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Emanuel Austin ist in Tansania ein Popstar. Foto: Renate Hoyer
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Emanuel Austin ist in Tansania ein Popstar.

Porträt

Ein Herz für Tansania

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Musiker und Tänzer Emanuel Austin wird im neuen Jahr als Botschafter für die Organisation Streetkids in seinem Heimatland Projekte organisieren.

Emanuel Austin musste zweimal hinhören. Ein Kinderhilfsprojekt. Und dann noch in Tansania. „Ich konnte es kaum glauben“, sagt der Tanzlehrer der Tanzschule Weiss in Offenbach. Bei Radio Frankfurt lief ein Werbespot von der Frankfurter Hilfsorganisation Streetkids International, die sich seit 20 Jahren im ostafrikanischen Land engagiert. Austin, der mit fünf Jahren aus Tansania nach Deutschland kam, informierte sich sofort über das Projekt und schrieb die Macher:innen von Streetkids an. Kurz darauf traf sich der 30-Jährige mit Gründer Daniel Preuß und seit kurzem ist Austin der erste Botschafter des Hilfsprojekts.

„Ich hatte immer schon selbst vorgehabt, so etwas zu starten“, sagt Austin. „Das ist eine absolute Herzensangelegenheit für mich.“ In Tansania ist Emanuel Austin ein Popstar, der sich mit Rap und Afropop einen Namen gemacht hat. Zudem hat sich der Choreograph, Musiker und Tänzer für verschiedene wohltätige Zwecke eingesetzt. Aufgewachsen ist der in Daressalam geborene Austin in Remscheid. Danach zog er mit seinem Onkel, der ihn damals nach Deutschland geholt hat und wie ein Vater für ihn ist, und seiner Adoptivmutter nach Groß-Krotzenburg. Mit 19 kam er nach Offenbach, um in der Tanzschule Weiss seine Ausbildung als Tanzlehrer zu machen. Dort traf er auch seine heutige Lebensgefährtin Larissa Bertsch, die seit vier Jahren Inhaberin der Tanzschule ist.

„Innerlich habe ich immer den Kontakt zu meinen Wurzeln gesucht“, sagt Austin. Seine Muttersprache Kiswahili hat er nur mit seinem Onkel und seiner Cousine gesprochen, auch ansonsten hat er in Deutschland nur sechs, sieben Tansanianer:innen kennengelernt. Vor fünf Jahren begann er E-Mails an Fernseh- und Radiostationen in Tansania zu schicken, wo er sich und seine Songs vorstellte. Auf die rund 300 E-Mails kamen vier Antworten und so begann er sich Schritt für Schritt und mit Beharrlichkeit seine Musikkarriere in seinem Heimatland aufzubauen.

Streetkids

Streetkids International wurde 1999 in Frankfurt gegründet und engagiert sich ausschließlich in Tansania. In dem ostafrikanischen Land sind auf dem Areal in Mwandege, in der Nähe von Daressalam, rund 80 Kinder und 20 Betreuer:innen in Waisenhäusern untergebracht. Weitere Informationen unter www.helfensie.de im Internet.

Das Spendenkonto lautet: Streetkids International e. V. IBAN: DE81 6728 0051 0541 4015 00 BIC: DRESDEFF672

„Ich habe das nicht gemacht, um berühmt zu werden, sondern meinen Verwandten zu zeigen, dass man etwas erreichen kann“, sagt Austin. Die glaubten, dass der Wohlstand in Deutschland von alleine komme. Dieses Vorurteil hat er ausgeräumt, indem er Verwandte nach Offenbach eingeladen hat, um zu zeigen, dass es sehr viel Arbeit bedarf, eine Tanzschule zu führen.

„In Tansania war ich drei Jahre sehr präsent in den TV-Shows, habe viele Interviews gegeben.“ Auf Instagram folgen ihm rund 180 000 Menschen und er hat kürzlich mit dem afrikanischen Superstar Ben Pol einen neuen Song veröffentlicht. Austin hat in Frankfurt gedreht, Pol in Tansania und der Produzent war im Libanon. Anders ging es in Zeiten der Coronavirus-Pandemie nicht.

Kreativität ist für Austin, der schon mit Künstlern wie Xavier Naidoo oder Vanessa Mai zusammengearbeitet hat, die leichteste Übung. Auch in der Tanzschule müssen er und Bertsch neue Wege gehen. So werden den Mitgliedern mehrstündige Livestreams angeboten. Dazu gibt es weiterhin Präsenz-unterricht für Paare, das ist weiterhin erlaubt. Trotzdem spürt die Tanzschule natürlich die Auswirkungen von Corona. Von einstmals 1400 Mitgliedern sind nur noch knapp 1000 übriggeblieben. „Wir hatten so viele Ideen, um die Tanzschule voranzubringen. Wir wollten mehr auf Meisterschaften gehen“, erzählt Austin, der auch für verschiedene Marken modelt. Das muss jetzt warten.

Eine Idee für ein Projekt für Streetkids hat das Multitalent auch schon: Eine Koch- und Tanzshow zusammen mit dem Birtan Kochclub, der wie die Tanzschule Weiss in der Hassia-Fabrik in Offenbach ist. Austin will den Kindern den angolanischen Tanz Kizomba beibringen, während nebenbei gekocht wird. Beim Livestream soll dann Geld für die verschiedenen Projekte der Hilfsorganisation gesammelt werden. „Tansania ist ein sehr freundliches Land, aber es gibt immer noch sehr viel Armut“, sagt Austin.

Der Ansatz von Streetkids ist es, die Kinder aufzufangen, die durch das Sozialsystem rutschen und auch nicht von der Großfamilie aufgefangen werden. „Wir geben Waisenkindern Unterkunft, Verpflegung, Schule und medizinischen Support“, berichtet Daniel Preuß. In den vergangenen Jahren wurde so rund 2000 Kindern ein Schulabschluss ermöglicht. In erster Linie geht es um Hilfe zur Selbsthilfe. „Es bringt nichts, einmal 30 oder 40 Euro zu geben. Das ist in wenigen Wochen aufgebraucht“, sagt Austin. Es gehe darum, Kinder zu fördern, ihnen ein Bereich zu zeigen, indem sie gut sind und ihnen eine Perspektive zu geben. Und vielleicht wird es für einige dank ihm das Tanzen sein.

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