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So begrünt wie die nördliche Braubachstraße wünschen sich die Grünen viele Straßen in der Stadt.

Grüne

Durch die Stadt mit Tempo 40

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Die Fraktion läutet mit einem umfassenden Verkehrskonzept für Frankfurt den Kommunalwahlkampf ein. Auch City-Maut und Tempo 20 auf Nebenstraßen sind vorstellbar.

Mit einem umfassenden Mobilitätskonzept für eine lebenswertere Innenstadt wollen die Grünen im Römer in den Kommunalwahlkampf ziehen. Die Vision sieht in erster Linie vor, den Autoverkehr in der Stadt deutlich zu reduzieren. Dadurch sollen Verkehrsflächen in der Innenstadt für Fußgänger und Radfahrer zurückgewonnen werden. Begleitend dazu soll der öffentliche Nahverkehr deutlich ausgebaut und Tempo 40 für Autos etabliert werden.

An dem am Dienstag im Römer vorgestellten Konzept hatten die Grünen gut ein halbes Jahr gefeilt. Einen der Anstöße dazu hat die Diskussion um die Sperrung des Mainkais für den Autoverkehr gegeben. Eine Einzelmaßnahme, die Wolfgang Siefert, dem verkehrspolitischen Sprecher der Fraktion, deutlich zu kurz greift: „Uns fehlt da die Vision, es braucht ein Endziel und einen Stufenplan.“ Um keine Maßnahmen zu schaffen, die andere Stadtteile benachteiligen, wollten die Grünen ein umfassendes Konzept und bezogen dafür auch die Grünen in Sachsenhausen mit ein. Denkanstöße holten sich die etwa 20 beteiligten Personen in anderen europäischen Städten wie Barcelona, Kopenhagen, Oslo und Wien.

Heraus kam ein Programm mit acht Bausteinen, das sich vor allem auf den Bereich Innenstadt, Bahnhofsviertel und Sachsenhausen fokussiert. Um den Autoverkehr aus der Innenstadt herauszubekommen, können sich die Grünen die Einführung einer Citymaut vorstellen. In London etwa habe diese Zufahrtsgebühr für die City die Pendlerströme auf einen Schlag um 20 Prozent eingedämmt, betonte Heiko Nickel vom Radentscheid, der an dem Konzept der Grünen mitgewirkt hatte.

Grünen setzen vor allem auf Straßenbahn

Beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs setzen die Grünen vor allem auf die Straßenbahn. Siefert könnte sich elektrifizierte Linien in der Darmstädter Landstraße, im Reuterweg zum Uni-Campus, auf der Untermainbrücke und in der Allerheiligenstraße vorstellen. Dazu soll es kostenlose Citybuslinien und Expressbusse geben.

Wenn der Autoverkehr dann reduziert ist. stellen sich die Grünen eine Umgestaltung vor, die am Dienstag zunächst an drei konkreten Beispielen verdeutlich wurde. So soll die Berliner Straße ab der Paulskirche in westlicher Richtung nur noch zweispurig verlaufen und der Halteplatz der Busse Richtung Kornmarkt verlegt werden, um die „Rückseite“ der Paulskirche aufzuwerten. Die Weißadlergasse in der Innenstadt soll nur noch für den Lieferverkehr nutzbar sein und ähnlich umgestaltet werden wie zuletzt bereits die Braubachstraße. Besonders deutlich wird die angedachte Umgestaltung in der Walter-Kolb-Straße. Laut Ursula auf der Heide, umweltpolitische Sprecherin und auch für Sachsenhausen zuständig, stehe die Walter-Kolb-Straße mit ihren langgezogenen Abbiegespuren wie kaum eine andere Straße für die „Flächenverschwendung“ der autogerechten Stadt.

Siefert hofft, den Autoverkehr in der Stadt um 20 bis 50 Prozent reduzieren zu können, räumt aber ein, für das Konzept keine Verkehrsrechnung angestrengt zu haben. Die Verkehrswege für Autos jedenfalls müssten deutlich reduziert werden. Das Konzept soll Teil der Grundlage für das Wahlprogramm werden, als Fürsprecher erhoffen sich die Grünen zuallererst die Bürger der Stadt.

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