Das goldene Steuerrad ist nur noch Dekoration, die an vergangene Zeiten erinnert.
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Das goldene Steuerrad ist nur noch Dekoration, die an vergangene Zeiten erinnert.

Frankfurt

Frankfurt: Einmal Kapitän sein

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Mario Brandl steuert seit 2006 als Binnenschiffer über Main und Rhein. Zu Besuch auf der Brücke der „Wikinger“ in Frankfurt.

Das Anlegemanöver an der Gerbermühle wirkt spielend leicht, und Hektik kommt bei Mario Brandl schon mal gar nicht auf. Wie auch – der 51-Jährige verfügt über jahrzehntelange Erfahrung am Steuer eines Schiffes. Dabei dürfen sich Landratten hier kein wagenradgroßes Steuer aus Holz wie in alten Seemannsfilmen vorstellen. Der „Schottel-Antrieb“, mit dem die tonnenschwere „Wikinger“ der Primus-Linie bewegt wird, erinnert eher an eine Spielkonsole. „Ich vergleiche das immer mit einem Bagger“, sagt Kapitän Brandl.

Der gebürtige Bayer arbeitet bereits seit 1986 in der Schifffahrt, hat als einfacher Matrose angefangen und den Job als Binnenschiffer von der Pike auf gelernt. Seit 1992 ist Brandl Kapitän, seit 2006 ist er auf Main und Rhein unterwegs. Langweilig wird ihm dabei nie. „Jede Fahrt ist anders“, so Brandl, der aber besonders gerne nach Rüdesheim oder Seligenstadt fährt, weil das landschaftlich besonders schön sei. Natürlich hat aber auch eine Skyline-Tour durch Frankfurt ihren Reiz. „Die Kulisse ist einmalig“, schwärmt Brandl.

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Eine Schiffstour auf dem Mainmit der Primus Linie macht ohnehin gute Laune. Noch schöner wird es, wenn man die Fahrt auf der Brücke neben dem Kapitän erleben darf. Ahoi!

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Um einen Sitzplatz mit Aussicht muss er sich dabei keine Sorgen machen. Sein Platz am Steuer ist fest reserviert, und die Brücke – die Kommandozentrale des Schiffs – muss er sich normalerweise auch mit niemandem teilen. Die Besatzung der „Wikinger“ ist ohnehin überschaubar. Neben dem Kapitän gibt es als nautische Besatzung noch einen Steuermann, der das Schiff fest- und losmacht. Dazu kommen noch zwei Servicekräfte für die Passagiere.

Ein Besuch bei Kapitän Brandl auf der Brücke ist also ein ziemlich exklusives Erlebnis. Nicht nur sein entspanntes Navigieren, sondern auch die vielen technischen Geräte auf der Brücke sind erstaunlich. So gibt es etwa, seit zwei Jahren auch zwingend vorgeschrieben, eine elektronische Flusskarte. Sie zeigt dem Kapitän die anderen Schiffe an, die auf dem Main unterwegs sind, und zwar nicht nur als einfache Symbole, sondern sogar mit Namen und der aktuellen Geschwindigkeit. Hilfreich sei das vor allem hinter Offenbach, wo der Main kurvenreich dahinfließt. Früher habe der Kapitän immer ein wenig den Atem anhalten müssen, dass hinter einer solchen Kurve nicht auf einmal ein anderes großes Schiff auftaucht. Auch bei Dunkelheit ist die automatische Anzeige anderer Schiffe natürlich eine große Hilfe. Die Augen muss der Kapitän aber trotzdem gerade um Frankfurt immer aufhalten. Denn Ruderer und Stand-up-Padler etwa sind nicht in der Flusskarte verzeichnet und haben diese auch nicht zur Verfügung. Auch nach Treibgut wie großen Ästen hält der Kapitän Ausschau. Aus Gewichtsgründen sind die Schiffsschrauben heutzutage aus Messing statt Eisen und daher ziemlich empfindlich.

Im Osthafen demonstriert Brandl dann mal, wie wendig die „Wikinger“ mit ihren zwei Schrauben ist. Der Kapitän steuert beide Schrauben gleichzeitig, das Schiff wendet quasi auf der Stelle. Bei der Ausfahrt aus dem Seitenarm des Osthafens betätigt Brandl dann das laute Signalhorn, um kleinere Verkehrsteilnehmer auf dem Main zu warnen. Auf der Wasserstraße selbst ist klar geregelt, wer wo fahren darf. Kapitän Brandl erklärt die Bedeutung der einzelnen Verkehrszeichen an den Mainbrücken und auch die anderen Instrumente an Bord.

Der Tiefenmesser ist bei der Skyline-Tour zwischen den Schleusen in Offenbach und Griesheim gar nicht an. Die garantierte Tiefe in der Fahrrinne des Mains liegt bei 3,10 Meter, der „Wikinger“ reicht das locker. Obwohl sie bis zu 250 Passagiere befördern darf, liegt ihr Tiefgang nur bei rund einem Meter. Das hat Vor- und Nachteile. Denn das große Schiff reagiert auch relativ sensibel auf Einflüsse wie Wind, Strömung und den Sog anderer großer Schiffe. Insofern sind Anlegemanöver wohl doch nicht so spielend leicht, wie sie aussehen.

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