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Frankfurt: Ein Festival für Sarah Kane

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Von: Andreas Hartmann

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Sarah Kanes „Gier“ („Crave“) hat Sarah Kortmann inszeniert; zu sehen am 11. Februar in den Landungsbrücken Frankfurt. Niko Neuwirth
Sarah Kanes „Gier“ („Crave“) hat Sarah Kortmann inszeniert; zu sehen am 11. Februar in den Landungsbrücken Frankfurt. Niko Neuwirth © Niko Neuwirth

Ein Festival in Zeiten der Pandemie: Die Landungsbrücken Frankfurt zeigen auf dem Milchsackgelände alle fünf Stücke der legendären Autorin Sarah Kane.

An diesem Donnerstag wäre die britische Dramatikerin Sarah Kane, 1999 sehr jung durch Suizid verstorben, 51 Jahre alt geworden. Zu ihrem 50. vor einem Jahr hatte das freie Theater Landungsbrücken mit langem Vorlauf ein großes Festival geplant, um die legendäre Autorin zu würdigen. Wir erinnern uns: Das Festival, dessen Stücke zu diesem Zeitpunkt bereits alle fertig inszeniert waren, fiel mitten in den damaligen strengen Corona-Lockdown. Nun wird das „20.21 KANE innen-Festival“ vom 2. bis 13. Februar auf dem Gelände der alten Milchsackfabrik in der Gutleutstraße nachgeholt.

Dass es jetzt, in einer unsicheren Zeit weit höherer Inzidenzen, stattfinden kann, ist eigentlich ein kleines Wunder und für die vielfältige freie Theaterszene eine Gelegenheit zu zeigen, dass sie noch da ist. Die frühere Hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU), heute Geschäftsführerin des Kulturfonds Rhein-Main, meinte bei der Programmvorstellung am Montag, sie drücke die Daumen in einer nicht ungefährlichen Zeit. Der Kulturfonds ist einer der Hauptsponsoren des Festivals. „Es ist ein großes Projekt für uns, das bisher bestbeobachtete Festival, das wir hatten“, sagte Wolff.

Das „20.21 KANE innen-Festival“

Die Landungsbrücken Frankfurt sind Teil der früheren Farbenfabrik Dr. Carl Milchsack, Gutleutstraße 294. Auf dem Gelände (und für einige Termine auch im Deutschen Filmmuseum, Schaumainkai 41) wird vom 2. bis zum 13. Februar das der Dramatikerin Sarah Kane gewidmete „20.21 KANE innen-Festival“ gefeiert. Das ausführliche Programm findet sich unter www.landungsbruecken.org. Dort kann man auch Karten reservieren und kaufen.

Für das Festival gilt 2G++, das heißt, auch Geboosterte müssen für ihren Besuch einen tagesaktuellen Test vorweisen können. Es besteht die Möglichkeit, vor Ort einen Test bei medizinisch geschultem Personal zu machen, allerdings nicht kostenlos, sondern zum Selbstkostenpreis. aph

Zu sehen sind also von Mittwoch an nicht nur alle fünf Kane-Stücke – „Zerbombt“ („Blasted“), „Phaidras Liebe“ („Phaedra’s Love“), „Gesäubert“ („Cleansed“), „Gier“ („Crave“) und „4.48 Psychose“ („4.48 Psychosis“) –, sondern auch „In Her Face oder Die Autorin ist tot“, die begleitende Ausstellung „Dilated Stories“, Nachtgespräche nach jeder Vorstellung, Diskussionsrunden, Performances und der Kurzfilm „Skin“, den Regisseur Vincent O’Connell selbst im Deutschen Filmmuseum vorstellt. Dieser nehme für sich in Anspruch, die 17-jährige Sarah Kane zum Theater gebracht zu haben, berichtete Linus Koenig von den Landungsbrücken.

Geplant war das Kane-Festival schon lange vor der Pandemie, seit gut dreieinhalb Jahren. „Wir wollten uns an eine Autorin wagen, die als ‚heiliger Gral‘ der Theaterszene gilt, und für die wir niemals die Aufführungsrechte bekommen hätten“, sagt Koenig. Es hat aber dann doch geklappt.

Der Name des Festivals sei, so versichert er, zum einen kein seltsamer Gender-Versuch; die Landungsbrücken wollten vielmehr eine Innenperspektive Kanes zeigen. Die Zahlen 20.21 schließlich beziehen sich auf den 50. Geburtstag im vorigen Jahr und sind gleichzeitig eine Hommage an ihr letztes Stück „4.48 Psychose“.

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