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Unter anderem steht die Welle für das Meer, die Berge in Kanada.
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Unter anderem steht die Welle für das Meer, die Berge in Kanada.

Frankfurter Buchmesse

Frankfurt: Ein Kurzbesuch in Kanadas Literaturwelt

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Der Gastpavillon des diesjährigen Ehrenlandes der Buchmesse beeindruckt vor allem optisch. Inhaltlich erfahren die Menschen wenig über die kanadischen Autor:innen.

Eine Welle, auf der Buchstaben schwimmen: Sie symbolisiert einmal das Wasser, das Meer, aber eben aber auch das Buch, wenn es aus der Druckerei quillt. So ungefähr erklärt es Kreativdirektor Gonzalo Soldi. Auch Berge und den weiten Horizont gibt es zu entdecken. Im Pavillon des Ehrengastlandes Kanada der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. „Es ist ein klein bisschen so, als wäre man in Kanada, alle unsere vielfältigen Landschaften sind vertreten“, sagt Isabelle Mondou, die stellvertretende Ministerin für kanadisches Erbe, und lacht. Sie läuft wenige Stunden vor der offiziellen Eröffnungsfeier am Dienstag durch den Pavillon.

Dieser ist optisch nicht nur wegen der künstlerisch nachgebauten Landschaften ein Hingucker: Um sie herum im abgedunkelten Raum stellen sich kanadische Autor:innen in ihren Muttersprachen auf Englisch oder Französisch vor. Also sie sind nicht real hier, sondern gehen auf Videowänden als Projektionen auf die Gäste zu und stellen sich selbst und ihr Buch kurz vor, drehen sich um und verschwinden in der Dunkelheit. Das ist schon sehr gut gemacht. Auf ein paar Bildschirmen sind Interviews mit Autor:innen zu sehen. Aber wer den Hintergrund zu ihnen nicht kennt, ist etwas verloren.

Wer mehr über sie oder ihr Werk wissen will, muss sie dann doch googeln oder hoffen, dass, wenn die QR-Codes am Abend freigeschaltet worden sind, man mehr Infos bekommt. Vielleicht gibt es dann auch die Übersetzung ihrer Worte ins Deutsche und auch ein paar spannende Hintergründe zu dem Land selbst. „Uns war wichtig, dass die Deutschen auch kanadische Autoren kennenlernen, die sie vorher nicht kannten und die eben auch wie unsere Landschaft sehr vielfältig sind. Dafür haben wir für die Buchmesse 350 Bücher auf Deutsch übersetzen lassen“, erzählt Mondou. 58 Autor:innen sind bei der Buchmesse und also auch im Pavillon vertreten. Davon sind aber nur acht nach Frankfurt gereist.

Hat denn Mondou eine Empfehlung? Sie sagt, die Geschichte der Autorin Kim Thúy sei spannend. „Sie ist 1978 als Zehnjährige mit ihrer Familie als ‚boat people‘ von Vietnam nach Kanada geflohen.“

Thúy arbeitete als Dolmetscherin und Rechtsanwältin, als Gastronomin und auch als Kritikerin und Moderatorin für Radio und Fernsehen. 2010 wurde sie mit ihrem in zahlreiche Sprachen übersetzten Überraschungserfolg „Der Klang der Fremde“ („Ru“ im französischen Original) als Autorin bekannt. Ru – der Titel bedeutet im Vietnamesischen „Wiegenlied“ und im Französischen „Bächlein“.

In diesem autobiografischen Werk schildert sie ihre Erlebnisse als Kind einer wohlhabenden Familie in Vietnam, die Vertreibung und Flucht, das Grauen in einem malaysischen Flüchtlingslager und schließlich ihre Ankunft im Wunderland Kanada, das dann aber nicht so wunderbar ist. Aktuell hat sie auch ein Kochbuch geschrieben, das die vietnamesische Küche in ihren Grundlagen erklärt und das in Frankfurter Restaurants zur Buchmesse nachgekocht wird.

Die bekannteste Autorin des Landes, Margaret Atwood, wird zum Eröffnungsfestakt am Abend nur virtuell zugeschaltet.

Nach Frankfurt gereist ist hingegen Vivek Shraya. Sie bezeichnet sich selbst als Transgender und ist in Kanada schon lange bekannt. Die 40-Jährige ist Autorin, aber auch Musikerin und Performerin. Im Pavillon spricht sie im blauen Kleid und ihrer langen blonden Mähne auf Englisch. Sie erzählt, wie sie ihr Leben lang Opfer von Gewalt und Aggression war: weil sie zu weiblich für einen Mann, aber auch nicht feminin genug für eine Frau war. Und wie sehr sie mit ihrem eigenen Körper kämpfte. Ihr Bestseller-roman „I’m afraid of men“ aus dem Jahr 2018 ist bislang noch nicht ins Deutsche übersetzt worden. Sie selbst unterrichtet Kreatives Schreiben an der University of Calgary.

Auch indigene Stimmen aus Kandada trifft man im Buchmesse-Pavillon an: Michel Jean aus Québec ist Nachrichtensprecher, Autor und Investigativjournalist. Er schreibt auf Französisch über die Geschichte seiner Familie, die dem Volk der Innu angehört. Sein Roman Kukum (2019), ist ein Angedenken an seine Urgroßmutter und war 2020 mit 95 000 Exemplaren Auflage der am zweitbesten verkaufte Roman in Québec.

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