Am Beethoven-Denkmal nahe der Taunusanlage im Anlagenring kann sich die FDP einen Neubau der Oper Frankfurt vorstellen. 
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Am Beethoven-Denkmal nahe der Taunusanlage im Anlagenring kann sich die FDP einen Neubau der Oper Frankfurt vorstellen. 

Kultur

Frankfurt: Eingriff in Wallanlage beim Bühnen-Neubau kein Tabu

  • Claus-Jürgen Göpfert
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  • Georg Leppert
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  • Florian Leclerc
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Für den Neubau der Städtischen Bühnen gerät der geschützte Anlagenring in den Blick. Auch das Weltkulturenmuseum könnte eine Dependance nahe den Wallanlagen bekommen.

In der Diskussion um einen Neubau der Städtischen Bühnen in Frankfurt wird ein großes Tabu gebrochen: Es erscheint Politikern nicht mehr ausgeschlossen, in die städtischen Wallanlagen einzugreifen. Diese ringförmige Grünanlage rund um die Frankfurter Innenstadt entstand Anfang des 19. Jahrhunderts.

Jetzt schlägt die FDP in Frankfurt vor, eine neue Oper in den Wallanlagen zu bauen. Über einen entsprechenden Antrag hat die Kreisversammlung am Abend entschieden. Der Neubau soll nach einem Architekturwettbewerb an der Stelle des bisherigen Beethoven-Denkmals nahe der Taunusanlage erfolgen. Die Taunusanlage sei mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen.

Sebastian Popp, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Römer, widersprach dieser Lösung: „Das würde die Wallanlage komplett abriegeln.“ Allerdings wird von SPD und Grünen bereits ein Neubau der Oper am Opernplatz gegenüber des Konzerthauses Alte Oper diskutiert. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hatte sich im FR-Interview dafür ausgesprochen, den Standort zu prüfen. Auch ein solches Gebäude würde in die Wallanlagen eingreifen.

In einem Grundsatzpapier des Grünen-Fraktionschefs Popp und des früheren Leiters des OB-Büros, Bernd Messinger (Grüne), heißt es: „Die Wallanlagen selbst sollten in ihrer Gesamtfläche erhalten bleiben, partieller Flächentausch innerhalb des Standortes sollte möglich sein, wenn die Qualität der Gesamtanlage erhalten bleibt.“ Popp sagte der FR, ein neues Opernhaus gegenüber der Alten Oper müsse geprüft werden. Es würde aus seiner Sicht „nicht sehr“ in die Wallanlagen eingreifen.

Popps Parteifreund, der frühere Bürgermeister Olaf Cunitz, äußerte sich dazu im FR-Interview kritisch: „Es wundert mich, dass es nun grüne Politik ist, Teile der Wallanlagen zur Disposition zu stellen.“ Mit der Diskussion seien Begehrlichkeiten über die Bühnen hinaus geweckt worden.

Planungsdezernent Mike Josef (SPD) will verschiedene Optionen prüfen. „Ich möchte, dass wir ohne Eingriff in die Wallanlagen auskommen, dass die Wallanlagen sich sogar vergrößern, sagte er der FR.“ Eine Möglichkeit sieht Josef in einem Bühnen-Neubau direkt gegenüber der heutigen Theater-Doppelanlage auf der anderen Seite des Willy-Brandt-Platzes. Dafür könne zum Tausch die Grundfläche der heutigen Oper in Grün verwandelt werden. Josef und Hartwig entwickelten außerdem die Idee einer kulturellen Nutzung in einem neuen, knapp 200 Meter hohen Büroturm, der auf dem Grundstück Neue Mainzer Straße 57-59 entstehen soll – also unmittelbar an den Wallanlagen. Der Investor, die Landesbank Hessen-Thüringen, verhandelt mit der Stadt über eine Dependance des Museums der Weltkulturen im Erdgeschoss. .

Doch noch existiert lediglich eine Bauvoranfrage an das Planungsdezernat. Josef versicherte, dass dieser Turm nicht in die Wallanlagen eingreifen werde. Das Ziel sei es, „die Wallanlagen zu beleben“ und dem heute stark beengten Museum Weltkulturen in Sachsenhausen mehr Ausstellungsfläche zu verschaffen.

Um die neue Oper in den Wallanlagen zu finanzieren, will die FDP den Vorschlag der „Bürgerstiftung Neue Oper“ aufgreifen. Die Initiative, vertreten unter anderem durch Projektentwickler Martin Wentz, will 50 Millionen als Spenden einwerben, die Oper für 300 Millionen Euro bauen, und das Gebäude drei Jahrzehnte lang an die Stadt vermieten. Nach dem Willen der FDP soll das Schauspiel Frankfurt in einem „Hochhaus-Gebäudekomplex“ am Willy-Brandt-Platz unterkommen. Auch das Kinder- und Jugendtheater soll darin Platz finden, und nicht im Zoo-Gesellschaftshaus, das die FDP für das „Conservation Center“ der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt reservieren will. Die Interimsspielstätte für das Schauspiel Frankfurt soll laut FDP auf dem Kulturcampus in Bockenheim gebaut werden. Diese Bühne soll anschließend der freien Theaterszene zur Verfügung stehen.

Der Vorschlag des CDU-Kreisvorsitzenden Jan Schneider, einen Beirat mit Fachleuten und prominenten Bürgern zur Zukunft der Städtischen Bühnen zu gründen, wurde von SPD und Grünen verworfen. Sozialdemokrat Josef sprach von einer „politischen Bankrotterklärung“. Die Entscheidung müsse bei den Stadtverordneten liegen, „das kann ihnen niemand abnehmen“. Die CDU ziele darauf, die SPD-geführten Dezernate als handlungsunfähig hinzustellen.

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