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„Tatort“ bei Neckermann: Kollegen unter sich – Peter Lohmeyer (in Polizeijacke), Margarita Broich und Wolfram Koch.

Tatort-Dreharbeiten

HR dreht neuen „Tatort“ in Frankfurt

Das ehemalige Neckermann-Gebäude wird zur Kulisse für den Film.

Totale Baustelle. Kabel hängen von der Decke, sämtliche Büros sind leer geräumt, und mitten im Flur steht ein Schreibtisch, der nicht so recht in die Szenerie passt: Geordnet liegen dort Unterlagen und Bücher. Die Baustelle ist für den Dreh des neuen „Tatorts“ bewusst inszeniert worden. Gedreht wird in den Fluren des ehemaligen Versandhandelsunternehmens Neckermann in Fechenheim. Unter dem Arbeitstitel „Die Guten und die Bösen“ laufen die Dreharbeiten noch bis zum 3. April. „Das Besondere dieses ,Tatorts‘ ist, dass er nur in diesem Gebäude gedreht wird“, sagt Liane Jessen, Fernsehredakteurin des Hessischen Rundfunks.

2012 ging das Unternehmen Neckermann in die Insolvenz; danach war das Haus kurzzeitig eine Unterkunft für Geflüchtete, nun ist es wieder unbewohnt. Als Bauwerk der Nachkriegsmoderne steht es unter Denkmalschutz. „Es ist großartig, dass wir dieses Gebäude haben. Hier sind magische Orte, vor allem durch die hellen Flure“, sagt Petra Katharina Wagner, die Regisseurin.

Zum elften Mal kommt das aktuelle Frankfurter Ermittlerteam zum Einsatz. „Wir haben bewusst eine Regisseurin und mit David Ungureit einen Autor gewählt, die noch nie einen ,Tatort‘ gemacht haben“, sagt Fernsehredakteurin Jessen.

Zwiespalt und Widerspruch

Ungureit erzählt vom Ermittlerteam Anna Janeke, gespielt von Margarita Broich, und Paul Brix (Wolfram Koch), die wegen Renovierungsarbeiten im Polizeipräsidium ihre Büros leerräumen müssen. Deswegen feiern sie die letzte Nacht, bevor sie vorübergehend in die Flure ziehen sollen.

Verkatert werden Janeke und Brix am nächsten Tag zu einer Waldhütte nach Butzbach gerufen. Dort finden sie einen Mann vor, der gefoltert und ermordet wurde. Noch am Tatort gesteht der Polizeihauptmeister und Kollege der beiden Ermittler, Ansgar Matzerath (Peter Lohmeyer ), dass er den Mann getötet habe, weil es sich um den Mörder seiner Frau handle. „Der Polizeihauptmeister will bestraft werden und stellt sich. Da geht es erst richtig los“, sagt Lohmeyer.

In „Die Guten und die Bösen“ kämpfen die beiden Kommissare mit dem Zwiespalt: Hüter des Gesetzes sein, aber gleichzeitig auch einen Kollegen schützen. „Wir widersprechen in unserer Rolle als Kommissare ständig der eigentlichen Polizeiarbeit. Das ist an dem Drehbuch wahnsinnig gut“, sagt Koch. Nicht nur der Umbau und der Umstand, gegen einen Kollegen aus den eigenen Reihen zu ermitteln, erschwert den Ermittlern die Arbeit. Hinzu kommt noch eine Frau (Dennenesch Zoudé ), die die Polizisten betreuen soll. „Durch das Coaching fängt man an, sich selber zu beleuchten“, sagt Broich.

Der Frankfurter Teil der Kriminal-Reihe legt seinen Fokus auf die Psyche der Kommissare. „Zum ersten Mal stelle ich einem Mörder die Frage, wie er sich dabei gefühlt hat. Wahrscheinlich mache ich das, weil es ein Kollege ist“, sagt Broich. Während Janeke und Brix an dem Fall Mazerath ermitteln, versteckt sich eine ehemalige Kommissarin (Hannelore Elsner) im unteren Teil der Polizeistation. Sie arbeitet an ihren alten Fällen, die sie nicht lösen konnte, so auch den Mord an Matzeraths Frau.

Der Frankfurter „Tatort“ soll 2020 ausgestrahlt werden.

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