Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ecke Kettenhofweg/Niedenau: Hier wurde vor 25 Jahren Blanka Zmigrod ermordet.
+
Ecke Kettenhofweg/Niedenau: Hier wurde vor 25 Jahren Blanka Zmigrod ermordet.

Erinnerungskultur

Ein Gedenkort für Blanka Zmigrod

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
    schließen

Im Februar 1992 wird die Auschwitz-Überlebende Blanka Zmigrod von einem Neonazi in Frankfurt erschossen. Ein junger Frankfurter fordert mit einer Online-Petition ein Denkmal für die ermordete Jüdin.

Wenn Ruben Gerczikow im Westend spazierengeht, wird er häufig nachdenklich. Wenn der 24-jährige Frankfurter in der Nähe der Alten Oper durch den belebten Kettenhofweg läuft, fragt er sich, wie viele der Passant:innen überhaupt wissen, dass hier vor fast 29 Jahren ein entsetzliches Verbrechen geschehen ist. Und warum es überhaupt keinen Hinweis gibt, keine Gedenktafel, nichts, was daran erinnert.

Am 23. Februar 1992 wurde die 68-jährige Auschwitz-Überlebende Blanka Zmigrod an der Ecke des Kettenhofwegs zur Straße Niedenau erschossen. Zmigrod, 1924 als Jüdin in Oberschlesien geboren, hatte mehrere Konzentrationslager überlebt und war nach 1945 zunächst nach Israel ausgewandert. Doch 1960 war sie nach Deutschland zurückgekehrt, hatte in Frankfurt eine neue Heimat gefunden und arbeitete seit 1991 an der Garderobe des edlen Restaurants „Möwenpick“ direkt am Opernplatz.

Der Mord an Zmigrod blieb lange unaufgeklärt. Erst im Februar 2018 verurteilte das Frankfurter Landgericht den schwedischen Neonazi John Ausonius wegen der Tat zu lebenslanger Haft. Ausonius, Jahrgang 1953, hatte in Schweden 1991 und 1992 elf Anschläge auf Menschen mit Migrationsgeschichte verübt und dabei den jungen Iraner Jimmy Ranjbar ermordet. Weil er für seine rassistischen Taten eine Laser-Zielvorrichtung benutzt hatte, gab die schwedische Presse ihm den Spitznamen „Lasermann“. Bereits 1994 war Ausonius in Stockholm zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden, für den Prozess in Frankfurt hatte Schweden den Rechtsextremisten extra ausgeliefert. Ob es bei dem Mord an Zmigrod wirklich nur um einen Taschencomputer ging, von dem Ausonius wohl annahm, dass die Garderobenfrau ihn gestohlen hatte, oder ob die Tat auch antisemitisch motiviert war, ist bis heute nicht geklärt.

Rechte Kontinuitäten

Ruben Gerczikow beschäftigt sich schon länger mit dem Mord an Blanka Zmigrod. Der junge Frankfurter Jude, der in Wien Publizistik studiert hat und aktuell für einen Bundestagsabgeordneten arbeitet, erzählt, dass der Fall ihn spätestens seit dem antisemitischen Anschlag auf die Synagoge in Halle im Oktober 2019 nicht mehr losgelassen habe. „Freund:innen von mir waren in der Synagoge, später war dann viel die Rede davon, Solidarität mit den Opfern des Anschlags zu zeigen“, sagt Gerczikow. „Da habe ich noch mal gemerkt, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Perspektive der Opfer ist, wenn es um rassistische oder antisemitische Gewalt geht.“

Für Gerczikow ist es nicht nachvollziehbar, warum es in Frankfurt kein offizielles Gedenken an Blanka Zmigrod gibt. Eine Hinweistafel oder eine andere Form der Erinnerung, so hofft er, könnte auf ihr Schicksal aufmerksam machen und damit auch auf die Kontinuität rechten Terrors – immerhin soll John Ausonius ein Vorbild des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) gewesen sein. Mit dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und dem rassistischen Anschlag in Hanau hat es in Hessen zuletzt zwei schwere Terroranschläge von rechts gegeben.

Aus diesem Grund hat Gerczikow am heutigen Freitag, Blanka Zmigrods Geburtstag, eine Onlinepetition auf der Plattform „Change.org“ gestartet. Darin werden die Stadt und namentlich Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) aufgefordert, am Tatort im Westend ein Denkmal zu errichten, um „unserer ehemaligen Bürgerin Blanka Zmigrod ein würdiges Andenken zu ermöglichen und die Erinnerung an diese lebensfrohe, starke und mutige Frankfurter Persönlichkeit hochzuhalten“. Die Petition kann ab sofort unterzeichnet werden.

Unterstützt wird Gerczikow bei seiner Initiative bisher lediglich von einigen Freund:innen, aber der 24-Jährige hofft auf weitere Unterstützung und eine breitere Debatte in der Stadt. „Es ist seltsam, dass Zmigrods Schicksal in der Frankfurter Gesellschaft so wenig Aufmerksamkeit erfährt“, sagt er. „Ich hoffe, dass in Zukunft mehr Menschen auf sie und ihre Geschichte aufmerksam werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare