1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Ein Brunnen, um Schrott zu bewässern

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Stillbauer

Kommentare

Fürs Bewässern der Bäume nutzt Frankfurt teilweise Mainwasser.
Fürs Bewässern der Bäume nutzt Frankfurt teilweise Mainwasser. © Monika Müller

Umweltbehörden beruhigen die Gemüter: Recyclingfirma im Frankfurter Westen handelt rechtens.

Der Januar ist schon wieder arg trocken in Frankfurt – das Problem des knapper werdenden Wassers hat sich erwartungsgemäß nicht mit dem Jahreswechsel in Luft aufgelöst. In diese Situation hinein platzt die Hiobsbotschaft: Eine Recyclingfirma im Frankfurter Westen will das Grundwasser anbohren - für einen Brunnen, aus dem Schrott beregnet werden soll.

„Ein starkes Stück“, findet Heidi Jost, stellvertretende Vorsitzende des Frankfurter Kreisverbands der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. „Wir protestieren.“

Der Vorgang ist schon eine Weile unterwegs. Die Firma hat 2018 beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt eine Änderungsgenehmigung für ihr Gelände beantragt. Konkret ist die Rede von einem „Brunnen zur Grundwasserentnahme zur Beregnung Schrottlager“. Im Dezember hat das RP den Vorgang an die Umweltverbände rundgeschickt, damit sie sich äußern können.

In der Tat klingt es befremdlich, wenn in diesen Zeiten eine Firma das Grundwasser anzapfen will, um es auf Altmetall zu spritzen. Sei es aber nicht, sagt ein RP-Sprecher. Das Grundwasser in der Nähe des Mainufers sei meist Flusswasserfiltrat, also ohne Aufbereitung ohnehin nicht von hoher Qualität. „Es ist eher so, dass man dieses Wasser nimmt, um kein Trinkwasser nehmen zu müssen.“ In Mainnähe sei es dafür nicht nötig, sonderlich tief zu bohren.

„Keine relevante Menge“

Gleiches bestätigt das Frankfurter Umweltamt. „Das Ganze ist nicht spektakulär“, sagt ein Sprecher. „Das Unternehmen hat ohnehin seit 2018 die Genehmigung, jährlich bis zu 3600 Kubikmeter Grundwasser zu entnehmen.“ Technisch handele es sich um sogenanntes Uferfiltrat – was aber keine Rolle spiele. Auch in größerer Entfernung zum Main hätte die Firma diese Menge Grundwasser entnehmen dürfen: „Große Betriebe müssen darauf achten, dass keine Emissionen in die Umgebung entweichen“, dazu diene die Beregnung des Schrotts.

Im Übrigen seien 3600 Kubikmeter Grundwasserentnahme jährlich etwa landwirtschaftlichen Betrieben ohne jedes Genehmigungsverfahren erlaubt. Zum Vergleich: Die Stadt Frankfurt habe einen Wasserverbrauch von 45 Millionen Kubikmetern im Jahr. „Im Verhältnis dazu sind diese kleinen Mengen unkritisch zu sehen und nicht relevant für den Grundwasserhaushalt.“

Angesichts der enormen Wasserlieferungen aus dem Umland, besonders aus dem Vogelsberg, werde immer darauf gedrungen, dass die Stadt sich aus eigenen Wasservorkommen versorge – genau das geschehe hier, betont der Umweltamtssprecher.

Dennoch sei es nicht zu vermeiden, auch künftig Wasser von außerhalb nach Frankfurt zu importieren. Ein städtisches Brauchwassernetz gilt als technisch nicht umsetzbar. Appelle an die Bevölkerung, Zisternen zu nutzen, noch sensibler im Umgang mit dem Rohstoff zu werden, gibt es regelmäßig. Die Stadt wolle demnächst ein Wasserkonzept vorlegen, heißt es aus dem Umweltamt. Bei dem Schrottrecycler und seinem Brunnen, so viel sei klar, handele es sich nicht um das größte Problem in diesem Zusammenhang.

Auch interessant

Kommentare