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Die Pflückregeln auf dem Erdbeerfeld des Schelmenhäuser Hofguts.
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Die Pflückregeln auf dem Erdbeerfeld des Schelmenhäuser Hofguts.

Frankfurt

Frankfurt: Drei Tage Sonne zur rechten Zeit

Auf Frankfurter Erdbeer-Feldern beginnt die Selbstpflücker-Saison.

Leni läuft mit ihren Gummistiefeln durch die Reihen, bleibt kurz stehen und pflückt eine noch grüne Erdbeere. Die Zweijährige wirft die noch unreife Frucht in ihre Schüssel und stapft weiter. „Nur die roten!“, ruft Nina Tangel ihrer Tochter noch zu, die auch schon genüsslich in die nächste grüne Erdbeere beißt.

Wie Familie Tangel zieht es heute viele Menschen raus auf die Felder, auf denen Erdbeeren selbst gepflückt werden können. Das regnerische Wetter der vergangenen Tage hat weder den Hobbypflücker:innen noch den Früchten etwas ausgemacht. Die Reihen sind voll mit Erdbeeren, das Schelmenhäuser-Hofgut konnte sein Feld sogar einen Tag früher als geplant zum Selbstpflücken öffnen. Die Pflanzen seien praktisch in Wartestellung gewesen, sagt Andreas Damm. „Die drei Tage Sonne in der letzten Woche haben die noch unreifen Erdbeeren regelrecht explodieren lassen“, erläutert der Landwirt.

Seit 1985 bietet der Betrieb der Familie Damm Erdbeeren zum Selbstpflücken an. Im Wechsel von drei Jahren wird jeweils eines der beiden Felder an der Friedberger Landstraße in Richtung Bad Vilbel bestellt. Andreas Damms Großeltern haben den Betrieb vor gut einhundert Jahren gegründet, neben Erdbeeren werden Kartoffeln, Spargel, Zuckerrüben und Getreide angebaut. „Das Getreide pflanzen wir im Wechsel an, damit der Boden sich wieder regenerieren kann“, erläutert der Bauer inmitten seiner Erdbeerreihen. Es ist matschig, aber das ausgelegte Stroh hält die Früchte trocken.

Eine Erdbeerpflanze kann im Durchschnitt alle zwei bis fünf Tage abgeerntet werden. Während einige Erdbeeren bereits feuerrot sind, kann dieselbe Pflanze noch grüne Früchte und sogar Blüten tragen. Landwirt Damm erklärt das logistische Ausmaß der täglichen Planung, die Teilabschnitte des Felds je nach Besucheraufkommen und Reifegrad für die Selbstpflücker:innen zu öffnen.

Für ihn sei die Landwirtschaft der schönste Beruf, den er sich vorstellen könne. „Die fehlende Planbarkeit macht für mich den Charme aus.“ Vor ein paar Jahren habe der viele Regen eine ganze Ernte verfaulen lassen. „Das ist ärgerlich, kann aber passieren“, sagt Damm. Zum jetzigen Zeitpunkt könne er keine Aussagen über den Erfolg der Saison machen. „Im Gegensatz zu unserem Freilandanbau sind Erdbeeren aus dem Tunnel deutlich leichter zu kontrollieren und damit ist der Ernteausgang auch berechenbarer.“ In Gewächshäusern könnten die Temperaturen gesteuert werden, während die Erdbeeren des Bauers „komplett der Natur ausgeliefert“ seien.

EIGENE ERNTE

Das Feld des Schelmenhäuser Hofguts befindet sich an der Friedberger Landstraße stadtauswärts auf der linken Seite. Der Weg ist ausgeschildert, Parkplätze sind am Feld vorhanden.

Erdbeeren pflücken ist unter der Woche und an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 19 Uhr möglich.

Das Kilo selbst gepflückte Erdbeeren kostet 3,80 Euro. Wer nicht selbst ernten möchte, findet auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Verkaufsstand. prah

Andreas Damm hat eine deutliche Meinung zu Gewächshauserdbeeren. „Wer so früh Erdbeeren möchte, muss in Kauf nehmen, dass sie einfach nicht natürlich sein können und der Geschmack leidet“, sagt der Landwirt. Da mit Spätfrost bis Anfang Mai zu rechnen sei, müsse das Warten auf die süßen Früchte akzeptiert werden. „Dann werden wir am Ende auch belohnt,“

Die Menschen, die heute auf dem Feld für einen Kuchen oder für Marmelade ernten, belohnen sich mit der einen oder anderen Erdbeere, die im Mund verschwindet. Für viele ist die eigene Ernte eine willkommene Freizeitbeschäftigung.

Marco Zec und seine Freundin beenden ihre Ausbeute mit einem vollbepackten Korb, der an der Waage im Verkaufshäusschen gut zehn Kilo anzeigt. Jedes Jahr kommen die Frankfurterin und der Frankfurter auf die Felder, um Erdbeeren zum Einkochen zu sammeln. Den Jahresvorrat an Marmelade verschenken sie oder essen ihn selbst. „Nach dem vielen Homeoffice ist uns das Wetter egal. Hauptsache, wir kommen raus. Wir sind aktuell viel auf Radwegen im Frankfurter Umland unterwegs und fahren an Orten vorbei, die fast Urlaubsgefühl entstehen lassen“, sagt der Frankfurter. Für ihn sei die Ernte zudem eine sportliche Betätigung an der frischen Luft, die ihm aktuell fehle.

Familie Tangel ist mit Tochter Leni zum ersten Mal auf dem Feld des Schelmenhäuser-Hofguts. Leni pflückt fleißig mit, während ihre Eltern sich auf einen Nachmittagskuchen oder den gesüßten Quark freuen. Für Sascha und Nina Tangel ist es ein „schönes Gefühl, endlich wieder draußen zu sein.“

Corona habe bisher keinen Einfluss auf die Arbeit des Bauerns gehabt. „Unser Betrieb ist witterungs- und nicht pandemiabhängig“, erzählt Damm. Am Verkaufshäusschen gilt eine Maskenpflicht, auf den Feldern dürfen die Masken abgenommen werden. „Wir empfehlen, jede zweite Erdbeerreihe freizulassen, so ist der Mindestabstand kein Problem“, sagt er.

Bei der Ernte gibt es nicht viel zu beachten. „Wichtig ist nur, die Frucht im ganzen, also mit Grünzeug, am Stiel zu packen und abzureißen“, erklärt Damm. Um die Erdbeeren zu sammeln, eignen sich Schüsseln oder Körbe am besten. Von Plastiktüten rät der Bauer ab. Wer keinen passenden Sammelbehälter mitgebracht hat, kann am Stand einen Korb kaufen.

Der Kilopreis beträgt 3,80 Euro, für Großmengen bei mehr als zehn Kilogramm bezahlen die Hobbypflücker;innen 3,50 Euro. Mit festem Schuhwerk ist man am besten ausgerüstet. Was sonst noch nötig ist? „Ganz viel Spaß natürlich“, lacht der Landwirt. (Alina Hanss)

Leni pflückt Erdbeeren – manchmal auch die unreifen.
Nur die Roten schmecken.

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