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Frankfurt: Ein Stadtteil in Feierlaune

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Von: Sabine Schramek

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Live-Musik beim Zehntscheunenfest in Praunheim.
Live-Musik beim Zehntscheunenfest in Praunheim. © Rainer Rüffer

Das Zehntscheunenfest in Praunheim war wieder eine große Party mit fast familiärem Charakter

Drei Tage lang wurde in Praunheim gelacht, gefeiert, gegessen und getrunken. Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause schien es, als sei der gesamte Ortsteil gekommen, um beim 36. Zehntscheunenfest alte Freunde und Bekannte wiederzusehen. Und das bei strahlendem Sonnenschein. Am Freitag sehr gut besucht, am Samstag und Sonntag eher entspannt, mit deutlich weniger Gästen als zu den Hochzeiten des Stadtteilfests.

Selbstgebackener Kuchen in rauen Mengen, der Drehorgelmann, ein Duftgemisch, das es nur geben kann, wenn gebratene Nudeln aus dem Wok neben Rehfrikadellen, Schweinenackenbraten, Crêpes und Flammkuchen brutzeln, Rockmusik, Jazz und ein kugelrunder Mond über der Zehntscheune ist das, was Praunheimer glücklich macht. Wenn dazu noch Apfelwein, Cocktails, Softdrinks und Mispelchen fließen, ist die Stimmung perfekt. „Wir sind so froh, dass wir wieder da sind mit dem Fest“, sagt Harald Berg, der 2. Vorsitzende des Bürgervereins strahlend. „Es gibt kaum etwas Besseres, um die Gemeinschaft zwischen Jung und Alt zu fördern. Auch darum hat das Fest einen fast familiären Charakter.“ Er grinst und zeigt auf die vielen völlig entspannten Leute, die es sich einfach gut gehen und sich treiben lassen. „Man trifft sich hier beim Fest unter Freunden und Bekannten“, sagt Berg nicht ohne Stolz.

Anstoßen, babbeln und Musik hören. Niemand, der zu Besuch ist, ahnt, wie viel Arbeit in dieser Gemütlichkeit steckt, die komplett von Ehrenamtlichen geleistet wird. Von Vereinen, Nachbarn, Familien und von den Bewohner:innen der Flüchtlingsunterkunft Alt-Praunheim 2. „Ohne sie hätten wir das nie so gestemmt“, stimmt Werner Wagner zu und nickt. Der frühere Berufsfeuerwehrmann schwärmt von den „jungen, dynamischen und kräftigen Leuten, die „so tatkräftig mitanpacken“. Er grinst seinen Kollegen Dirk an und prostet ihm zu. „Lust auf eine Zehntscheunen-Bratwurst?“

An zehn Ständen dampft und brutzelt es. Auf der Bühne spielt die Band Mighty Blue „Come Together“ von den Beatles. Ein bisschen blau sind schon einige, man liegt sich freudig in den Armen, wippt, tanzt und singt mit. Die Zeit scheint still zu stehen – wie die Uhr an der Auferstehungskirche, deren Zeiger auf 10 Uhr oder 22 Uhr verharren.

„Hier ist es so toll, von mir aus kann die Zeit ewig so weitergehen“, findet Monika Ehlers aus Hamburg, die Freunde in Praunheim besucht. „Alle sind so nett und gut gelaunt. Das kennt man ja kaum mehr.“ Zufrieden ist auch ein Polizist, der gerade eine Runde über den Platz voller Kinder, Jugendlicher und Erwachsene gemacht hat. „Es ist absolut friedlich hier“, erzählt er. „Das Fest ist wunderschön, alle Besucher sind happy und es macht Spaß zu sehen, was Ehrenamt alles bewirken kann.“ Einige Wermutstropfen hat Klaus Weisser vom Allgemeinen Rettungsverband zu berichten. „Es gab bisher sechs Wespenstiche und ein paar kleine Schürfwunden. Wespenstiche wird es heute Abend sicher noch mehr geben, vor allem hinten an der Getränkebar“, ist er sicher.

Am Sonntag lockten der Gottesdienst zum Zehntscheunenfest und der Jazzfrühschoppen mit der Hengstbach Jazz Crew. Nachmittags gibt es zum dritten und letzten Mal in diesem Jahr zum Traditionsfest die große Kaffee- und Kuchentafel. Alles ist selbst gebacken von Vereinsmitgliedern und Nachbarn. „Der Kuchen ist unglaublich lecker und kommt bei Jung und Alt richtig gut an“, sagt Harald Berg. Ans Abbauen will er noch gar nicht denken. „Das wird noch einmal richtig viel Arbeit für uns alle. Dafür haben wir dann aber die Vorfreude auf das nächste Jahr.“

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