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Künstlerin Emma M. Ceren performt mit geschredderten Dokumenten aus einer Klage gegen sich.
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Künstlerin Emma M. Ceren performt mit geschredderten Dokumenten aus einer Klage gegen sich.

Frankfurt

Frankfurt: Eine Räumungsklage direkt für die Tonne

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Eine Frankfurter Künstlerin macht mit einer Performance vor dem Römer auf Verschwendung seitens der Stadt aufmerksam. Ein Klage gegen sie sei wegen fehlender Vollmachten von Beginn an zum Scheitern verurteilt gewesen – und 3000 Seiten wurden umsonst bedruckt.

Mit Schwung wirft Künstlerin Emma M. Ceren die Papierschnipsel in die Höhe. Sie flattern kurz durch die Luft, dann landen sie auf einem Tuch, das auf dem Boden vor dem Gerechtigkeitsbrunnen nahe dem Römers liegt. Die Schnipsel sind nicht irgendein Konfetti, sondern rund 600 geschredderte Seiten, die Ceren im Laufe einer Räumungsklage gegen sich zugestellt wurden. Auch der Ort – zu Füßen der Justitia – ist für die Aktion wohlgewählt: Das Landgericht hatte die Klage als unzulässig abgewiesen. „Das alles für nichts und wieder nichts“, sagt Ceren.

Die Frankfurter Künstlerin möchte mit der Aktion auf die Verschwendung von Papier, Zeit und Geld aufmerksam machen, die die Gegenseite in die Räumungsklage gesteckt hat. Und auch bei Gericht und Cerens eigener Anwältin verschwendet habe. „Diese 600 Seiten sind ja fünf Mal verschickt worden“, erklärt Ceren. An das Gericht, die Kläger, sie als Beklagte und die Anwälte beider Seiten. „3000 Seiten, unfassbar. Dabei war das Ganze von vornherein zum Scheitern verurteilt.“

Dass die Aktion vor dem Rathaus stattfindet, hat ebenfalls Symbolcharakter. Ceren wohnt seit einigen Jahren in einem Haus in der Böttgerstraße, das der unselbstständigen Franz-Anton-Gering-Stiftung gehört. Dort leben ausschließlich alleinstehende ältere Frauen ab 60 Jahren, die bedürftig seien oder wegen ihres Zustands Hilfe benötigten, heißt es in der Satzung. Und die Stiftung wird von der Stadt verwaltet, die – vertreten durch den Magistrat – gegen Ceren geklagt hat.

Bedürftig hin oder her, die Frankfurter Künstlerin sollte ihre Wohnung räumen. Wegen verschiedener Streitereien gebe es Unmut in der übrigen Nachbarschaft, teilte die Stadt auf Nachfrage der FR mit. Zum jüngsten Fall möchten sich der Geschäftsführer der Stiftung sowie das Sozialdezernat, bei dem die Stiftungsverwaltung angesiedelt ist, nicht äußern. Auch um Ceren nicht zu schaden, da sie perspektivisch ja wieder eine Wohnung finden müsse.

Denn trotz der abgewiesenen Klage hat die Künstlerin bereits eine erneute Räumungsaufforderung erhalten. Die Klage vorm Landgericht war wegen der besonderen Rechtsform als nicht rechtsfähige Stiftung gescheitert. Sie hatte schlichtweg keine Vollmacht, um Ceren zu kündigen. Cerens Anwältin zeigt sich derweil verwundert, da auch der neusten Kündigung keine gültige Vollmacht beiliege.

Die zurückliegenden Monate, in denen die Klage lief, haben die Frankfurterin stark belastet. Auch die anhaltenden Streitigkeiten mit einem Teil ihrer Nachbarinnen im Haus. Die Kunstperformance ist demnach eine Art der Befreiung für sie. Und auch eine Art des Protests, wie sie ihn häufig in die Öffentlichkeit trägt, wenn sie Ungerechtigkeiten bemerkt. Zum Abschluss sagt sie: „Ich will Frankfurterin bleiben.“ Vorerst auch in ihrer Wohnung in der Böttgerstraße.

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