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Die SPD-Spitze: Roger Podstatny,  Sylvia Kunze,   Mike Josef und Oliver Strank (v. l. n. r.).

Jahresparteitag

SPD Frankfurt: Eine neue Generation übernimmt

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Der SPD-Vorstand präsentiert sich erheblich verjüngt. Ulli Nissen und Gregor Amann werden nicht wiedergewählt.

Am Tag danach kleidet Ulli Nissen ihre Niederlage in bemerkenswerte Worte. „Ich bin erleichtert, denn wir brauchen Verjüngung“, sagt die 59-jährige Bundestagsabgeordnete. Die Frau, die mit Unterbrechungen seit 1992 im Vorstand der Frankfurter SPD saß, lobt das neue „tolle junge Team“ an der Spitze der Partei. Tatsächlich ist die Vorsitzende der südhessischen SPD-Frauen das Opfer eines Generationswechsels geworden, wie es ihn in diesem Umfang in der Frankfurter Partei lange nicht mehr gegeben hat.

Der langjährige stellvertretende Parteivorsitzende Eugen Emmerling war schon am Wochenende vom Parteitag mit langanhaltendem Beifall verabschiedet worden. Der 70-jährige Journalist und frühere Sprecher der Frankfurter Buchmesse hatte nicht mehr kandidiert.

An seiner Stelle wählten die 350 Delegierten im Casino der Stadtwerke den 39-jährigen Rechtsanwalt Oliver Strank zum Stellvertreter von Parteichef Mike Josef.

Auch bei den elf Beisitzern im Unterbezirksvorstand setzten die Delegierten Zeichen für eine Erneuerung. Neu in den Vorstand kam die 28-jährige Kriminalbeamtin und Spezialistin für Online-Kriminalität Anna Pause. Auf Stadtebene kaum bekannt führt sie seit 2019 den Ortsverein Gallus und ist seit 2016 SPD-Fraktionsvorsitzende im Ortsbeirat 1.

Plädoyer für Digitalisierung

Neu im Vorstand ist der 30-jährige Unternehmensberater Armand Zorn. Der gebürtige Kameruner lebt seit 2016 in Frankfurt, vorher hatte er in Paris, Hongkong, Bologna und Oxford gearbeitet. Der frühere stellvertretende Vorsitzende der südhessischen Jusos hatte das Herz der Delegierten mit einem entschiedenen Plädoyer für eine „basisdemokratische“ Digitalisierung in Frankfurt erobert.

Die 30-jährige Chirurgin Stefanie Minkley, engagierte Vegetarierin und Radfahrerin, hatte ihre Bewerbungsrede im Frankfurter Dialekt begonnen. Sie will vor allem in der Umwelt-, Gesundheits- und Frauenpolitik arbeiten.

Der 32-jährige Personalberater Lino Leudesdorff, bundesweit als stellvertretender Vorsitzender der „Demokratischen Linken 21“ in der SPD vernetzt, hatte zuvor vergeblich gegen Oliver Strank als Frankfurter Parteivize kandidiert. Der Linke Leudesdorff kämpft „für eine SPD, die endlich zurück zu ihren Wurzeln findet“ und für eine umfassende Reform des Sozialstaates unter Streichung von Hartz IV.

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Neu in den Vorstand entsandt wurde auch die 35-jährige Katharina Stier, stellvertretende Leiterin der städtischen Stabsstelle für Mieterschutz. Die frühere Mitarbeiterin der ehemaligen SPD-Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti will sich natürlich vor allem in der Wohnungspolitik engagieren. Ihr Motto: „Nicht quatschen, anpacken“.

Wie Ulli Nissen nicht mehr in den SPD-Vorstand schaffte es der 56-jährige frühere Bundestagsabgeordnete Gregor Amann. Knapp wurde es für Holger Tschierschke, zweiter Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Römer.

Das beste Ergebnis erzielte der 62-jährige Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel. Wiedergewählt wurden der 22-jährige frühere Frankfurter Juso-Sprecher Frederik Michalke. Ebenso Frankfurts Bildungsdezernentin Sylvia Weber, die SPD-Fraktionsvorsitzende im Römer, Ursula Busch, und Jürgen Gasper, Richter am Hessischen Staatsgerichtshof und am Hessischen Verwaltungsgerichtshof.

Ulli Nissen nennt am Tag nach ihrer Niederlage ihre Kandidatur „total beknackt“. Sie hätte schon vorher einsehen müssen, dass es richtig gewesen wäre, für Jüngere Platz zu machen. „Die haben auch viel mehr Zeit als ich.“  

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