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Frankfurt: Ein Tag mit vielen offenen Türen

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Von: Florian Leclerc

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Zum Brückenwall zieht es zahlreiche Besucherinnen und Besucher in die Brückenstraße und die Wallstraße.
Zum Brückenwall zieht es zahlreiche Besucherinnen und Besucher in die Brückenstraße und die Wallstraße. © Rolf Oeser

Busse und Bahnen aus historischen Zeiten sehen, hitzeresistente Pflanzen im Botanischen Garten kennenlernen, Whiskyprobieren beim Brückenwall – ein facettenreiches Wochenende in Frankfurt.

Geschichte des Nahverkehrs beim Tag der Verkehrsgeschichte

Dana Vietta steht einigermaßen müde, aber auch glücklich in der Ausstellung im Eckenheimer Bahndepot nahe der Schwabstraße. Seit Monaten hat die VGF-Sprecherin mit ihrer Kollegin Juliane Herzog die Ausstellung „Unterwegs in Frankfurt: Damals, heute und morgen“ vorbereitet. Auf Paneelen wird die Geschichte des Nahverkehrs in Frankfurt erzählt. Die begann vor 150 Jahren. Am 19. Mai 1872 trabte die erste Pferdetram durch Frankfurt. Die Technik entwickelte sich rasant weiter. 1899 rollte die erste Elektrische durch die Stadt.

„Mit der Industrialisierung nahm die Zahl der Arbeitsplätze in der Stadt zu, die Menschen wollten nach zehn Stunden in der Fabrik möglichst schnell wieder nach Hause“, erzählt Vietta. Die Reichen konnten sich Kutschen leisten. Arbeiter nahmen die Tram.

Die Ausstellung im Eckenheimer Depot führt beim Tag der Verkehrsgeschichte durch 150 Jahre Nahverkehr in Frankfurt.
Die Ausstellung im Eckenheimer Depot führt beim Tag der Verkehrsgeschichte durch 150 Jahre Nahverkehr in Frankfurt. © Rolf Oeser

Im Krieg wurden viele Gebäude und Gleise zerstört. Danach setzte der Wiederaufbau ein. Von 1968 an verlagerte die Stadt den Nahverkehr teilweise unter die Erde. Ein Foto zeigt den riesigen Graben für die U-Bahn direkt vor Oper und Schauspiel am damaligen Theaterplatz. Während in den 1980er über die schienenfreie Innenstadt diskutiert wurde, steht heute Barrierefreiheit und die Zukunft des Nahverkehrs auf der Agenda. In der Ausstellung zu sehen ist das autonome Fahrzeug Easy Mile.

Die Ausstellung lief am Wochenende und wird von Donnerstag, 8. September, bis Freitag, 30. September erneut gezeigt. Führungen kann man unter www.hsf-ffm.de buchen. Der Katalog zur Ausstellung mit dem Titel „150 Jahre Trambahn in Frankfurt“ kostet 19,50 Euro.

Eidechsen suchen beim Tag der offenen Tür im Botanischen Garten

Beate Alberternst und Stefan Nawrath haben ihren Stand zu „Lebendigen Dächern“ gleich am Eingang des Botanischen Gartens nahe der Siesmayerstraße. Auf einem Dachmodell liegen Kieselsteine und ein Totenkopf. Auf dem zweiten wächst Sedum. Auf dem dritten Sedum, Berglauch sowie Ausdauernder Lein.

„Und, was gefällt ihnen besser?“, fragt Alberternst. „Das dritte Modell. Das sieht so biodivers aus“, sagt der Betrachter. „Das ist ja auch unser Biodiversitätsdach“, meint Alberternst. Auf Hochbeeten im Botanischen Garten sei schon ausprobiert worden, welche Pflanzen gut mit langanhaltender Hitze auskommen“, sagt Nawrath, und zeigt auf die Beete. Die sehen erstaunlich grün aus, wie überhaupt so vieles im Botanischen Garten. Anders als das verdorrte Gras im Grüneburgpark nebenan.

Im Botanischen Garten kann man beim Tag der offenen Tür Samen den jeweiligen Früchten zuordnen.
Im Botanischen Garten kann man beim Tag der offenen Tür Samen den jeweiligen Früchten zuordnen. © Rolf Oeser

„Es wird auch gegossen“, räumt Gärtner Michael Strehl ein. Er führt eine Gruppe auf der Suche nach Eidechsen zur Steppenheide. Die Pflanzen dort kämen gut mit der Dauerhitze zurecht, sagt er. Nur die Neupflanzungen habe er punktuell gegossen.

Schilder zeigen die Familie, die Gattung und die Art der Pflanzen an. In Latein, der wissenschaftlichen Weltsprache der Botaniker. Und auf Deutsch. „Aber in Deutschland haben verschiedene Regionen unterschiedliche Wörter für eine Pflanze, das führt nur zur Verwirrung“, sagt Strehl. Es sei nicht arrogant gemeint, wenn man den Namen auf Latein sage. Ist das Schild weiß, gibt es die Pflanze häufig. Ein rotes Schild heißt, sie ist gefährdet. Nun sei die Zeit, die Samen zu ernten. Und die würden unter Botanischen Gärten weltweit kostenfrei getauscht.

Für Eidechsen hat der Botanische Garten eigens eine Eidechsenburg gebaut. „Aber es wäre ein Wunder, wenn sich jetzt eine Zauneidechse blicken lassen würde“, sagt Michael Strehl. Tut sie auch nicht.

Ein lahmes Pferd retten beim Kinderfest im Holzhausenpark

Die Frankfurter Bürgerstiftung hat zum Kinderfest in den Holzhausenpark geladen – und zahlreich sind Eltern und Kinder gekommen. Schon in der Fürstenbergerstraße sind die Klänge aus dem Holzhausenschlösschen zu hören. Dort wird das Kindermusical Happy Horses aufgeführt. Es erzählt von Eduard, einem lahmen Schulpferd, das geschlachtet werden soll. Das will die elfjährige Lotte nicht zulassen und sucht einen neuen Stall. Auf der Reise treffen sie zahlreiche freundliche Gesellen, unter anderen Rudi, den lustigen Esel, Shila, die schlaue Katze, und Anna, die verwöhnte Stute. Viele Kinder sitzen am Teich und hören zu. Die Sängerin animiert die Kinder zum Mitmachen. Sie tanzen mit und miauen wie die schlaue Katze Shila.

Im Holzhausenpark können Kinder beim Fest Kisten zu einem Turm stapeln.
Im Holzhausenpark können Kinder beim Fest Kisten zu einem Turm stapeln. © Rolf Oeser

Die Musikerin Sabine Fischmann hat die Texte und die Musik geschrieben. Ali Neander, Gitarrist und einer der Gründer der Rodgau Monotones, hat die Musikstücke arrangiert. Kinder, die nicht beim Musical mitmachen und zuhören, spielen mit den Sachen, die das Spielmobil des Abenteuerspielplatzes Riederwald mitgebracht hat. Sie können auf Tennisbälle am Seil schlagen, im Korb eine Rutsche herabsausen und am Seil befestigt auf Kisten klettern und die Kisten zu einem Turm stapeln. Es wimmelt vor roten Luftballons, die es an einem Glücksrad zu gewinnen gibt.

„Schweinebraten“-Whisky probieren beim Brückenwall

Thomas Krauskopf steht in einem Laden umgebenen von Hunderten Whiskeyflaschen. Hunderte? „Im Weihnachtsgeschäft haben wir etwa 1500 verschiedene Abfüllungen“, sagt der Mitarbeiter von Whisky Spirits. Für die Besucherinnen und Besucher des Brückenwalls hat der Laden einen kleinen Probierstand aufgebaut, „one for the road“, wie es dort heißt. Im Laden führt ein schmaler Gang in ein Hinterzimmer mit Kronleuchter, Ledersesseln und Unmengen Ardbeg-Flaschen. Ardbeg ist eine Whiskydestillerie am Südufer der Insel Islay. Whisky Spirits ist Botschafter für die Destillerie. Auf dem Tisch steht aber eine andere Flasche. „Signatory Vintage, Speyside Single Malt Scotch Whisky“, 13 Jahre alt, aus einem großen Fass, abgefüllt in 606 Flaschen, 95 Euro, „nur kurz verfügbar“, sagt Krauskopf. Am Tisch sitzen noch Carsten, Wolfgang und ein Herr von der Senckenberg-Gesellschaft. Sie haben sich bereits zwei Zentiliter genehmigt.

Und, wie schmeckt’s? „Nach Schweinebraten“, sind sich die Herren einig. Und wieso? Da müsse man selbst probieren. Also schenkt Thomas Krauskopf die Probiermenge ins Glas. Man schwenkt, schnuppert und schaut auf die Bernsteinfarbe. Ein kleiner Schluck, den man so viele Sekunden im Mund lassen soll, wie der Whisky alt ist. Dann: eine würzige Note, vielleicht von Pfeffer, Beeren, Milde und Umami, also Fleischgeschmack. Deswegen Schweinebraten. „Es ist ein dreckiger Whisky“, räumt Krauskopf ein, nichts für Einsteigerinnen und Einsteiger. Das merke man auch an der Alkoholmenge, 64,1 Prozent.

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