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Über 40 Künstlerinnen und Künstler werden bis Ende des Jahres an dem Wandgemälde gearbeitet haben. Bild: Renate Hoyer
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Über 40 Künstlerinnen und Künstler werden bis Ende des Jahres an dem Wandgemälde gearbeitet haben.

Kultur in Frankfurt

Ein Fest der Lebensfreude

  • Anja Laud
    vonAnja Laud
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Kunstschaffende widmen im Frankfurter Kunstverein Familie Montez dem Jahr 2020 ein Wandgemälde.

Neugierige Spaziergängerinnen und Spaziergänger am Main drücken sich in diesen Tagen an den Fenstern des Kunstvereins Familie Montez gerne ihre Nasen platt. Im Ausstellungssaal im Bogen der Honsellbrücke entsteht ein riesiges Wandgemälde. Seit dem 1. Dezember bringt dort jeden Tag eine andere Künstlerin oder ein anderer Künstler das auf die über 18 Meter lange und 3,25 Meter hohe Leinwand, was ihr oder ihm zu diesem so außergewöhnlichen Jahr einfällt. Das Bild, das entsteht, ist keineswegs nur Klage über die Pandemie, sondern ein buntes Fest der Lebensfreude.

An schlechte Gedanken will die Künstlerin Uschi Lüdemann zum Ende des Corona-Jahres keine Energie verschwenden. „In diesem Jahr geht es nicht, im nächsten will ich wieder hin“, sagt die Frankfurterin mit Nachdruck, während sie am 23. Tag der Kunstaktion auf einer der wenigen freien Stellen des Wandgemäldes mit einem Pinsel großzügig ein leuchtendes Blau aufträgt, das an die Farben der kalifornischen Pazifikküste erinnert, an der ihr Sohn mit seiner Familie lebt.

Lüdemann malt an dem Kunstprojekt „Ein ganz normaler Herbst, nur anders...2020“. Seit Beginn des Dezembers arbeiten auf Einladung des Kunstvereins Familie Montez Künstlerinnen und Künstler an diesem Kunstwerk, mehr als 40 werden es gewesen sein, wenn am Silvestertag die Arbeiten enden und der allerletzte Pinselstrich auf die Leinwand gesetzt sein wird.

Das Kunstprojekt

Die Arbeiten an dem Kunstprojekt „Ein ganz normaler Herbst, nur anders... 2020“ gehen im Kunstverein Familie Montez im Bogen der Honsellbrücke am Hafenpark, Honsellstraße 7, noch bis Donnerstag, 31. Dezember, weiter.

Wer den Entstehungsprozess des Gemäldes online verfolgen möchte, kann das auf der Webseite des Kunstvereins tun. Dort finden sich zu jedem Tag Bilder und Podcasts, in dem die beteiligten Künstlerinnen und Künstler über ihre Arbeit sprechen.

www.kvfm.de

Ursprünglich sei vorgesehen gewesen, dass sich an dem vom Kulturamt der Stadt Frankfurt geförderten Projekt wegen der zeitlich vorgegebenen Periode von 31 Tagen 31 Künstlerinnen und Künstler beteiligen sollten. Die Resonanz auf die Aufrufe war jedoch so groß, dass die Zahl erhöht wurde. „Die Künstlerinnen und Künstler haben einen Bedarf an Öffentlichkeit. Wir wollten ihnen diese Möglichkeit geben“, sagt Vereinsvorsitzender Mirek Macke.

Jeder der Kunstschaffenden, die an dem Gemälde arbeiten, ist auf sich allein gestellt. Es gibt keine Regeln, keinen zugewiesenen Platz auf der Leinwand und keine Absprachen untereinander, nur ein Termin wurde jeder einzelnen Künstlerin und jedem einzelnen Künstler zugewiesen. Diejenigen, die in den ersten Tagen an der Riesenleinwand standen, hatten es einfach und schwer zugleich. Sie hatten zwar genug Raum – „aber so eine große Fläche macht auch Angst“, sagt Macke.

Inzwischen müssen die Künstlerinnen und Künstler nach einem freien Plätzchen suchen. „Man muss etwas zärtlich in die Zwischenräume reingehen und gucken, dass man den anderen nicht übertüncht, sondern versuchen, die Dinge zu verbinden“, erzählt der Frankfurter Künstler Steffen Merte, der am 20. Dezember rote Krebse auf die Leinwand druckte, in einem Podcast. Daniel Mouson, ein Mitglied der Familie Montez, hat mit allen an dem Wandgemälde Beteiligten Gespräche über ihre Beiträge geführt. die man als etwa zehnminütige Podcasts über die Homepage des Vereins abrufen kann. „Ich bin Jurist, kein Künstler. Ich habe die Fragen so gestellt, dass man ihre Arbeit nachvollziehen kann“, erzählt er.

Für einen Schockmoment sorgte Serkan Gören. In einer Performance schleuderte der Frankfurter am 21. Dezember scheinbar weiße Farbe auf die Arbeiten der anderen Kolleginnen und Kollegen. „Ich musste aus dem Saal gehen. Ich konnte es nicht ertragen“, sagt Mouson. Die Tünche war tatsächlich jedoch ein Lack, der ohne große Spuren zu hinterlassen farblos trocknete und die Vergänglichkeit der menschlichen Existenz thematisierte.

„Ich freue mich jeden Tag darauf, zu sehen, was Neues entstanden ist“, sagt die Frankfurter Fotografin Barbara Walzer, die die Arbeit an dem Wandgemälde Tag für Tag dokumentiert. Es gebe ihr Kraft in dieser Zeit. „Und es lädt mich zum Staunen und Träumen ein.“

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