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Auf Wunsch mit farbigem Innenfutter: Designerin Valerie Zilch mit einigen Exemplaren ihrer „paperbag“-Taschen.

Modestadt Frankfurt

Eine Hommage an die Papiertüte

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Die Taschen des Frankfurter Labels „the paperbag“ sind aus Papier - und trotzdem langlebig und waschbar. Zwei Gründerinnen berichten von einem Start mit Hindernissen.

Papier in der Waschmaschine waschen, ohne es zu zerstören – das geht bei den Taschen von „the paperbag“. Auf den ersten Blick sehen sie fast aus wie Leder, fühlen sich weich und dennoch robust an. Valerie Zilch und Jennifer Roither entdeckten vor ein paar Jahren ein beschichtetes Papier, das dem der Etiketten auf der Rückseite mancher Jeans ähnelt.

„Wir fanden das Material extrem spannend“, sagt Zilch. So sehr, dass die befreundeten Produktdesignerinnen damit arbeiten wollten. Sie entwarfen und gestalteten, versuchten es mit einem Schuh, doch das war nicht das richtige Produkt. „Dann dachten wir, warum nicht die Verbindung zur Papiertüte aufgreifen und eine Tasche entwerfen, die langlebiger, wiederverwendbar und waschbar ist“, sagt Zilch.

Hergestellt werden die Taschen aus Zellulose und Latex, hinzu kommen Farbpigmente. Nach dem Waschen sei das Material erst mal fester, durchs Tragen werde es weicher und erhalte mit der Zeit auch eine Patina, so Zilch. Stand an erster Stelle der Rohstoff in der Entwicklung, gefiel den Frauen auch, dass er vegan und umweltfreundlich ist. Denn gewonnen wird die Zellulose aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern Nordeuropas, anschließend wird sie in Deutschland weiter verarbeitet. Das Material ist FSC-zertifiziert und wird nach Ökotex-100-Standard produziert.

Praktisch am Tag, chic am Abend: multifunktional eben.

Seit einem Jahr nun kann man die Stücke kaufen, online und in einigen Läden. Der Start war kein leichter. Als die ersten 150 Taschen ankamen, waren alle falsch genäht. „Nur eine Naht, aber die war wichtig“, erinnert sich Zilch. Glücklicherweise wurden sie dann doch rechtzeitig zum Launch fertig. Produziert wurde nur eine begrenzte Anzahl. „Wir wollten keinen Kredit aufnehmen, sondern erst mal gucken, wie es ankommt.“

Und die Resonanz ist gut. Einige Farbkombinationen sind schon ausverkauft. Das Material soll im Vordergrund stehen, darum sind die Taschen minimalistisch gestaltet. In Grau, Braun und Schwarz erhältlich, auch mit Innenfutter aus Nylon, in sechs Farben. Die normale Tasche kostet 59, die gefütterte 75 Euro. „Außen sind sie rau und innen glänzend, der Kontrast gefiel uns gut“, sagt Zilch. Zudem sei die Tasche doch ein Allrounder, findet die 41-Jährige, man könne sie im Büro, zum Shoppen oder abends zum Essen gehen tragen.

Modeserie

Vom 6. bis 8. Juli 2021 s oll die erste Frankfurt Fashion Week stattfinden. Ab 2022 ist geplant, sie sogar zweimal im Jahr auszurichten. Auch die Berlin Fashion Week wird weiterhin saisonal organisiert.

Aber kann Frankfurt Mode? In unserer neuen Serie stellen wir wöchentlich lokale Designerinnen, Modemacher und Ladenbesitzerinnen vor.

Sportmarken-Gründer über Handtaschen-Designerinnen bis zum Schuhmacher sind ebenso dabei wie auch Fashion-Influencerinnen. jkö/rose

Bislang machen die beiden Gründerinnen alles selbst. Zilch kümmert sich um Social Media und Networking, Roither vor allem um den Onlineshop und die Buchhaltung, die kreative Gestaltung übernehmen sie zusammen. Und das, obwohl sie mehrere Hundert Kilometer trennen.

Roither lebt im bayerischen Starnberg, Zilch in Frankfurt. „Es klappt trotzdem gut.“ Oder gerade deswegen, lacht sie. Die Zweifachmütter führen das Label neben ihren Jobs. Zilch arbeitet bei einer Onlineplattform, Roither freiberuflich. Mit Familie im Hintergrund überwiege der Sicherheitsgedanke, sagt Zilch.

Aber zeitintensiv sei es natürlich schon. Und sie würden gerne mehr investieren, um das Label bekannter zu machen. „Wir merken, dass Marketing wichtig ist, hatten aber bisher ein geringes Budget dafür und immer eher unser Netzwerk genutzt.“

Kooperationen mit Firmen oder Promis seien da hilfreich. Gemeinsam mit dem Fotografinnenduo Lottermann and Fuentes haben sie etwa gerade eine limitierte Frankfurt-Edition in Mint entworfen. Wegen Corona werde sie voraussichtlich erst Richtung Herbst erhältlich sein, sagt Zilch. In Arbeit ist außerdem ein Kosmetikbeutel und eine kleine Umhängetasche. Natürlich aus Papier.

In Frankfurt sind die Taschen von „the paperbag“ in dem Laden „Maria“ in der Fahrgasse 19 oder bei „Second Home“ in der Vogelsbergstraße 38 erhältlich, online auf thepaperbag.de.

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