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Frankfurt ehrt seine Sportelite

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Von: Timur Tinç

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Olympiasiegerin Deborah Levi wird von Sportdezernent Mike Josef geehrt.
Olympiasiegerin Deborah Levi wird von Sportdezernent Mike Josef geehrt. © Rolf Oeser

Bob-Olympiasiegerin Deborah Levi ist Sportlerin des Jahres. Bei den Männern setzt sich Ruderer Oliver Zeidler durch und die Löwen Frankfurt in der Kategorie Mannschaft national.

Eigentlich war Christian Riedel mit seiner Frau fest für die „Schlagernacht des Jahres“ in der Frankfurter Festhalle am Samstagabend verabredet. Die Karten waren schon lange im Voraus bestellt, die Vorfreude groß. Statt Künstlerinnen und Künstler auf einer Bühne zu beklatschen, war der 52-Jährige selbst auf eine in den Mainarcaden mit seinem Rollstuhl gefahren und erhielt Applaus von rund 400 Gästen. Riedel wurde nämlich zum Para-Sportler des Jahres in Frankfurt ausgezeichnet und bekam dafür neben einem Bembel mit Gravur und einem Blumenstrauß auch 300 Euro.

Der gebürtige Stuttgarter ist Spielertrainer der Nationalmannschaft, die Bronze bei den World Games gewann, EM-Vierter wurde und Platz zehn bei der Weltmeisterschaft erreichte. Das große Ziel sind die Paralympischen Spiele in Paris 2024. „Dafür müssen wir bei der EM in Cardiff ins Finale kommen“, sagte Riedel, der nach einem Badeunfall vor 26 Jahren querschnittsgelähmt ist. Klappt das nicht, würde es ein weiteres Qualifikationsturnier geben. Über die Auszeichnung der Stadt freute sich Riedel und war auch nur gekommen, weil ihm beim Anruf unter der Woche durch die Blume mitgeteilt wurde, dass er auch gewinnen werde. „Die Karten habe ich noch am selben Tag verkaufen können“, verriet Riedel.

Es war die zehnte Frankfurter Sportgala und die erste nach den vielen Corona-Einschränkungen in Präsenz. „Die Sportfamilie kann sich endlich wieder treffen“, jubelte Sportdezernent Mike Josef (SPD). Das Sportamt hat in diesem Jahr die Auszeichnungen um zwei Kategorien erweitert. Neben Byron Schmidt, Bryce Twiname und Adrian Mazare vom Deutschen Rugbymeister SC 1880 Frankfurt, die in der Kategorie Trainer gewannen, wurde mit Sonja Kron von der SG Sossenheim auch erstmals eine Trainerin geehrt.

Und weil Eintracht Frankfurt als Europa-League-Sieger in der Kategorie Mannschaft des Jahres sowieso gewonnen hätte, wurde für die Fußballer die Kategorie Mannschaft international kreiert. So konnte DEL-Aufsteiger Löwen Frankfurt den Titel Mannschaft national gewinnen. Die besondere Stellung des Fußballs war für Löwen-Sportdirektor „kein Problem. Wir sind sehr stolz.“ Der Eishockey-Erstligist war in voller Mannschaftsstärke mit Zweitliga-Meisterpokal gekommen – obwohl er erst am Freitag in Düsseldorf gespielt hatte und am Sonntag um 14 Uhr die nächste Partie in der Eissporthalle absolvieren musste. Als die Bilder des Aufstiegs eingespielt wurden, hat Fritzmeier „Flashbacks“ bekommen. „Es war ein sehr weiter und steiniger Weg“, erinnerte sich Fritzmeier.

Die Ausgezeichneten

Sportlerin: Deborah Levi (SC Potsdam) Bobsport

Sportler: Oliver Zeidler (FRG Germania) Rudern

Mannschaft national: Löwen Frankfurt Eishockey

Mannschaft international: Eintracht Frankfurt Fußball

Nachwuchssportlerin: Curly Brown (Eintracht Frankfurt) Leichtathletik

Nachwuchssportler: Marius Karges (Eintracht Frankfurt) Leichtathletik

Para-Sportler: Christian Riedel (RSC Frankfurt) Rollstuhlrugby

Trainerin: Sonja Kron (SG Sossenheim) Tanzsport

Trainer: Byron Schmidt, Bryce Twiname, Adrian Mazae (SC 1880) Rugby

Die Titel im Nachwuchs gingen an die Leichtathletik-Abteilung der Eintracht – und zwar in die gleiche Disziplin, dem Diskuswerfen. U18-Europameisterin Curly Brown wurde bei den Frauen ausgezeichnet. U20-Weltmeister Marius Karges bei den Männern. „Es ist unbeschreiblich“, freute sich Brown, die auf ähnliche Erfolge bei der U20 hofft. „Jetzt kann es nur noch besser werden.“ Für Karges war es „sehr überraschend“, den Titel in der kolumbianischen Stadt Cali zu gewinnen, weil die nationale Konkurrenz so stark ist.

Wenig überraschend gewann Oliver Zeidler in der Kategorie Sportler des Jahres, der für die Rudergemeinschaft Germania startet und Weltmeister im Einer-Ruder geworden ist. Da er sich gerade auf die Regatta auf dem Rhein vorbereitet, wo er in den international besetzten Achter bei Basel Head steigt, nahm Germania-Trainer Ralf Vollmann den Preis entgegen.

Höchstpersönlich zur Ehrung erschien hingegen Olympiasiegerin Deborah Levi (SC Potsdam), die sich knapp vor Anna Elendt (SG Frankfurt), Vize-Schwimmweltmeisterin über 100 Meter Brust, durchsetzen konnte. Normalerweise wäre sie im Weltcup mit ihrer Pilotin Laura Nolte im Zweierbob unterwegs, aber vor dem Saisonstart ist ein Ödem im Knie bei der 25-Jährigen diagnostiziert worden. „Ich hoffe, im Januar wieder starten zu können“, sagt Levi, die seit zwei Jahren in Frankfurt wohnt und an der Goethe-Universität Grundschullehramt studiert. „Ich habe jetzt komplett meinen Lebensmittelpunkt in Frankfurt. Meine Freunde, mein Studium, mein Training“, sagte Levi, die aus Siegbach-Oberndorf in Mittelhessen stammt. „Deswegen fühle ich mich schon sehr als Frankfurterin.“

Festlicher Rahmen in den Mainarcaden für den Frankfurter Sport.
Festlicher Rahmen in den Mainarcaden für den Frankfurter Sport. © Rolf Oeser
Die Löwen Frankfurt sind in voller Teamstärke und mit DEL2-Meisterspokal gekommen.
Die Löwen Frankfurt sind in voller Teamstärke und mit DEL2-Meisterspokal gekommen. © Rolf Oeser
Eintracht-Legende Alex Meier (li.) ehrt Trainerin des Jahres Sonja Kron und Bryce Twiname als einer von drei Coaches der SC 1880.
Eintracht-Legende Alex Meier (li.) ehrt Trainerin des Jahres Sonja Kron und Bryce Twiname als einer von drei Coaches der SC 1880. © Rolf Oeser
Rollstuhlrugbyspieler Christian Riedel ist Parasportler des Jahres.
Rollstuhlrugbyspieler Christian Riedel ist Parasportler des Jahres. © Rolf Oeser
Curly Brown (li.) und Marius Karges (r.) im Talk mit Julia Nestle.
Curly Brown (li.) und Marius Karges (r.) im Talk mit Julia Nestle. © Rolf Oeser

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