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Die IAA und ihre Gegner: Aktivisten von „Sand im Getriebe“ blockieren den Messe-Haupteingang.

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IAA in Frankfurt als „Dinosauriermuseum“

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Der Hessische Landtag streitet über die Zukunft der Messe. Viele Parteien wollen sie zur Messe für nachhaltige Mobilität öffnen. Die AfD dagegen fordert mehr „Fridays for Hubraum“.

An der Zukunft des Autos scheiden sich die Geister in der hessischen Politik. CDU, Grüne, SPD und Linke zeigten sich bei einer Debatte am Mittwoch im Hessischen Landtag überzeugt, dass sich die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) für neue Wege der Mobilität öffnen müsse. FDP und AfD warnten hingegen vor einem „Kulturkampf gegen das Auto“, wie es der FDP-Abgeordnete Stefan Naas formulierte.

Die IAA habe „die große Chance, auch in Zukunft ihre Position als internationale Leitmesse zu festigen, indem sie auch einen Schwerpunkt auf integrierte und nachhaltige Verkehrs-und Mobilitätskonzepte setzt“, hieß es in einem schwarz-grünen Antrag, den der Landtag mit den Stimmen der Koalition annahm.

Allerdings zeigten sich CDU und Grüne nicht in allen Punkten einig. Grünen-Fraktionschef Mathias Wagner wandte sich etwa dagegen, die Umstellung von schweren SUVs auf Elektroantrieb als Teil einer Verkehrswende zu verkaufen. Dafür erhielt er Beifall von den Linken, aber nicht vom Koalitionspartner CDU. Dessen Fraktionsvorsitzender Michael Boddenberg erwiderte, es sei sehr wohl ein Fortschritt, wenn solche Autos als Elektrofahrzeuge gebaut würden.

Grünen-Politiker Wagner warnte, die IAA müsse aufpassen, nicht zum „Dinosauriermuseum“ zu werden. Auf der Messe müsse künftig die Frage erörtert werden, „wie wir von der autogerechten Stadt wieder zur menschengerechten Stadt kommen“, schlug Wagner vor.

560.000 Besucherinnen und Besucher sind in diesem Jahr zur Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) gekommen. Sie ist damit die größte Messe in Frankfurt. Vor zwei Jahren waren allerdings noch 810 000 Autofreunde bei der IAA gezählt worden.

Seit 1951 wird alle zwei Jahre eine IAA in Frankfurt ausgerichtet. Seinerzeit waren bereits 570 000 Menschen zur Autoschau gekommen. pit

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) war nicht zur Eröffnungsfeier der IAA eingeladen worden und hatte gemutmaßt, diese Entscheidung habe sich gegen eine kritische Rede von ihm gerichtet. Die hessische CDU hatte ihm daraufhin vorgeworfen, damit riskiere er den Fortbestand des IAA-Standortes Frankfurt.

Das hörte sich im Landtag ganz anders an. CDU-Fraktionschef Boddenberg klatschte, als sein Grünen-Kollege Wagner ausrief: „Es ist nicht der Frankfurter Oberbürgermeister, der die IAA gefährdet – das schafft die Branche schon ganz allein.“

Der FDP-Verkehrspolitiker Naas hielt Feldmann vor, er inszeniere sich als „Zensuropfer“, statt für den Erhalt der IAA in Frankfurt zu kämpfen. „Die IAA ist ein Juwel, um das uns ganz, ganz viele beneiden“, sagte Naas. Autos seien „Technik, Leidenschaft, Begeisterung. Sie sind Ausdruck unseres Lebensstils.“

Ähnlich äußerte sich der AfD-Abgeordnete Klaus Gagel. „Die Bürger in unserem Land lieben ihre Freiheit und ihre individuelle Mobilität“, sagte er und fügte hinzu: „Wir brauchen mehr ,Fridays for Hubraum‘ als ,Fridays for Future‘.“

Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und Linken-Fraktionschefin Janine Wissler wiesen auf den Rückgang bei Aussteller- und Besucherzahlen der IAA hin. „Wir brauchen natürlich einen sozial-ökologischen Umbau, gerade um die Arbeitsplätze zu erhalten“, sagte Wissler. Der SPD-Abgeordnete Tobias Eckert äußerte den Wunsch, „dass eine IAA 2.0 zur Leitmesse der Welt für Mobilität wird“.

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