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So soll die Jüdische Akademie auf dem Bildungscampus in Frankfurt einmal aussehen.
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So soll die Jüdische Akademie auf dem Bildungscampus in Frankfurt einmal aussehen.

Bildung

Frankfurt: Ein Ort für jüdisches Denken

  • Christoph Manus
    VonChristoph Manus
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Mit einem Festakt hat in Frankfurt der Bau einer Jüdischen Akademie begonnen. Auf dem Kulturcampus soll ein Ort für Debatten entstehen, weit über die Jüdische Gemeinde hinaus.

An der Senckenberganlage in Frankfurt hat am Donnerstag etwa acht Jahre nach der ersten Idee mit einem symbolischen Spatenstich der Bau der Jüdischen Akademie begonnen. Die Bildungseinrichtung, die der Zentralrat der Juden in Deutschland nach Plänen des Architekten Zvonko Turkali errichtet, entsteht am Rande des Kulturcampus, zu dem sich das alte Gelände der Goethe-Uni in Bockenheim entwickeln soll. Die Akademie soll teils in einer früheren Professoren-Villa, teils in einem Neubau Platz finden, der über ein pavillonartiges Gebäude mit dieser Villa verbunden wird.

Im Neubau sollen, wie Turkali bei einem Festakt erläuterte, ein bis zu 5,50 hoher großer Veranstaltungssaal, Multifunktions- und Seminarräume sowie ein Speisesaal unterkommen. Eine Dachterrasse entsteht. Die neoklassizistische Villa soll saniert und so hergerichtet werden, dass sie Platz für ein Café, Besprechungsräume, die Akademieverwaltung und eine kleine Bibliothek bietet. Die Fertigstellung ist für Ende 2023 geplant.

Die Jüdische Akademie soll im Jahr 2024 ihren Betrieb mit Seminaren und Veranstaltungen aufnehmen. Das Haus leiten werden Sabena Donath und Doron Kiesel, die als Leiter:innen der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden dessen inhaltliches Konzept entwickelt haben. Die Kosten von 34,5 Millionen Euro tragen der Bund, das Land Hessen, die Stadt Frankfurt und der Zentralrat gemeinsam.

Die Frankfurter Akademie soll an die Tradition des Freien Jüdischen Lehrhauses anknüpfen

Die Akademie werde den Blick der Mehrheitsgesellschaft um die jüdische Perspektive bereichern, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster bei der Feierstunde vor etwa 100 geladenen Gästen. „Wir wollen einen modernen Ort jüdischen Denkens schaffen, einen Ort, der Denktraditionen des Judentums mitnimmt ins 21. Jahrhundert“, kündigte er an. Anknüpfen werde man dabei an das jüdische Erbe Frankfurts, insbesondere an die Arbeit des 1920 von Franz Rosenzweig gegründeten Freien Jüdischen Lehrhauses, zu dessen Dozentinnen und Dozenten etwa Martin Buber, Bertha Pappenheim und Siegfried Kracauer zählten. „Dieser Ort wurde mit der Welt, die er repräsentierte, von den Nazis zerstört“, sagte Schuster. „Die neue Akademie soll nie schließen müssen.“

Schuster beschrieb die Einrichtung als einen Ort für religiöse und interreligiöse Debatten, für Gespräche über die jüdische Kultur und über Kulturpolitik. Diese Diskussionen sollten reichen von jüdischer Philosophie und Ethik bis zu moderner isrealischer Literatur und zum Film. Dabei gehe es auch um den Austausch mit der nicht-jüdischen Umgebung. „Wir möchten die Fenster aufstoßen für den Dialog mit Christen und Muslimen“, sagte der Zentralratspräsident. Die Akademie werde gesellschaftliche Entwicklungen im Blick behalten, den Finger in die Wunden legen und zu Missständen nicht schweigen.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sieht einen Kontrapunkt gegen Antisemitismus

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sprach vor dem Spatenstich von einem „Tag der Freude“. Der Bau der Akademie setze nicht zuletzt einen Kontrapunkt gegen Antisemitismus, aber auch Gleichgültigkeit. Markus Kerber, Staatssekretär im Bundesinnenministerium, zeigte sich sicher, dass die Akademie ein Ort der Neugier und des Dialogs werde. Die Einrichtung werde zudem dazu beitragen, jüdisches Leben wieder mehr im Stadtbild zu zeigen.

Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) erinnerte daran, wie stark jüdisches Leben die Identität der Stadt prägte und prägt. Frankfurt sei sicherlich die jüdischste Stadt Deutschlands. Schon deshalb habe es keinen besseren Ort für die Akademie gegeben. Er sei sich sicher, dass diese zu einem Mittelpunkt werde, der weit über die jüdische Gemeinde hinauswirken werde.

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