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Michael Guntersdorf hat die Städtischen Bühnen in seinem Büro immer vor Augen.

Städtische Bühnen

Einigung über Theaterstandort angemahnt

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Der Leiter der Stabsstelle Städtische Bühnen, Michael Guntersdorf, verlängert seinen Vertrag und appelliert an Politik: Nach der Wahl im März müsse eine Einigung über den Neubau her.

Der Leiter der Stabsstelle zur Zukunft der Städtischen Bühnen, Michael Guntersdorf, bleibt weiter im Amt. Der 69-Jährige verlängerte jetzt seinen ausgelaufenen Vertrag mit der Kommune um ein Jahr bis Oktober 2021. Der erfahrene Architekt und Projektentwickler hatte mit dieser Entscheidung lange gezögert, weil er angesichts des politischen Stillstands im Römer bei der Frage der Bühnen frustriert war.

Guntersdorf verbindet seine Unterschrift deshalb auch mit einem Appell an die Politiker im Römer. Nach der Kommunalwahl am 14. März 2021 müsse es zu einer politischen Einigung über den Standort für einen Neubau der Bühnen kommen. Die alte Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz aus dem Jahr 1963 sei baulich „am Ende“. Guntersdorf fügt hinzu: „Wir können dies nicht ignorieren, wir müssen handeln.“ Nach seinen Worten bröckelt die Natursteinfassade des riesigen Gebäudes erheblich. Sie werde jetzt gesichert, damit Passanten nicht von herabfallenden Teilen gefährdet würden.

Jedes Jahr muss die Stadt nach den Worten des Architekten mittlerweile drei Millionen Euro in die laufende Sanierung der alten Theateranlage stecken. Nur so könne der technisch vielfach überkommene Betrieb noch aufrechterhalten werden. Der frühere Geschäftsführer der städtischen Dom Römer GmbH, der in dieser Funktion den Bau der neuen Altstadt verwirklicht hatte, betont seine gute Zusammenarbeit mit Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Guntersdorf will im kommenden Jahr die Kommunalpolitiker bei ihrer Entscheidung über einen Standort für den Neubau der Bühnen intensiv beraten. Nach vier Jahrzehnten in der deutschen Immobilienszene verfügt der Entwickler über hervorragende Verbindungen.

Er hatte auch die Kontakte zur Helaba hergestellt, um die Pläne für die vor Monaten von der Kulturdezernentin vorgestellte „Kulturmeile“ abzusichern. Sie sieht den Neubau eines Opernhauses auf dem Grundstück Neue Mainzer Straße 47–51 vor. Dort steht heute noch die Zentrale der Frankfurter Sparkasse, die zum Verbund der Helaba gehört. Unklar ist gegenwärtig, unter welchen Bedingungen die Helaba dem Bau einer Oper auf diesem Areal zustimmen würde. Die Rede ist von einem Bürohochhaus, das die Helaba dort verwirklichen könnte und in dessen Sockel ein neues Opernhaus entstehen würde. Die „Kulturmeile“ sieht außerdem den Neubau eines Schauspielhauses am östlichen Rand des Willy-Brandt-Platzes vor.

Zurzeit untersucht die Stabsstelle neben der „Kulturmeile“ vier weitere Standorte für einen Neubau der Städtischen Bühnen. Darunter ist auch das große städtische Grundstück Mayfarthstraße 14 im Frankfurter Osthafen, direkt am Wasser. Es wird von der CDU im Römer als Ort einer neuen Bühnenanlage favorisiert. Während die Sozialdemokraten sich für die „Kulturmeile“ einsetzen, betonen die Grünen, dass auch der Neubau der Bühnen am Willy-Brandt-Platz liegen solle.

„Die Beschaffung eines Grundstücks steht jetzt an, das kann ich am besten“, sagte Guntersdorf. Die Stabsstelle will noch vor Weihnachten ihre Prüfung der fünf möglichen Flächen für einen Neubau abschließen und einen Bericht vorlegen. Es wird allerdings bezweifelt, dass sich die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen noch vor der Kommunalwahl 2021 auf einen Standort einigen wird.

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