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Impfen

Frankfurt: Diskussion um Impfpflicht für Pflegekräfte hält an

  • Julian Dorn
    VonJulian Dorn
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Mehrere Leiter von Frankfurter Alten- und Pflegeheimen setzen auf Aufklärung statt Zwang. Die Gewerkschaften warnen vor einer Abwanderung, falls die Impfpflicht kommt.

Frankfurt am Main - Als das Thema Impfpflicht aufkommt, muss Markus Förner tief durchatmen. „Hochemotionale Geschichte“, meint der Leiter des Hufelandhauses in Seckbach. Nicht nur Bundespolitiker:innen, auch die Belegschaft diskutiert derzeit kontrovers, ob es eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen, insbesondere für das Pflegepersonal, geben sollte.

Die Ampelkoalition hat sich auf die Impfpflicht für die Pflege geeinigt. Tatsächlich spitzt sich parallel zum Infektionsgeschehen in der Gesamtbevölkerung auch die Lage in den Alten- und Pflegeheimen nach Monaten relativer Entspannung wieder zu. Vom 8. bis 14. November verzeichnete das Robert-Koch-Institut (RKI) Ausbrüche in bundesweit 192 Alten- und Pflegeheimen, 31 mehr als in der Vorwoche. Betroffen waren 1932 Bewohnerinnen und Bewohner. Es gab 181 neue Todesfälle.

Kann eine Impfpflicht für die Pflegekräfte die Lösung sein?

Die hiesigen Häuser müssen sich nun überlegen, wie sie die ihnen Anvertrauten sicher durch den Corona-Winter bringen. Kann eine Impfpflicht für die Pflegekräfte die Lösung sein? Mit „brachialer Gewalt“ Impfungen nun durchzusetzen, davon hält Förner wenig. Er setzt stattdessen weiter auf Aufklärungsarbeit. „Wir versuchen, mit den Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen, Vertrauen aufzubauen und sie mit Argumenten doch noch von einer Impfung zu überzeugen“, sagt er. Seine ungeimpften Pflegerinnen und Pfleger seien keine Querdenker, sie hätten schlicht Angst. Sie fürchteten etwa Spätfolgen der neuen Impfstoffe.

Stark steigende Corona-Zahlen befeuern die Debatte um eine Impfpflicht für Pflegekräfte.

Wie erfolgreich seine Überzeugungsversuche bei den Impfskeptikern in seiner Belegschaft tatsächlich sind, kann Förner nicht sagen. Er wisse nur von einer Mitarbeiterin, die sich nach einem seiner eindringlichen Appelle doch noch habe impfen lassen. Im Hufelandhaus betrage die Impfquote derzeit 82 Prozent.

Das Infektionsschutzgesetz erlaubt eine Impfpflicht

Auch wenn Förner nichts von Zwang hält, rechtlich wäre es möglich. Das Infektionsschutzgesetz erlaubt eine Impfpflicht. Der Bundesgesundheitsminister könnte sie per Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrats einführen, ebenso einzelne Landesregierungen.

Gewiss ist jedenfalls: Geimpfte Pflegekräfte geben das Virus deutlicher seltener an ihre Schützlinge weiter. Dennoch wären selbst bei einer Impfquote von 100 Prozent unter den Pflegekräften weiterhin regelmäßige Tests in den Heimen unabdingbar, denn das Risiko ist eben nie null. Derzeit müssen ungeimpfte Pflegekräfte in den Heimen von Frankfurt täglich getestet werden, geimpfte und genesene nun auch zweimal pro Woche.

Impfpflicht für Pflegekräfte: Kein Verständnis mehr für Ungeimpfte

Während Hufelandhaus-Chef Förner die Impfskeptischen in seinem Team noch überzeugen möchte, finden andere Frankfurter Heimleitungen, dass längst genug geredet worden sei. „Ich habe absolut kein Verständnis mehr für ungeimpfte Pflegekräfte“, sagt etwa Frédéric Lauscher, Vorstandsvorsitzender beim Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe, dem größten Träger sozialer Einrichtungen in der Stadt. Eine Impfpflicht nur für wenige lehnt er dennoch ab.

Bernd Trost, der Leiter des Franziska-Schervier-Seniorenzentrums und des Pfarrer-Münzenberger-Hauses, sieht das anders: „Ich und ein Großteil der Belegschaft würden eine Impfpflicht für Senioreneinrichtungen begrüßen.“ Einen Präzedenzfall gebe es bereits: Trost darf niemanden mehr beschäftigen, der nicht gegen Mumps, Masern und Röteln immunisiert ist. In seinen Häusern liege die Impfquote beim Personal jeweils bei etwa 82 Prozent. Wenn man Personen abziehe, die aus triftigen Gründen von einer Impfpflicht befreit wären, müssten sich noch 20 Angestellte impfen lassen.

Förner findet aber: „Man sollte das nicht allein auf die Pflegekräfte abwälzen.“ Viele Seniorinnen und Senioren seien schließlich noch mobil und hielten sich nicht nur in der Einrichtung auf. Außerdem fragt er sich: „Wie soll ich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erklären, dass für alle anderen, die ins Haus kommen, keine Impfpflicht gilt?“

Impfquote in der Krankenhauspflege liegt bei über 90 Prozent

Das wäre ungerecht, meint auch Lauscher vom Frankfurter Verband und fordert: „Wenn eine Impfpflicht kommen sollte, dann bitte für alle.“ Zwar sei jede geimpfte Person hilfreich, aber den Fokus auf die Pflegekräfte hält er für falsch. Förner warnt gar davor, diese durch die Diskussion über eine Impfpflicht pauschal als verantwortungslose Impfverweigerer darzustellen, die Treiber der Pandemie seien. Der Deutsche Pflegerat geht sogar davon aus, dass die Impfquote unter den examinierten Pflegekräften bereits über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung liegt (derzeit etwa 68 Prozent). Allein: Offizielle Zahlen fehlen. Die Impfquote beim Pflegepersonal wird nicht zentral erfasst. In den Häusern des Frankfurter Verbands betrage sie, so heißt es, 85 Prozent.

Laut einer Studie des RKI vom Oktober liegt die Impfquote in der Krankenhauspflege sogar bei über 90 Prozent. Die Untersuchung basiert auf Daten einer Befragung von Ende Juni bis Ende Juli. Insofern könnte man sich fragen, wie sinnvoll eine Impfpflicht für die Pflege wäre, um den Anteil der Geimpften in der Gesamtbevölkerung deutlich zu erhöhen.

Impfen für das Gemeinwohl

Die Gewerkschaften warnen zudem vor den Folgen und befürchten einen Exodus ungeimpfter Pflegekräfte aus Trotz, der den Pflegenotstand noch weiter verschärfen könnte. Lauscher vermutet aber, dass die meisten Ungeimpften in seiner Branche nicht kündigen. Sie würden die Impfung als das kleinere Übel begreifen und sich lieber immunisieren lassen, als den Job zu verlieren und sich beruflich völlig neu orientieren zu müssen.

Für Förner vom Hufelandhaus sind die milden Mittel noch nicht ausgeschöpft. Er appelliert: „Wenn ihr euch schon nicht um euretwillen impfen lasst, dann tut es für das Gemeinwohl.“ Nur so „bekommen wir irgendwann unser Leben zurück“. (Julian Dorn)

Rubriklistenbild: © AFP

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