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Radler haben inzwischen viel Platz auf der Friedberger Landstraße, Autos dafür weniger.

Mobilität

Friedberger Landstraße hat eine Fahrspur weniger - mehr Platz für Fahrräder

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Autofahrer müssen sich auf der Friedberger Landstraße mit einer Spur begnügen. Die zweite gehört jetzt Radfahrern. Das Verkehrsdezernat Frankfurt will die Stadt fahrradfreundlicher machen.

  • Die Friedberger Landstraße in Frankfurt hat nur noch eine Spur für Autos
  • Die zweite Spur wurde zu einem breiten Radweg
  • Weitere Projekte sollen Frankfurt fahrradfreundlicher machen

Frankfurt - Es ist ein bemerkenswertes Hochgefühl, das einen als Radfahrer auf der Friedberger Landstraße überkommt. Ungewollt ziehen sich die Mundwinkel nach oben. So viel Platz!

Von der Seilerstraße bis zum Friedberger Platz nach Norden, von der Scheffelstraße bis zum Friedberger Tor nach Süden hat die Stadt einen roten Radweg markiert – und den Autofahrern eine Fahrspur abgezwackt. Radfahrerinnen und Radfahrer werden nun nicht mehr von herandüsenden Autofahrern geschnitten. Sie haben eine Fahrspur, die etwa zweieinhalb Meter breit ist, nur für sich. Also fast. Ein Vespafahrer nutzt die neue Fläche am Freitagnachmittag und tuckert hinter den Radfahrern her, bis er sie schließlich an einer Ampel überholt.

Frankfurt: Breite Fahrradspur auf Friedberger Landstraße

Ansonsten flitzen die schnellen Radfahrer bergauf an den langsamen vorbei. Die Langsamen sind immer noch schneller als die Autos, die sich eine verbliebene Fahrspur teilen. Das gibt dem einen oder der anderen womöglich zu denken, dass sie oder er mit Rad und Bahn schneller unterwegs wäre und auch etwas fürs Stadtklima täte. Das leidet bekanntlich unter der horrenden Zahl an Autopendlern, die mit dem Ferienende wieder zu Hunderttausenden in die Stadt strömen werden.

„In der Abend- und Morgenspitze muss der Autoverkehr mit längeren Reisezeiten rechnen, das war klar und ist auf der Straße auch zu bemerken“, sagt Stefan Lüdecke, Referent von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) und Leiter der Stabsstelle Radverkehr. Um den Verkehrsfluss zu verbessern, seien die Ampeln in dem Abschnitt auf der Friedberger Landstraße angepasst worden. In den kommenden Wochen und Monaten behalte die Stadt die Situation im Blick und steuere gegebenenfalls nach.

Friedberger Landstraße in Frankfurt bietet mehr Platz für Radfahrer

Die neue Markierung der Friedberger Landstraße ist Teil des Radentscheid-Pakets, das die Initiative Radentscheid Frankfurt mit der Koalition ausgehandelt hat.

Radentscheid

Vor einem Jahr , im August 2019, hat das Stadtparlament den Koalitionsantrag zum Radentscheid beschlossen. 45 Kilometer Radwege sollen bis 2023 entstehen, fahrradfreundliche Nebenstraßen, umgebaute Kreuzungen. Umgesetzt wurden unter anderem der Radweg von der Schönen Aussicht bis zum Friedberger Platz und Abschnitte auf der Hanauer Landstraße. Mehrere Kreuzungen wurden rot eingefärbt. Die Initiative Radentscheid hat unterdessen ein Konzept für den fahrradfreundlichen Umbau von elf Nebenstraßen vorgestellt.

Zwischen Friedberger Platz und Matthias-Beltz-Platz setzt sich der Radweg nicht fort. Die CDU hatte Bedenken angemeldet, weil der Platz wegen der Straßenbahnhaltestelle zu eng sei. Radfahrer müssen sich auf dem Weg vom Friedberger Platz zum Kiosk Gudes den Platz mit den Autos teilen oder auf die Rotlintstraße ausweichen.

Mehr Straßen in Frankfurt bekommen ausgebaute Radwege

Wie geht es weiter in diesem Jahr? Als Nächstes bessere die Stadt den Radweg auf der Hanauer Landstraße aus, sagt Lüdecke. Zwischen Osthafenplatz und Leibbrandstraße würden die Einfahrten auf die Grundstücke rot gefärbt und schadhafte Stellen saniert. In der ersten Jahreshälfte hatte die Stadt dort die Radwege mit Pollern gegen parkende Autos geschützt. „Die Sichtbarkeit des Radverkehrs wird mit den Rotmarkierungen der Einfahrten weiter verbessert und der Fahrkomfort durch stellenweise Sanierungen erhöht“, sagt Michaela Kraft, die Leiterin des Straßenbauamts.

Die Arbeiten auf der Hanauer Landstraße beginnen am Montag, 17. August, und dauern bis zum 4. September 2020. Zwischen Osthafenplatz und Intzestraße werden die Fahrspuren von 9 bis 15 Uhr reduziert. Als Nächstes stünden weitere Planungen an, berichtet Lüdecke: für den westlichen Bereich der Hanauer Landstraße, Abschnitte auf der Mainzer Landstraße und am Hauptbahnhof. Er stellt in Aussicht, dass in diesem Jahre „weitere Radverkehrsanlagen hergestellt werden könnten“, wenn die Planungen abgeschlossen seien und die Fachfirmen Kapazitäten hätten.

Frankfurt: Fahrradfreundliche Nebenstraßen geplant

Für die Bockenheimer Landstraße liege eine Vorplanungsvorlage vor, die der Magistrat beschließen müsse, sagt Lüdecke. „Zur Zeit arbeiten wir ebenfalls an der Schweizer Straße, hierzu soll es noch einen Gestaltungswettbewerb und eine öffentliche Diskussion geben.“ Vor dem Wettbewerb werde eine verkehrliche Machbarkeitsstudie erarbeitet.

Die Umgestaltung des Oeder Wegs, als ein Beispiel für fahrradfreundliche Nebenstraßen, will das Verkehrsdezernat Ende August im Ortsbeirat 3 vorstellen. Bei den Fahrradabstellplätzen sei die Zielmarke von 2000 Stellplätzen pro Jahr schon überboten. Er selbst habe die Fahrt auf der Friedberger Landstraße mit dem Rad auch genossen. (Florian Leclerc)

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