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Frankfurt: Eine Hülle für den Pflegeroboter Roswitha

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Von: Steven Micksch

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Ein starker Roboter-Arm kann auch ganz zartfühlend eine Tasse halten. Frankfurt UAS, Kevin Rupp
Ein starker Roboter-Arm kann auch ganz zartfühlend eine Tasse halten. Frankfurt UAS, Kevin Rupp © Frankfurt UAS, Kevin Rupp

Die Frankfurter Hochschule UAS sucht ein passendes Äußeres für ihren selbstentwickelten Pflegeroboter. Die Präferenzen variieren.

Eine grüne Hülle mit einem menschenähnlichen Gesicht oder doch lieber das orangene Äußere mit einem roboterartigen runden Kopf? Auf einem Zettel macht sich die Probandin Notizen und schreibt auf, was ihr gut gefällt und wo es noch Verbesserungen bräuchte. Am Ende soll ein überzeugendes äußeres Erscheinungsbild für den Assistenzroboter der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) gefunden werden.

Der metallische Helfer hört auf den Namen Roswitha und ist damit wohl eher eine Helferin. Der Name steht für „RObot System WITH Autonomy“, also eine autonome Roboterplattform. Projektleiterin und Professorin Barbara Klein nennt Roswitha eine Lehr- und Lernplattform, die von den Studierenden der Frankfurt UAS stetig weiterentwickelt wird. Nicht nur der Zusammenbau, auch die Programmierung wurde und wird von den jungen Menschen übernommen.

Aktuell arbeitet ein interdisziplinäres Forschungsprojekt aus Professorinnen, Professoren und wissenschaftlich Mitarbeitenden aus den Bereichen Sozialwissenschaft, Produktdesign und Informatik daran, dem Roboter ein passendes Aussehen zu geben. Zu technisch sei sein aktuelles Äußeres mit Kabeln, Gestänge und vielen Freiräumen. Es geht um die Frage, wie das Embodiment, die äußere Gestalt aussehen muss, um eine möglichst hohe Akzeptanz und Nutzungsbereitschaft bei den Menschen zu erzielen, sodass sie in ihrem Alltag bereit wären, einen solchen Roboter zu nutzen. Gefördert wird das auf drei Jahre angelegte Projekt durch die Commerzbank-Stiftung.

„Wir suchen Embodiments, die von der Zielgruppe akzeptiert sind“, sagt Marina Weiland, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungszentrum Future Aging. In der Literatur gebe es einige Erkenntnisse dazu, was von welcher Altersgruppe präferiert wird. Mit der Theorie wurden so erste Verkörperungen virtuell entwickelt. „Mit verschiedenen Gruppen haben wir die Modelle evaluiert“, sagt Jessica Sehrt, ebenfalls wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt.

Dafür nutzte man AR-Brillen (Augment Reality), die die Hüllen des Roboters darstellen, wenn man sie aufsetzt. Ein Vorteil der Methode ist, dass die Anwendung auch für ältere Menschen recht einfach ist und sie sich mit der aufgesetzten Brille noch sicher bewegen können. Zudem sei es deutlich ressourcenschonender, wenn man die Modelle zunächst nur virtuell ausprobiert.

Die Gruppe der älteren Menschen (zwischen 70 und 89 Jahren) präferierte tatsächlich, wie in der Literatur beschrieben, ein eher humanoides Aussehen. Viele der Befragten wollten ein eher menschliches Gesicht mit einem Mund und ein Äußeres, das der Haut ähnle. Die Mehrheit einer Gruppe Studierender bevorzugte ein weniger menschliches Aussehen.

„Für eine zweite Runde im Frühjahr sollen die Modelle nun geschärft und angepasst werden und schließlich nochmals per AR-Brille präsentiert werden“, so Héctor Solis, Professor für Produktentwicklung an der Frankfurt UAS. Zum Abschluss wird das Ganze per 3-D-Drucker erzeugt und dann in Realität präsentiert.

Der Roboter ist bisher mit einer Navigationsfunktion ausgerüstet, die es ihm ermöglicht, sich autonom zu bewegen. Zudem kann er mit seinem Arm Dinge, wie beispielsweise ein Glas, holen und bringen. Weitere Funktionen sind denkbar, in den Befragungen wurde noch eine Kommunikationsfunktion mit dem Roboter gewünscht. Schlussendlich soll Roswitha älteren Menschen dabei helfen, möglichst lange noch zu Hause leben zu können. Die Funktionen des Roboters zielen also auf das häusliche Umfeld ab.

Dafür brachte man die virtuelle Darstellung des Roboters mit Hilfe der Augmented-Reality-Brillen auch in die Wohnungen der älteren Testpersonen, damit sie die Hülle von Roswitha in der vertrauten Umgebung betrachten und entscheiden konnten, ob dies passen würde.

„Es geht um Ergänzung und nicht um Ersatz von Pflegepersonal“, betont Projektleiterin Klein. „Mit Assistenzrobotern können pflegebedürftige Menschen mehr Aufgaben selbst übernehmen und damit Angehörige und Pflegepersonal entlasten.“

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