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Frankfurt: Ein Kunstwerk per Post

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Scheffler schreibt seine Briefe am liebsten am Schreibtisch. Foto: Museum für Kommunikation
Scheffler schreibt seine Briefe am liebsten am Schreibtisch. © Museum für Kommunikation

Museum für Kommunikation zeigt bemalte Umschläge des Grüffelo-Zeichners Axel Scheffler

Die Briefmarke bildet den Kopf eines beeindruckend brüllenden Säbelzahntigers ab. Die Schwarz-Weiß-Zeichnung wirkt erhaben, der Tiger mächtig und wütend. Betrachtet man jedoch den Umschlag, den die Marke ziert, wird klar, dass der Tiger nicht brüllt, um seine Zähne zu zeigen, sondern vor Schmerz – weil ihm ein Hase in den Schwanz beißt. Der Tiger erhält einen Körper und ein Ärgernis und der Umschlag einen neuen, künstlerischen Wert.

Gezeichnet wurde der humorvolle Brief von Axel Scheffler, dem Illustrator von mehr als 100 Kinder- und Jugendbüchern wie „Die Schnecke und der Buckelwal“ und dem Welterfolg „Der Grüffelo“. Das Buch von Julia Donaldson wurde in 105 Sprachen übersetzt und ist Schefflers bekanntestes Werk. Um den Grüffelo dreht sich die Ausstellung „Von Monstern, Mäusen und Menschen. Axel Schefflers fantastische Briefbilder“ im Frankfurter Museum für Kommunikation jedoch nicht. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Briefumschläge, die der Hamburger Illustrator gestaltet hat. Jeder der 350 Umschläge ist einzigartig und zugleich in Schefflers prägnantem Stil verziert. Neben Hase und Tiger sind die namensgebenden Monster wie Drachen und Echsen, Meermänner, mehr Tiere und einige Menschen die Protagonisten seiner Briefkunst.

Manche Umschläge scheinen in Zeichenart und Figurenauswahl dem „Grüffelo“ entsprungen, andere offenbaren Facetten von Schefflers Schaffen, die in seinen Büchern selten Raum finden. „Jeder Umschlag ist eine eigene kleine Welt“, sagt Kuratorin Nina Voborsky. Die besondere Herausforderung stelle das begrenzte Format der Briefe sowohl für Scheffler als auch für die Konzeption der Ausstellung dar. Um die DIN-A-5-Motive gut betrachten zu können, werden die Briefe an der Wand und in der Mitte des Raumes chronologisch präsentiert. Zudem gibt es eine wandfüllende Collage, auf der die Figuren aus den Umschlägen zusammenkommen.

Die Ausstellung

„Von Monstern, Mäusen und Menschen. Axel Schefflers fantastische Briefbilder“ kann vom 12. März bis zum 25. Juli im Frankfurter Museum für Kommunikation, Schaumainkai 53, besucht werden.

Für Kinder und Jugendliche gibt es eine Leseecke und die Möglichkeit, eigene Briefumschläge zu gestalten und Briefe zu verfassen. Am Sonntag wird es eine Lesung und gemeinsames Zeichnen mit Axel Scheffler geben. Eine Anmeldung ist nötig.

Im Museum gilt die 3G-Regel.

Alle Infos: www.mfk-frankfurt.de

Voborsky weist auf dunkle Flecken auf dem Gesicht einer Figur hin. Das sei kein Druckfehler, sondern ein Stempel der Post. „Stempel, Regenflecken und Knicke gehören zu den Kunstwerken und prägen diese“, sagt sie. Es sei sehr schwer gewesen, aus den mehr als 1000 Briefen, die dem Museum zur Verfügung standen, eine Auswahl zu treffen. „Axel Scheffler schreibt vier bis fünf Briefe pro Woche“, berichtet Jakob Hoffmann, verantwortlich für „Stories und Strips“ der Schau. „Insgesamt bewegen wir uns eher im fünfstelligen Tausenderbereich.“ Das Museum zeigt Briefe von Anfang der 80er Jahre bis Februar 2022. Nachdem Scheffler 1982 für sein Studium von Hamburg nach England zog und dort blieb, gab es vermehrt Anlass für schriftliche Kommunikation. Scheffler pflegte nicht nur Korrespondenzen mit Freund:innen und Familie, sondern zeichnete auch liebevolle Umschläge für Illustrator:innen, Buchhändler:innen und Menschen aus der Verlagsbranche.

„Die Frankfurter Illustratorin und Autorin Anke Kuhl bekam beispielsweise stets gruselige Wesen oder düstere Motive, weil sie diese Kunst schätzt“, erzählt Hoffmann. Mit den Umschlägen will Scheffler vor allem den Empfänger:innen eine Freude bereiten, aber auch den festen Regeln der Branche entfliehen. „Auf den Umschlägen kann ich einfach machen, was ich will“, erklärt er im Gespräch mit Hoffmann.

Die Briefmarken spielen eine große Rolle, sagt Hoffmann, da der Künstler die Motive gerne aufgreift oder weiterzeichnet. „Ich habe zu Hause eine Keksdose mit Briefmarken aus den letzten 20 bis 30 Jahren“, sagt Scheffler.

Aber nicht nur Marken und Vorlieben der Empfänger:innen, sondern auch das aktuelle Zeitgeschehen findet Raum in seiner Kunst. Auf einem Umschlag sitzt ein Eisbär auf einem winzigen Stück Eis, umgeben vom Meer, auf einem anderen schaut Scheffler kritisch auf den Brexit – ironische Shakespeare-Briefmarke inklusive. Zu Putins Krieg in der Ukraine schickte Scheffler einen Umschlag an das Frankfurter Museum (die FR berichtete). Dieser wird am Freitag Abend während der Ausstellungseröffnung versteigert. Die Erlöse gehen an eine Hilfsorganisation, die Betroffene des Krieges unterstützt. „Wir können und wollen das Weltgeschehen nicht ausblenden“, kommentiert Voborsky.

Wenn Hoffmann wählen müsste, wäre der Umschlag mit Säbelzahntiger und Hase sein Favorit. „Hier kommen Schefflers britischer Humor und nordische Unterkühltheit perfekt zusammen.“

Die Frankfurter Illustratorin Kuhl ist eine Freundin Schefflers. Foto: Museum für Kommunikation
Die Frankfurter Illustratorin Kuhl ist eine Freundin Schefflers. © Museum für Kommunikation

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