Sind noch keine drei Wochen auf dem Markt, gehören aber schon fest zum Stadtbild: die elektrischen Roller. Foto: Peter Jülich

Mobilität

Frankfurt ist im E-Scooter-Fieber - Die Zahl der Nutzer wächst stündlich

  • schließen

800 E-Scooter stehen derzeit in der Innenstadt zum Ausleihen bereit, die Zahl der Kunden wächst stündlich. Mit dem Smartphone ist das Leihen einfach. Vor allem junge Berufstätige nutzen das Angebot.

Frankfurt - Man kann es unschwer übersehen: In der Innenstadt ist das Scooter-Fieber ausgebrochen. In der Freßgass', am Hauptbahnhof, in der Kaiserstraße, an der Hauptwache: Überall stehen die kleinen Elektro-Roller - und seit neuestem auch entlang der gesperrten U-Bahn-Strecke und in Wohngebieten wie dem Gallus und dem Kuhwald.

Bislang sind zwei Firmen am Markt: "Tier" mit lindgrünen und "Circ" mit orange-schwarzen Rollern. Circ hat in Frankfurt bislang 200-, Tier mehr als 600 Geräte im Einsatz. Weitere Anbieter stehen in den Startlöchern.

Junge Berufstätige nutzen vornehmlich die E-Scooter

Wer in der Innenstadt kurz verweilt und beobachtet, welche Typen so auf Rollern vorbeigebraust kommen, stellt schnell fest: Es sind ganz überwiegend junge Leute, die im Berufsleben stehen und beispielsweise als Banker in der Mittagspause zur Pizzeria flitzen. Ganz günstig ist das Angebot nicht, es kostet bei Tier einen Euro für die Ausleihe und pro Minute 19 Cent. Bei Circ zahlen Nutzer ebenfalls einen Euro, die Minute kostet dann 20 Cent.

Und noch etwas stellt der Beobachter schnell fest: So manchem E-Scooter-Fahrer sind die Verkehrsregeln herzlich egal: Mit dem Handy am Ohr, auf dem Bürgersteig, in der Fußgängerzone, mit Beifahrer, schnurstracks über die rote Ampel - alles schon gesehen.

Mitten "uff de Gass" stehen diese beiden E-Scooter. Foto: Thomas Schmidt

Auch beim passenden Abstellort für die Elektrogefährte gehen die Meinungen auseinander. Am Mainufer lagen sie schon kreuz und quer, manche stehen mitten auf dem Gehweg. Insgesamt aber ist die Situation deutlich entspannter, als nach der Einführung der Leihfahrräder vor ein paar Jahren. Anders als die Leihfahrräder werden die Roller jeden Abend eingesammelt, weil sie geladen werden müssen.

E-Scooter werden abends eingesammelt

Bislang gab es kaum Beschwerden, weil Roller im Weg standen. "Einmal hat uns jemand informiert", berichtet Michael Jenisch, Sprecher des Ordnungsamts. "Dann ist eine Streife hingegangen, hat den Roller ein paar Meter weiter abgestellt, und das Problem war gelöst."

Eine Handhabe hat die Stadt ohnehin nicht: "Die E-Tretroller können im öffentlichen Verkehrsraum grundsätzlich wie Fahrräder abgestellt werden", erklärt Michaela Kraft, Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung. "Die Nutzung von E-Tretrollern fällt unter den Gemeingebrauch, insofern ist eine Sondernutzungserlaubnis nicht erforderlich."

E-Scooter: Polizei weiß nichts Negatives zu berichten

Maximal fünf E-Scooter dürfen an einem Standort abgestellt werden, weitere Einschränkungen gibt es nicht. Auch an Fahrradständern dürfen sie parken - was für Radfahrer, die die Bügel nutzen wollen, um ihre Räder anzuschließen, ziemlich ärgerlich sein dürfte.

Auch die Polizei weiß kaum Negatives zu berichten. In den gut zwei Wochen, da es in Frankfurt E-Scooter gibt, ist am Hauptbahnhof bislang ein Fußgänger leicht verletzt worden. Der Fahrer flüchtete. Fahrradfahrer sind bisweilen auch nicht weniger rüpelhaft. Was es nicht besser macht.

Es habe Einzelfälle von Vandalismus gegeben, auch seien einzelne Roller verbotenerweise mit in Wohnungen genommen worden, berichtet ein Sprecher von Tier. Ingesamt sei die Anzahl verschwindend gering im Vergleich zur Gesamtzahl der Fahrten.

Die Firma Circ teilt auf Anfrage mit, dass ihre Roller "rund um die Uhr von unseren lokalen Operations Teams eingesammelt und gewartet" werden. "So werden die Roller jede Nacht aufgeladen und am Morgen wieder hingestellt. Die Position der Roller wird unseren Mitarbeitern auf einer Karte angezeigt und gleichzeitig werden ihnen Informationen zu Akkustand und Standort übermittelt." Die Kunden seien zufrieden. "Bisher wurden die Fahrten in der Stadt überdurchschnittlich gut bewertet und viele Menschen haben das Wochenende genutzt, um die E-Tretroller auszuprobieren", sagte eine Sprecherin.

"Nachfrage ist riesig"

Ähnlich geht es beim größeren Anbieter Tier zu. Dort ist, wie Citymanager Daniel Horn berichtet, ein externer Dienstleister mit der Wartung und dem Laden der Roller beauftragt. "Abhängig vom Reparaturbedarf sind bis zu 600 Scooter auf der Straße", berichtet Horn. Bis vor kurzem waren es nur 350. "Aber die Nachfrage in Frankfurt ist riesig." So erklärt er sich auch, dass jüngst an einem Sonntag fast alle Scooter-Akkus leer waren, die Apps der Nutzer kein Gerät anzeigten, obwohl die Geräte überall standen. "Sie haben eine Reichweite von 40 Kilometern, danach müssen sie geladen werden", so Horn. Wenn sich viele Nutzer auf die Scooter stürzen, sind die Akkus eben schneller leer, als sie geladen werden können.

Lesen Sie auch auf fnp.de*: 

Mainfähre: Boots-Führer erhebt schwere Vorwürfe gegen den Betreiber

Nach 635 Tagen ohne Mainfähre ging diese am Montag auf Jungfernfahrt. Gerade mal vier Stunden später lag das Schiff manövrierunfähig im Main. Nun gibt es schwere Vorwürfe.

E-Scooter in Frankfurt: So funktioniert das mit den Leih-Flitzern

Mal eben schnell und bequem durch die Stadt düsen - auch in Frankfurt können jetzt E-Scooter geliehen werden. Alle Infos zum Leihen, den Kosten und wo so ein Roller fahren darf

Die E-Scooter sind da - Anbieter ziehen erste Bilanz

E-Scooter erfreuen sich einer großen Beliebtheit. Die Anbieter in Frankfurt äußern sich in einer ersten Bilanz zufrieden.

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare