+
Bunt gemischt, sowohl farblich als auch was das Alter angeht, geht es durch die Nacht.

Radfahrer

ADFC-Bike-Night: Mit dem Rad durch die Frankfurter Nacht

  • schließen

Bei der ADFC-Bike-Night müssen Fahrradfahrer sich keine Gedanken über Autos oder Ampeln machen. Im Vordergrund steht aber nicht der Spaß sondern Protest.

Eine Nacht im Jahr ist die wohl sicherste für Fahrradfahrer in Frankfurt. Zumindest wenn sie im Korso der ADFC-Bike-Night mitradeln. Kein Auto kreuzt den Weg der Radler, keine rote Ampel muss beachtet werden, und auch die Luft wirkt gleich etwas sauberer, wenn nicht Hunderte von Autos links überholen. Doch die Veranstaltung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs in Frankfurt ist keine reine Vergnügungsfahrt, eigentlich ist sie ein Zeichen des Protests.

Als es am Samstagabend zu dämmern beginnt, ist auf dem Römerberg kaum noch ein Durchkommen. 2500 Menschen, so der Veranstalter, haben sich vor dem Rathaus versammelt und warten auf den Startschuss zur großen Fahrradnacht. Es ist ein Meer aus Fahnen, Helmen und Warnwesten, die die Ordner des ADFC markieren. Doch bevor es auf die Strecke geht, gilt es noch ein paar Reden zu lauschen. Als Erster spricht Bertram Giebeler vom ADFC Frankfurt. „Wir demonstrieren heute Abend für mehr Platz und mehr Respekt.“ Das Fahrrad sei das platzsparendste und umweltfreundlichste Verkehrsmittel. Giebeler mahnt: „Wir brauchen die Verkehrswende.“ Er lässt nicht unerwähnt, dass es in jüngster Zeit auch viele sinnvolle Maßnahmen wie Radwegemarkierungen und abgegrenzte Fahrradstreifen gegeben hat, aber reichen würde dies noch nicht. „Wir müssen uns den öffentlichen Raum zurückerobern.“

Katharina Knacker vom Radentscheid Frankfurt redet über das vor wenigen Tagen vom Stadtparlament beschlossene Maßnahmenpaket „Fahrradstadt Frankfurt“. 75 Kilometer neuer Radwege würden demnach beispielsweise gebaut. „Ein Meilenstein für die Verkehrswende“, so Knacker. Sie erklärt jedoch auch, dass die Aktivisten vom Radentscheid nun nicht aufhören würden, solange die Maßnahmen nicht umgesetzt seien.

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) spricht von einem ereignisreichen vergangenen Jahr. In acht Wochen wolle man mit den ersten Umsetzungen des Maßnahmenpakets beginnen. Oesterling kündigt einen durchgehenden Radweg vom Börneplatz über die Konstablerwache bis zum Friedberger Tor an. Dafür werde es dann nur noch eine Autospur auf der Strecke geben.

Autoverkehr auf null gesetzt

Dann berichtet der Verkehrsdezernent noch über das „geile Gefühl“, das er erlebte, als er das Gitter am nördlichen Mainufer aufstellte und damit den Autoverkehr quasi über Nacht auf null setzte. „Wenn man jetzt am Mainkai steht, merkt man erst mal, wie still es ist. Der Autoverkehr hat unsere Innenstädte dreckig und laut gemacht.“ Und dann schiebt er noch hinterher: „Lasst uns darüber diskutieren, ob wir auch noch das Südufer sperren sollen.“ Frankfurt brauche mehr reine Fahrradstraßen, wie eben jetzt jene am nördlichen Mainufer.

Als der Worte genug gewechselt sind, geht es für die Radfahrer endlich auf die Strecke. Der Startpunkt ist der autofreie Mainkai, und mit einem Mal setzen sich die Radfahrer in Bewegung. Überall sieht man jetzt LED leuchten oder blinken. Egal ob an der Brille, dem Helm, dem Fahrradrahmen oder – durch die Bewegung besonders eindrucksvoll – an den Speichen. Mit zunehmender Dunkelheit nimmt auch die Wirkung der Lichter zu. Wer keine LEDs zur Hand hat, hilft sich mit einer einfachen Lichterkette aus, die sich auch perfekt an einem Fahrrad befestigen lässt. Eine Teilnehmerin hat eine Seifenblasenmaschine auf ihren Gepäckträger montiert und erfreut die Hinterherfahrenden mit einer Spur aus vergänglichen kleinen Kugeln.

Unter den Teilnehmern sind auch Christian Becker und seine Familie. Einheitlich mit grünen T-Shirts bekleidet, starten sie zum zweiten Mal bei der Fahrradnacht. „Es macht einfach Spaß, zusammen durch Frankfurt zu fahren“, sagt der Mann aus Dillenburg.

Das erste Mal spaßig wird die Strecke tatsächlich bereits kurz nach der Alten Brücke. Als es bergab zum Sachsenhäuser Ufer geht, nimmt der Tross Fahrt auf. Die Reifen surren durch das schnelle Rollen, von vorne klingt Musik, um einen herum die bunten Lichter der Mitfahrenden und auf der rechten Seite die Skyline. Es ist das Gesamtpaket, das den Reiz der Bike-Night ausmacht.

Teilnehmerin Gabriele Lemkadmi berichtet später bei der Zwischenkundgebung am Ginnheimer Spargel, dass sie schon zum wiederholten Mal bei der Fahrraddemo dabei ist. „Es gefällt mir, und ich möchte was tun.“ Sie sei viel mit dem Fahrrad unterwegs und ärgere sich über Ecken, wo es noch nicht gut für Radfahrer sei, etwa entlang der Eschersheimer Landstraße. Sie hoffe, dass die Maßnahmen zur „Fahrradstadt Frankfurt“ schnell umgesetzt werden. Es sei an der Zeit, sagt sie noch, Frankfurt hänge bei der Fahrradfreundlichkeit hinterher.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare