. Aber auch große Immobilienkonzerne haben die Mieten für kleine Geschäfte, die schließen mussten, nicht reduziert. Das geht gar nicht.

Ihre Prognose für die nächste Zeit?

Ich habe in meinen eigenen Geschäften in den zurückliegenden zwei Monaten so viele Koffer verkauft wie sonst in drei Stunden. Jetzt gibt es wieder die erste zaghafte Nachfrage. Ich bin vorsichtig optimistisch.

Interview: Claus-Jürgen Göpfert

Obwohl viele Geschäfte wieder öffnen dürfen, bleibt auf der Zeil in Frankfurt der große Ansturm nach der Corona-Pause erst einmal aus. Auf den Einkaufsstraßen der vielen Stadtteile in Frankfurt ist zum Teil wieder mehr los. Sogar lange Schlangen werden in Kauf genommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare