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Frankfurt: Eine Gedenktafel für Blanka Zmigrod

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Von: Georg Leppert

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Renée Salzman (links), eine Nichte von Zmigrod, mit Dezernentin Hartwig bei der Enthüllung.
Renée Salzman (links), eine Nichte von Zmigrod, mit Dezernentin Hartwig bei der Enthüllung. © Monika Müller

Im Westend erinnert ein kurzer Text an die vor 30 Jahren ermordete Jüdin. Der Oberbürgermeister spricht von einem Versäumnis der Stadt.

Peter Feldmann redete nicht drum herum. Ein „großes Versäumnis“ sei es, dass die Stadt Frankfurt erst jetzt an Blanka Zmigrod erinnere, sagte der Oberbürgermeister. Umso dankbarer sei er Ruben Gerczikow, dem jungen Frankfurter, der Unterschriften gesammelt und keine Ruhe gegeben hatte, damit seine Stadt endlich ein Andenken an Zmigrod schafft.

Am Dienstagvormittag enthüllten Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig (beide SPD) im Westend eine Gedenktafel für Blanka Zmigrod. Sie steht an der Ecke Kettenhofweg/Niedenau, an der Stelle also, an der die damals 68-Jährige vor genau 30 Jahren von einem schwedischen Neonazi erschossen wurde. Ganz oben auf der Tafel steht ein Zitat von ihr: „Meine Genugtuung für das, was mir die Nazis angetan haben, ist zu überleben und so gut und so lange wie möglich zu leben.“

Zmigrod, eine Jüdin aus Polen, war von den Nazis in verschiedene Konzentrationslager deportiert worden. Nach Ende der NS-Zeit zog sie nach Israel und kam in den Sechzigerjahren zurück nach Frankfurt. Ob sie aus antisemitischen Motiven getötet wurde oder ob es bei der Tat um einen angeblich gestohlenen Taschencomputer ging, ließ sich nie klären. „Die Diskussion darüber ist aber auch müßig“, sagte Feldmann. Es gehe darum, an eine wichtige Frankfurterin zu erinnern.

Zur Enthüllung der Tafel war auch Renée Salzman aus Israel nach Frankfurt gekommen – Blanka Zmigrod war ihre Tante. Die 68-Jährige berichtete aus Zmigrods Leben. Sie erzählte von einer Frau, deren Angehörige allesamt in den Konzentrationslagern ermordet wurden, die nach Israel auswanderte, wo sie sich „frei und sicher“ fühlte, nach Deutschland zurückkehrte, schließlich als Garderobenfrau arbeitete, um ihre Rente aufzubessern, und auf dem Heimweg von der Arbeit erschossen wurde. Dass der Täter bis an sein Lebensende im Gefängnis sitze, sei „ein kleiner Trost“, sagte Salzman. Dass für ihre Tante nun eine kleine Gedenktafel aufgestellt wurde, bewegte sie sichtlich. „Ich bin gerührt, heute dabei sein zu dürfen“, sagte sie.

Erst vor einigen Wochen war in der Frankfurter Rundschau eine viel beachtete Geschichte erschienen, in der Salzman über ihre Tante sprach. Geschrieben hatte den Text FR-Redakteur Hanning Voigts. Thomas Gutmann (Grüne), Vorsteher im Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend), dankte Voigts für den Artikel. „Nicht der Täter bekam eine ganze Zeitungsseite, sondern das Opfer“, sagte Gutmann.

Der Artikel „Ich will so lange und so gut wie möglich leben“ über die Erinnerungen an Blanka Zmigrod ist auch auf Hebräisch erschienen. Zu finden unter: www.fr.de/zmigrod – auf Deutsch unter www.fr.de/zmigrod-deutsch

Eine Gedenkkundgebung gibt es am heutigen Mittwoch, 23. Februar, um 18 Uhr an der Kreuzung zwischen Kettenhofweg und Niedenau.

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