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Frankfurt: Diversitätspreis statt Integrationspreis

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Von: Timur Tinç

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Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg will ein „neues Signal an die Gesellschaft“ senden.
Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg will ein „neues Signal an die Gesellschaft“ senden. © Monika Müller

Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg irritiert Ausschussmitglieder der Opposition mit dem Vorhaben, den Integrationspreis durch einen Diversitätspreis zu ersetzen.

Seit dem Jahr 2002 verleiht die Stadt Frankfurt alljährlich den Integrationspreis an drei Organisationen. Zuletzt war er mit 15 000 Euro dotiert. Das soll sich nach den Plänen von Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) ändern. „Es wird keinen Integrationspreis mehr geben, wir werden einen Diversitätspreis haben“, verkündete sie am Donnerstag im Ausschuss für Diversität, Zusammenhalt, Beteiligung und Europa. Die Ausschreibung werde sich ändern müssen genauso wie die Zusammensetzung der Jury.

Das wunderte nicht nur Luigi Brillante von der Fraktion Ökolinx-ELF. „Diversität ist nicht gleich Integration“, sagte Brillante. Es gehe ja dabei darum, Organisationen zu stärken, die zugewanderten Menschen helfen. Auch die CDU-Stadtverordnete Verena David war ob des Vorstoßes der Bürgermeisterin verwundert. Sie hatte kurz zuvor nachgehakt, warum die Koalition ihren Antrag für einen mit 10 000 Euro dotierten Frankfurter Preis für queere Sichtbarkeit in die Etatberatungen geschoben hat.

„Der Preis soll Initiativen stärken und empowern“, findet David. Es gebe den Tony-Sender-Preis, der Frauen ehrt, die sich für mehr Gleichberechtigung engagieren. Es gebe den Kulturpreis. Es greife zu kurz, das Engagement für queere Menschen oder Integration unter Diversität zu subsumieren.

„Wir sind leider noch nicht soweit, dass ein Topf für alle reicht“, befand Linken-Politikerin Pearl Hahn. Es gäbe bei allen minorisierten Gruppen spezifische Herausforderungen. Alleine bei queeren Initiativen fehle es an zuverlässiger Förderung. Aktivistin Annette Kühn, die als Gast im Ausschuss saß, findet den Namen Diversität zwar besser, „aber unter dieses Wort fällt ein zu großer Schirm“. Sie plädierte wie Hahn lieber für mehr Geld für die Initiativen. „Ich hätte lieber statt einem Sekt im Rathaus Geld, um die Bühne bei der nächsten Demo zu bezahlen.“ Ein eigener Preis für queere Sichtbarkeit hätte eine größere Nachwirkung.

Brillante plädierte dafür, den Integrationspreis beizubehalten. „Integration ist immer noch das Streben nach gleichen Chancen für alle“, sagte er. Eskandari-Grünberg will jedoch „ein neues Signal in die Gesellschaft senden“. Wie das Ganze umgesetzt wird, ist allerdings noch offen.

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