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Frankfurt: Ein Platz für Marcel Reich-Ranicki

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Von: Judith Dietermann

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Der Ortsbeirat hat sich für eine Ehrung des Literaturkritikers ausgesprochen.

Namenlos ist der Platz vor dem Haus Dornbusch. Er ist eben einfach der Platz vor dem Haus Dornbusch. Das sollte sich ändern. Finden zumindest die Grünen im Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) und schlugen nun vor, das Areal, für dessen Umgestaltung das Stadtteilgremium seit mehr als zehn Jahren kämpft, doch nach dem am 18. September 2013 gestorbenen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki zu benennen. Von 1974 bis zu seinem Tod lebte er mit seiner Frau in der Gustav-Freytag-Straße, seit 2016 steht im Vorgarten auf Initiative des Ortsbeirates eine Erinnerungstafel.

Etwas verwundert zeigte sich Inge Cromm, Fraktionsvorsitzende der CDU, über den Antrag. So hätten die Grünen doch erst im vergangenen Jahr angeregt, dass Frauennamen bei der Benennung von Straßen, Plätzen, Schulen und Parks künftig so lange in die städtische Vorschlagsliste aufgenommen werden sollen, bis diese 50 Prozent ausmachten. Mehrheitlich hatte der Ortsbeirat diesen Antrag auch verabschiedet. „Da ist es doch eher schlecht, einem Platz einen Männernamen geben zu wollen“, sagte sie. Darüber könnte Ingrid Häußler (FDP) hinwegsehen. „Aufgrund seiner Verdienste wäre das schon okay“, meinte sie.

Lothar Stapf (CDU) hatte da ganz andere Sorgen. Marcel-Reich-Ranicki-Platz sei ein deutlich zu langer Name. „Dieser Name passt auf kein Formular. Vielleicht sollte man den Vornamen einfach weglassen“, schlug er derweil vor. Früher hätte es so etwas auch nicht gegeben, da seien Straßen stets nur mit den Nachnamen der jeweiligen Persönlichkeit benannt worden. Sein Fraktionskollege Christoph Heidenreich gab zu bedenken, dass es solch einen Antrag schon mal gegeben habe, die Reich-Ranicki- Familie solch einer Benennung aber nicht zugestimmt habe. „Sie hatten sich wohl etwas Größeres vorgestellt als den Platz vorm Haus Dornbusch“, erinnerte er.

Argumente, die Angela Rühle, Fraktionsvorsitzende der Grünen, teilweise überzeugten. „Wir können den Vornamen gerne weglassen und uns auf Reich-Ranicki-Platz einigen. Dann fällt auch nicht mehr so auf, dass es ein Männername ist“, sagte sie. Das brachte ihr nicht nur ein Schmunzeln, sondern auch die Unterstützung der Ortsbeiratsmitglieder ein. Letztlich wurde der Antrag der Grünen einstimmig verabschiedet.

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