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Gericht

Frankfurt: Ehemaliger Chef wegen Erpressung angeklagt

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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In Frankfurt klagen zwei Friseurinnen ihren Ex-Chef wegen räuberischer Erpressung an. Doch das Gericht stellt das Verfahren wegen geringer Schewre der Schuld ein.

Der ehemalige Höchster Friseur Siegfried W. steht wegen versuchter räuberischer Erpressung vor dem Schöffengericht. Das ist sportlich angeklagt, denn was W. getan hat war, zwei ehemaligen Mitarbeiterinnen seines pleite gegangenen Salons im März 2019 eine SMS zu schicken. Mit dem Text: „Liebe Moni, wenn du mir 10 000 Euro überweist, lasse ich dich am Leben!“ Danach kam nichts mehr, bis auf harmlose Kurznachrichten wie „Küsschen, Küsschen“ oder „Wie geht es dir?“, aber dennoch fühlten beide Frauen sich bedroht, obwohl nur eine Moni dabei ist, und zeigten ihren ehemaligen Chef an.

„Ich wollte ihn erst nicht anzeigen, aber meine Freundin, der Mann ist Polizist, der hat gesagt: ,Lass dir das nicht gefallen!‘“, sagt die 60 Jahre alte Monika G. im Zeugenstand. Ob Siegfried W. denn einen Grund gehabt habe, ihr nach dem Leben zu trachten, will die Richterin wissen. „Er war mein Chef“, antwortet die Friseurin lakonisch. Aber es sei nicht so, dass sie ihrem Chef ihr Leben schulde, sondern vielmehr er ihr drei Monatsgehälter. Eigentlich sei W. ein ganz netter Kerl, aber hinsichtlich seiner Trinkgewohnheiten müsse sie die uralte Friseurfrage „Nass oder trocken?“ wohl mit „nass“ beantworten. Und dann sagt sie einen Satz von so schlichter Schön- und Wahrheit: „Das geht mich nix an, was einer privat macht, aber der soll mich dann in Ruh’ lasse’!“

Angelika D., 59 Jahre alt, hatte ähnliche Gründe, ihren Ex-Chef anzuzeigen. „Einer unserer Kunden war Polizist, der hat (auch) gesagt: ,Lass dir das nicht gefallen!‘“ Und außerdem schulde W. ihr ebenfalls drei Monatsgehälter. Also habe sie ihn angezeigt, obwohl sie nicht so recht den Tod gefürchtet habe. Was daran liegen mag, dass Angelika D. bereits jetzt eine Weisheit verinnerlicht hat, die den meisten Hessen erst bei ihrem letzten Atemzug wahrhaftig wird: „Ich finde das ’ne Frechheit! Man schafft und schafft, und alles umsonst!“

Das alles macht die Drohung aber auch nicht schlimmer, und angesichts der Umstände beschließt das Gericht mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft, den Prozess wegen geringer Schwere der Schuld einzustellen. Das Amtsgericht macht es W., der zu den Vorwürfen geschwiegen hatte, zur Auflage, beiden Friseurinnen 1000 Euro zu zahlen. Keine drei Monatsgehälter, aber ein Anfang.

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