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Frankfurt: Diskussion um Buchmesse

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Nach einer Aufsichtsratssitzung geht der Börsenverein des Deutschen Buchhandels auf Distanz zu dem Plan, die Frankfurter Buchmesse und die Musikmesse 2021 zeitlich parallel auf dem Frankfurter Messegelände zu organisieren.

Unser Wunsch ist es nicht, dass beide Messen zur gleichen Zeit stattfinden“, betont Alexander Skipis, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. Buchmesse-Direktor Juergen Boos, der die Gespräche mit der Frankfurter Messegesellschaft über die parallelen Veranstaltungen geführt hatte, fand im Aufsichtsrat laut Skipis keinen Rückhalt. Die Position des 59-Jährigen, der die Buchmesse seit 2005 führt, gilt als geschwächt.

Bei der Frankfurter Messegesellschaft ruft die Haltung des Börsenvereins große Verwunderung hervor. Messe-Sprecher Markus Quint versichert der FR, dass vom 20. bis 24. Oktober 2021 Buchmesse und Musikmesse parallel auf dem Messegelände ausgerichtet würden. Daran habe sich nichts geändert. Auch ein geplanter gemeinsamer Kongress von Buch- und Musikmesse sowie gemeinsame gesellschaftliche Events seien „nicht abgesagt“ worden.

Nach Informationen der FR hat Buchmessen-Direktor Boos an den vorbereitenden Verhandlungen mit der Messegesellschaft für 2021 teilgenommen. Nachdem die Pläne öffentlich wurden und anfangs in der „FAZ“ sogar von einem gemeinsamen Event-Festival 2021 die Rede war, brach ein Protest-Sturm aus. Für die Buchszene, die ohnehin stark verunsichert ist, kommt der Konflikt über den künftigen Charakter der Buchmesse zur Unzeit. Gerade musste der Börsenverein mitteilen, dass weitere Leserinnen und Leser verloren gegangen sind und die Umsätze im Buchhandel durch die Corona-Pandemie sanken.

Hartwig begrüßt klare Positionierung

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) begrüßt, „dass sich der Börsenverein klar positioniert hat“. Sie hält „eine Verwässerung der Eigenständigkeit“ der Buchmesse für „unglücklich“. Die CDU hält eine Annäherung der Buchmesse an die Musikbranche für den falschen Weg. Die größte Medienschau der Welt müsse weiterentwickelt werden, sagt der kulturpolitische Sprecher der CDU im Römer, Thomas Dürbeck, aber nicht auf diese Weise. Dürbeck gibt zu bedenken, dass die Beherbergungsbranche in Frankfurt gar nicht in der Lage sei, Buchmesse und Musikmesse zeitgleich zu verkraften. Dem widerspricht Messe-Sprecher Quint energisch. Frankfurt könne beide Messen zur gleichen Zeit bewältigen. „Es gibt 10 000 Hotelzimmer in Laufnähe zum Messegelände.“

Die Grünen im Römer zeigten sich erleichtert, dass der Aufsichtsrat allen Überlegungen eine Absage erteilt habe, die Buchmesse mit der Musikmesse und der Games-Branche zu verschmelzen. Sie forderten von OB Peter Feldmann (SPD) als dem Aufsichtsratsvorsitzenden ein Zukunftskonzept 2030 für die Entwicklung der Frankfurter Messe. In der nächsten Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Frankfurter Stadtparlaments müsse ein Rahmen vorgestellt werden. Frankfurt könne sich „keine weitere Blöße rund um den Messestandort leisten“.

Für die diesjährige Buchmesse unter den Einschränkungen der Pandemie wird die Lage derweil immer schwieriger. Die Organisatoren versuchen verzweifelt Räume zu finden, die groß genug sind, Veranstaltungen unter den Vorschriften zu organisieren.

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