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Das Land- und Amtsgericht Frankfurt am Main.

Prozess

Einbruch direkt vor Frankfurter Polizeipräsidium - Haftstrafe für Drogensüchtigen

Das Amtsgericht Frankfurt verurteilt Drogensüchtigen, der wiederholt in Wohnungen einstieg, zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten.

Der Suchtdruck muss groß gewesen sein, als Mahmoud C. im Frühling 2018 nach einer Nacht aus dem Polizeigewahrsam entlassen wurde. Kaum hatte er das Polizeipräsidium verlassen, da habe er, direkt gegenüber auf dem Balkon einer Wohnung in der Polizeimeister-Kaspar-Straße „ein, zwei Gramm Heroin und Kokain konsumiert“, so sagt es der 43-Jährige selbst, und sich dann, so sein Verteidiger Till Gutsche, die Gasflasche eines Grills geschnappt und die Glasscheibe der Wohnung zertrümmert.

Wie der seit Jahren drogensüchtige und mehrfach einschlägig vorbestrafte Mann es in der Folge schaffte, die Wohnung einer alleinerziehenden Mutter buchstäblich vor den Augen der Polizei am hellichten Tage zu verwüsten und eine beachtliche Anzahl an Wertgegenständen daraus zu stehlen, das lässt sich am Dienstag im Amtsgericht Frankfurt nicht gänzlich erhellen. Das weiß C. laut seinem Geständnis selbst nicht so genau. „Ich muss wohl einen Rucksack dabeigehabt haben“, mutmaßt er.

Doch der, wendet der Vorsitzende Richter ein, dürfte nicht ausgereicht haben, um neben 1200 Euro Bargeld zwei Fernseher, zwei Dutzend Elektrogeräte, sechs Uhren, Handys, 22 Schmuckstücke, rund 100 Kleidungsstücke, Schreibwaren, zwei Lampen, einen Werkzeugkoffer und 15 Alkoholika fortzuschaffen. Auf 20.000 Euro wird der Wert des Diebesgutes geschätzt. „Jetzt, wo sie das so verlesen“, sagt Mahmoud C., „vielleicht habe ich auch jemanden gefunden, der mir beim Tragen geholfen hat.“ Jedenfalls habe er alles alsbald verkauft, um Dealerschulden zu begleichen und weitere Drogen zu erwerben.

Kamera aus dem Besitz der Städelschule

Und so habe er es im Mai 2018 auch mit der Kamera aus dem Besitz der Städelschule gehandhabt, die er des Nachts zusammen mit Tabak, Bluetooth-Kopfhörern und einer Tüte Milch aus der Küche einer Studenten-WG im Bahnhofsviertel entwendet hatte. In die war er eingestiegen, nachdem er im Hausflur Drogen genommen und dabei ein über ein Baugerüst leicht erreichbares offenes Küchenfenster erspäht hatte.

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Student Sascha R., von Geräuschen wachgeworden, sah nur noch einen Schatten. Dass bei ihm eingebrochen worden war, hätten er und seine Mitbewohnerin aber erst am nächsten Tag richtig begriffen, als sie die kaputte Haustür sahen und den Verlust der rund 4700 Euro teuren Kamerausrüstung bemerkten. „Das war schon gruselig, als wir das Puzzle zusammengesetzt hatten, aber ich bin jetzt nicht tieftraumatisiert“, sagt der 32-Jährige, der die Entschuldigung des Angeklagten entsprechend leicht akzeptieren kann. Im Gegensatz zu der Bewohnerin der ersten Wohnung, die sich wegen beträchtlicher psychischer Folgen der Tat per Attest von der Aussage vor Gericht hatte entschuldigen lassen

Am Ende verurteilt das Gericht Mahmoud C. zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten, in die eine bereits im März verhängte Freiheitsstrafe von einem Jahr für einen weiteren Fall räuberischen Diebstahls eingerechnet wird.

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