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Julia Kuhn, Geschäftsführerin von „Belka“, in ihrem Laden. Foto: Christoph Boeckheler
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Julia Kuhn, Geschäftsführerin von „Belka“, in ihrem Laden.

Einzelhandel

Frankfurt: Ein Stück Russland in Niederrad

Das Geschäft „Belka“ im Frankfurter Stadtteil Niederrad verkauft Produkte vor allem für die russische Community. Von Norma Schneider.

An den Wänden hängen goldene Ikonen neben Putin-T-Shirts, in den Regalen stehen Packungen mit Buchweizen, gezuckerte Kondensmilch in Dosen und Knoblauchknollen in Einmachgläsern. Pelmeni, die russischen Teigtaschen mit Fleischfüllung, liegen in der Kühltruhe, daneben die süßen Siroki, Quark-riegel mit Schokoladenüberzug. Wodka und Kaviar gibt es natürlich auch.

„Belka“ ist ein kleines Stück Russland in Niederrad. Seit acht Jahren gibt es den kleinen Laden an der Haltestelle Gerauer Straße. Das Geschäft ist kaum größer als ein Wohnzimmer und bis unter die Decke vollgestopft mit Waren. „Viele Kunden sagen, dass man hier alles finden kann“, erzählt Geschäftsführerin Julia Kuhn. Man glaubt es ihr sofort. Und was sie noch nicht im Angebot hat, bemüht sie sich zu besorgen.

Außer Julia Kuhn steht auch ihre Mutter hinter der Theke. Die ganze Familie ist vor zwanzig Jahren aus Sibirien nach Deutschland gekommen. „Wir sind Russlanddeutsche, Spätaussiedler. Meine Oma war Deutsche“, erzählt Kuhn. Ihr erstes Geschäft eröffneten sie in Erfurt, wo die Familie zehn Jahre lang lebte. „Beim Umzug nach Frankfurt haben wir den Laden mitgebracht.“

Für viele Niederräder:innen mit russischen Wurzeln ist „Belka“ zu einer festen Anlaufstelle geworden. „Ich war überrascht, wie viele russischsprachige Menschen hier wohnen“, sagt Kuhn. Sie kommen nicht nur aus Russland, sondern auch aus den ehemaligen Mitgliedstaaten der Sowjetunion, von der Ukraine bis Kasachstan. Eine Kundin verabschiedet sich nach ihrem Einkauf fröhlich auf Litauisch.

Die Serie

Norma Schneider besucht das Fortbildungsprogramm Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität. Die Frankfurter Rundschau kooperiert mit der Buch- und Medienpraxis und stellt in einer Serie ausgewählte Texte der Studierenden vor.

Diese Vielfalt spiegelt sich auch im Angebot wider. Kuhn geht zum Getränkeregal und zeigt moldawischen Wein, Krimsekt und Granatapfelwein aus Aserbaidschan. Daneben steht eine Flasche mit Stalin-Porträt auf dem Etikett. „Das ist etwas komisch – aber dort ist das wohl erlaubt“, sagt Kuhn und lacht. Der Wein kommt aus Georgien, Stalins Geburtsland.

Viele Kund:innen sind nostalgisch und wünschen sich Produkte aus der Heimat. Deshalb stapeln sich neben den Lebensmitteln auch allerlei Haushaltswaren und Dekorationsartikel. Wer eine Banja, die russische Sauna, besuchen will, findet bei „Belka“ das passende Zubehör: Filzhüte und Birkenzweige, mit denen man sich beim Saunieren gegenseitig auf den Rücken schlägt, was belebend wirken soll.

Auch Geschirr gibt es bei „Belka“ reichlich – Teekannen mit traditioneller russischer Bemalung und Tassen mit Putin-Porträt. Die T-Shirts mit Putin verkaufen sich gut, vor allem an Männer. Ein Kunde erzählte Kuhn, dass er das T-Shirt im Fitnessstudio tragen will, um ein bisschen zu provozieren.

Nicht alle Kund:innen haben einen postsowjetischen Hintergrund. Manche kommen in den Laden, weil sie im Urlaub russisches Essen probiert haben und es nachkochen wollen. Kuhn berät sie gerne und hilft, die richtige Sorte Pelmeni auszusuchen. Manche lernen den Laden eher zufällig kennen, weil der Paketservice ihre Sendung dort hinterlegt hat – und kommen später zum Einkaufen wieder.

„Belka“ bedeutet Eichhörnchen. Die Tiere sind in der russischen Kultur sehr präsent, sie kommen in Sprichwörtern und klassischen Märchen vor. Auch auf einer beliebten Pralinensorte ist ein Eichhörnchen abgebildet. „Belka – das ist einfach typisch russisch, wie eine Matrjoschka!“, sagt Kuhn lachend. Die bunten Puppen-in-der-Puppe hat sie natürlich auch im Angebot.

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