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Kein Versteckspiel mehr: Flüchtling Abdel Karim im neuen Standort von „La Villa“. Peter Jülich
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Kein Versteckspiel mehr: Flüchtling Abdel Karim im neuen Standort von „La Villa“.

Flüchtlingspolitik

Frankfurt: Ein sicherer Ort für queere Flüchtlinge

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Die Unterkunft „La Villa“ für Geflüchtete aus der LBGTIQ-Community bekommt einen neuen Standort in Frankfurt. Dort gibt es mehr Plätze – und damit für mehr Menschen einen sicheren Ort.

Abdel Karim hat einen weiten Weg hinter sich, im direkten wie im übertragenen Sinn. In seinem Heimatland Algerien musste der 34-Jährige jahrelang „den Hetero spielen“, wie er das ausdrückt, und seine wahre Identität verbergen. Undenkbar sei es gewesen, sich als schwuler Mann zu outen, erzählt er, sein wahres Ich habe er nur im Verborgenen gelebt. Umso glücklicher sei er, jetzt in Frankfurt zu sein. „Ich muss niemandem was vormachen, wer ich bin“, sagt Abdel Karim.

Es sind Menschen wie der 34-Jährige, für die bald ein neues Zuhause in Frankfurt entstehen soll. Die Unterkunft „La Villa“ für geflüchtete Menschen, die homosexuell, bisexuell oder trans sind, gibt es schon seit April 2018, bisher war sie in einem ehemaligen Firmengebäude in einem Gewerbegebiet untergebracht. Noch vor Weihnachten sollen die 21 Flüchtlinge aus der LGBTIQ-Community in ein leerstehendes, etwas in die Jahre gekommenes Hotel in der Innenstadt ziehen. Der neue Standort bietet einige Verbesserungen: Auf fünf Etagen gibt es vor allem Einzelzimmer, die auch ein eigenes Badezimmer bieten. Und es wird in Zukunft 31 der begehrten Plätze geben.

Für Abdel Karim war „La Villa“ ein Glücksgriff. Auch in der Sammelunterkunft für Geflüchtete, in der er nach langer Reise über die Balkanroute ab Februar 2019 untergebracht wurde, habe er sich niemandem anvertrauen können, sagt er, auch seinen Landsleuten nicht. „Ich hatte da immer noch Angst, mich zu outen.“ Doch seit er im „Safe House“ wohne, an einem sicheren Ort, bekomme er Hilfe, Beratung und Unterstützung. Er habe gute ärztliche Versorgung erhalten und mache inzwischen eine Ausbildung zum Altenpflegehelfer, erzählt Abdel Karim.

Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne), die die Einrichtung an diesem Montag einigen Journalist:innen vorstellt, ist stolz auf den neuen Standort. „Queeres Leben gehört in die Stadt“, sagt Voitl. „Frankfurt ist ein sicherer Hafen, das wollen wir leben, und das wollen wir auch ausbauen in den nächsten Jahren.“ Queere Geflüchtete seien eine besonders schutzbedürftige Gruppe, so Voitl. Viele hätten Ausgrenzung und Gewalt in der eigenen Familie erfahren, viele seien traumatisiert. Drei Viertel aller Menschen, die in Deutschland Asyl suchten, kämen aus Ländern, in denen Homosexualität unter Strafe stehe. Daher sei ein sicherer Ort wichtig, wo die Menschen zur Ruhe kommen und sich in Deutschland orientieren könnten. Die Frankfurter Aids-Hilfe und der Verein „Rainbow Refugees“, die die Menschen in der „Villa“ betreuen, böten dafür Begleitung, Beratung und vor allem Gespräche.

Vertrauensvolle Gespräche seien das Wichtigste für die queeren Geflüchteten, sagt auch Herbert Drexler von der Aids-Hilfe. Wenn die Bewohner:innen von „La Villa“ sich erst einmal sicher fühlten, fänden die meisten von ihnen ihren Weg – auch in eine Arbeit und eine eigene Wohnung.

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