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Zwei Erwachsene und eins ... zwei ... drei Küken: die ganze Familie Storch in Harheim.

Störche

Frankfurt: Drei Küken für die Harheimer Storchen-Gang

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Das einzige Storchenpaar in Frankfurt produziert zuverlässig Nachwuchs. Seine Freunde mussten eine Schrecksekunde überstehen.

Es waren dramatische Minuten in der vorigen Woche: Auf den Videobildern, die unter den Freunden der Harheimer Storchenfamilie kursierten, sah man, wie einer der erwachsenen Störche ein kleines Tier aus dem Nest mit dem Schnabel aufnahm und verschluckte. Seit Wochen hatte es kaum geregnet, das Nahrungsangebot war knapp – es stand die gruselige Vermutung im Raum, der Storch könnte womöglich eines seiner eigenen Küken gefressen haben.

Für uns Menschen vielleicht gruselig, für die Rotschnäbel nicht ganz abwegig. In der Tierwelt kommt es durchaus vor, dass Eltern eines oder auch mehrere ihrer Jungen opfern, um das Überleben der anderen Nachkommen zu sichern, besonders, wenn unsicher ist, dass es genug zu fressen für alle gibt.

Die Entwarnung folgte schrittweise. Vogelfachleute wie der Nabu-Vorsitzende Volker Bannert und Klaus Hillerich von der AG Eulen erkannten schon im Video: Es war eher ein großer Frosch oder eine Kröte, kein Storchenküken, was da gefressen wurde. Und wenig später präsentierte die Harheimerin Yukiko Kaneko, stets die Erste, die Storch-Neuigkeiten hat, beglückende Fotos: Darauf recken gleich drei kleine Adebärchen ihre Hälse nach den nahrhaften Sachen, die Mama und Papa herauswürgen.

Das einzige Storchenpaar in Frankfurt

Sie haben es also wieder getan. Zum fünften Mal in Folge seit 2016 haben die schönen Schreitvögel eine Familie in Harheim gegründet, die einzige in Frankfurt. Rund fünf Jahrzehnte lang hatte sich zuvor kein Paar mehr innerhalb der Stadtgrenzen niedergelassen, nachdem der Blitz 1968 in den Bäckereischornstein in Bonames eingeschlagen hatte, auf dem die bis dahin letzte Storchenfamilie wohnte. Lange hatte man erwartet, dass die ersten Heimkehrer das Nest auf dem Alten Flugplatz bevorzugen würden, nah dran an einem üppig besiedelten Amphibiengewässer. Doch die ersehnten Vögel fanden es offenbar in Harheim gemütlicher.

„Sie sind beide nicht beringt“, sagt Ingolf Grabow, Beauftragter der Vogelschutzwarte für den Frankfurter Norden. Also keine Nummer am Bein, um sie zu identifizieren. Aber zumindest einer der Vögel gehöre zu dem Paar, das auch im Vorjahr dort brütete: „Störche sind ja unheimlich orts-treu.“ Leider müssen sie auch fast jedes Jahr noch einen bösen Wetterumbruch durchleiden, sobald die Küken geschlüpft sind. „Kälte und Nässe könnten ein Problem sein für die kleinen Störche“, sagt Grabow. „Aber da muss man einfach optimistisch bleiben.“

Im vorigen Jahr erwiesen sie sich als ausgesprochen hartnäckige Wind-und-Wetter-Widerständler. Auf einem zweiten Harheimer Storchennest, im Landschaftsschutzgebiet hinterm Sportplatz, sitzt auch immer mal wieder ein Paar, aber noch hat sich dort keines zum Bleiben entschlossen. Es könne jedenfalls nicht mehr lang dauern, bis weitere Störche Frankfurt als Heimat entdeckten, davon sind die Experten überzeugt.

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